Hammerwerfen
Pia bringt's weit

An den Haaren sieht man es: Um das Wurfgerät möglichst weit zu schleudern, braucht Pia Schraml viel Schwung. Bild: Gebert
Sport
Wiesau
27.10.2016
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"Da waren die Besten der U18 und U20 dabei. Das war ein gutes Gefühl, im selben Raum und auf denselben Wettkampfstätten wie die Spitzensportler zu trainieren." Zitat: Pia Schraml über ihr Training im Bundeskader

Der Sandplatz im Wiesauer Sportzentrum muss ganz schön leiden. Im Minutentakt schlagen Eisenkugeln am Boden auf. Die jungen Hammerwerferinnen trainieren fleißig, um im nächsten Jahr wieder für Furore zu sorgen. Für die 15-jährige Pia Schraml soll die neue Saison noch besser werden als die alte.

Einmal zu lange nachgedacht, einmal zu früh losgelassen - schon landet der Hammer im Wurfkäfig. Dann holen drei Mädels eine Aluminiumleiter aus dem kleinen Geräteschuppen neben dem Trainingsplatz. Eine der jungen Frauen klettert nach oben und befreit das verhedderte Wurfgerät aus dem Auffangnetz.

Training im BLV-Hammerwurf-Stützpunkt in Wiesau - Pia Schraml, ihre ältere Schwester Selina und Stella Behnke wissen, was zu tun ist, wenn ein Versuch völlig misslingt. Das passiert an dem Tag aber nur einmal. Denn die Wiesauer Hammerwerferinnen sind gut. Richtig gut ist die 15-jährige Pia Schraml.

Die Schülerin am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth kann auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken: Bayerische und süddeutsche Meisterin, Vierte bei den deutschen Titelkämpfen, konstante 47-Meter-Weiten. "Am Anfang der Saison habe ich gemerkt, dass es gut läuft, aber im Allgemeinen nicht gedacht, dass es so gut wird", sagt Pia Schraml über ihr Jahr. Im April warf sie den Hammer 48,80 Meter weit - bis heute ihre Bestleistung. Vor einem Jahr lag diese noch bei 41,30 Meter. Im nächsten Jahr peilt die Zehntklässlerin die 55 Meter an.

Acht Meter pro Jahr


"Im Schnitt will ich mich so acht Meter pro Jahr verbessern", sagt sie. Weil sie dann in der höheren Altersklasse startet, möchte Schraml vor allem "auf Weite gehen". Ein weiteres Ziel sei die U18-EM, an der sie gerne teilnehmen würde: "Das wäre cool, ist aber noch ziemlich weit weg. Dafür braucht man Weiten von 62, 63 Metern." Der Wurftrainer und erste Vorsitzende des TB Jahn Wiesau, Gerhard Priemer, hält das nicht für utopisch: "Hammerwerfen ist eine technische Disziplin, da sind große Sprünge möglich."

Im Training schleudern die drei Wiesauerinnen und Nancy Randig aus Regensburg die Wurfgeräte bereits verlässlich an die 60-Meter-Marke. Die Mädels benutzen aber leichtere Hammer als im Wettkampf, Gerhard Priemer ist trotzdem begeistert. "Was haben die denn heute gegessen?", ruft er über den Sandplatz, auf dem die Werferinnen trainieren. Bei Pia Schraml könnte es auch an der Schule liegen. Schwester Selina scherzt: "Der Mathe-Jahrgangsstufentest ist vorbei, jetzt ist die Anspannung weg." Viermal trainieren die Wiesauerinnen in der Woche,

Pia Schraml kriegt Schule und Hammerwerfen trotzdem unter einen Hut: "Das ist eigentlich nicht stressig." Seit der ersten Klasse ist sie in der Leichtathletik aktiv, seit der fünften wirft sie den Hammer. Das gefällt ihr, weil die Disziplin neben dem Stabhochsprung die technisch schwierigste der Leichtathletik sei. "Es ist ganz wichtig, einen guten Rhythmus aufzubauen. Da spielen ganz viele Punkte zusammen, Kleinigkeiten entscheiden", sagt die Wiesauerin.

Bei Deutschlands Besten


Bei der deutschen Meisterschaft in Bremen belegte die 15-Jährige den vierten Platz. "Einen halben Meter weniger als die Dritte. Trotzdem war es ein gutes Ergebnis", sagt sie. "Da war sie wahrscheinlich zu nervös", sagt ihr Trainer. Der ist mit der Entwicklung seiner Werferin zufrieden.

Am Ende der Saison war Pia Schraml ins Bundesleistungszentrum in Kienbaum im Bundeskader der Hammerwerferinnen eingeladen. Sie durfte wegen ihres zweiten Platzes beim Hammerwurf Junioren-Cup als zusätzlicher Gast mittrainieren.

"Da waren die Besten der U18 und U20 dabei. Das war ein gutes Gefühl, im selben Raum und auf denselben Wettkampfstätten wie die Spitzensportler zu trainieren", sagt Pia Schraml. Will sie dort noch öfter trainieren, werden in Zukunft wohl noch viele weitere Wurfhammer im Auffangnetz des Schutzkäfigs landen.

Da waren die Besten der U18 und U20 dabei. Das war ein gutes Gefühl, im selben Raum und auf denselben Wettkampfstätten wie die Spitzensportler zu trainieren.Pia Schraml über ihr Training im Bundeskader
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