Barmherzigkeit muss man leben

Hanspeter Milz. Bild: wro
Vermischtes
Wiesau
19.03.2016
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Pfarrer Hanspeter Milz liebt die Berge im Allgäu. Noch in jungen Jahren konnte er sich kaum vorstellen, von dort wegzugehen. Dann spürte er den Ruf Gottes, der ihn schließlich auf eine missionarische Reise bis hinauf nach Rügen, auch an die Grenze Polens führte. Nun sprach er in Wiesau.

Pfarrer Hanspeter Milz gestaltete die dritte Veranstaltung in der vorösterlichen Predigtreihe in der Pfarrkirche Sankt Michael. Der wortgewaltig auftretende Geistliche erinnerte in seiner Rhetorik ein wenig an den beliebten, inzwischen verstorbenen Jesuitenpater Johannes Leppich, der einst auch in Wiesau die Bevölkerung anzog. Damals brauchte man allerdings deutlich mehr Plätze; am Sonntag reichte das vordere Drittel des Kirchenschiffs. Dass Milz Allgäuer ist, merkte der aufmerksame Zuhörer sofort. Seine Mundart verleugnete der Pfarrer nicht; sie drang immer wieder durch. In seiner Fastenpredigt widmete er sich dem "Jahr der Barmherzigkeit", bat zuvor jedoch um ein gemeinsames Lied, anschließend um ein Gebet.

"Barmherzigkeit muss man leben", mahnte der Geistliche. Milz erinnerte auch an die entsprechende Stelle im Lukas-Evangelium: "Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist." Immer wieder streute Milz selbst erlebte Beispiele barmherziger Nächstenliebe in seine Worte ein, erzählte von einer ihm bekannten Frau, beschrieb mit wenigen Sätzen deren Wesen: "Verhärtet war ihr Herz." Der Seelsorger bedauerte: "Nein, Nächstenliebe pflegte sie nicht." Wenige Häuser weiter durfte der Allgäuer Geistliche die Güte eines Mannes erfahren. Warum ausgerechnet der Freundlichere der beiden mit einem schweren Leiden geprüft wurde, konnte der Pfarrer nicht erklären. Gottes Wege seien oft schon seltsam, spann der erzählfreudige Pfarrer seinen Faden weiter. Seine gedankliche Reise zum Thema Barmherzigkeit führte ihn schließlich auch ans Kölner Rheinufer. Er erzählte die Geschichte einer frommen Frau, die ihre bescheidene Rente mit dem Sammeln von Pfandflaschen aufzubessern versuchte. "Ja, ich wurde schon mal bestohlen", habe sie auf einer Bank am Rhein sitzend einem hochrangigen Geistlichen berichtet. Den Glauben aber könne ihr niemand stehlen.

Die beeindruckenden Beispiele gelebter Barmherzigkeit von Hanspeter Milz und die eigenen Erlebnisse stießen in der Wiesauer Pfarrkirche auf große Aufmerksamkeit. Die letzten Minuten der einstündigen Fastenpredigt schließlich waren dem gemeinsam gebeteten "Barmherzigen Rosenkranz" gewidmet.
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