Dr. Karl Wallner spricht beim Pfarrgemeinderat Wiesau
Über Umwege zum Opferlamm

So manchen Fingerzeig gab Professor Dr. Karl Wallner seinen Zuhörern mit auf den Weg. Bild: wro
Vermischtes
Wiesau
26.04.2016
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Das Eis war schnell gebrochen. In der Region gebe es wohl auch Orte, die nicht auf "Reuth" enden, stellte Dr. Karl Wallner erstaunt fest. Gleich nach seiner Ankunft habe er sich in Eger umgesehen, schwärmte der Gast von der Umgebung. "Im Kloster Fockenfeld war ich heute auch schon."

Zu Beginn seines abendfüllenden Monologs beim Pfarrgemeinderat sagte der Österreicher: "Ja, es stimmt, in diesem Jahr halte ich in Deutschland nur zwei Vorträge. Morgen spreche ich in Bochum vor einem ,g'studierten Publikum'. Da freut es mich umso mehr, dass ich heute vor ,normalen' Leuten reden darf." Wallner hatte die Herzen gleich auf seiner Seite. Zunächst jedoch musste das Mikrofon um einige Zentimeter höher geschraubt werden. Der Ordenspriester und Gründungsrektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz überragte seinen Vorredner, Pfarrgemeinderatssprecher Josef Stock, deutlicher als gedacht.

"Kampfkatholiken"


Der Gast aus Niederösterreich bekannte, dass er sich in der Oberpfalz wie zu Hause fühle. Zum eigentlichen Thema: "Jesus Christus als Opferlamm! Was heißt das?" kam der beredte Zisterzienser aber noch nicht. Unter den Zuhörern war kaum einer, der den sympathischen Seelsorger nicht von irgendwoher zu kennen schien. Sei es nun von "Wetten dass", aus Publikationen oder von den Charts. 2008 nämlich wurde Wallner mit "The Cistercian Monks of Stift Heiligenkreuz" und gregorianischen Gesängen bekannt. Wallner ging auf seine Fernsehauftritte ein, fesselte das Publikum mit netten Späßen und frechen Pointen. Flach wurde der Abend dennoch nicht. Immer wieder würzte er seine Ausflüge in die heiteren Ecken des Lebens mit fundiertem theologischen Wissen. Bewusst überforderte er auch manchmal seine Zuhörer, hielt ihnen seinen Spiegel vor und erzählte von "Kampfkatholiken" die lange Wartezeiten in Kauf nähmen, um bei ihm die Beichte ablegen zu können.

Wallner berichtete von seinen Erfahrungen im Priesterseminar und bemerkte: "Die Berufungsgeschichten meiner Schüler sind oft spannender als ein Kriminalroman." Über Mangel an Schülern könne er sich nicht beklagen. "Glauben Sie ja nicht, dass das Priestertum ein Ende finden wird", sagte er. Man müsse es nur fördern, schloss er gestenreich.

Fast unbemerkt kam er schließlich doch beim Thema "Opferlamm" an. Ganz nach Wallner-Art fragte er seine Zuhörer: "Warum machte es der Herrgott eigentlich so kompliziert? Warum musste ausgerechnet Jesus an einem Kreuz leiden? Hätte Jesus auch daheim, weniger grausam, in einem Bett sterben können?" Wallners Antworten waren vielfältig, durchaus aber plausibel. Sein Fazit lautete: "Auf Jesu Schulter wurden die Sünden der Welt geladen." Der Prediger detaillierte seine Aussage: "Pilatus wusch seine Hände in Unschuld, man hatte den sprichwörtlichen Sündenbock gefunden. Daher jagte man Jesus aus der Stadt, deshalb auch musste der Heiland sein Kreuz nach Golgota schleppen."

Bei Mutter Teresa


90 Minuten geballte Fragen und Antworten boten Anlass, seine Zuhörer auch einmal zum Trinken aufzufordern: "Nicht dass hier jemand dehydriert!" Augenzwinkernd verriet der Niederösterreicher, dass er als Chauffeur einmal in Diensten von Mutter Teresa stand. "Ich werde beten, dass du ein guter Priester wirst", soll sie ihm versprochen haben. "Gut, dass sie nicht gebetet hat, dass ich ein heiliger Priester werde", sinnierte er.

Zur PersonDer österreichische Ordenspriester Karl Josef Wallner, 1963 in Wien geboren., ist Gründungsrektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz in Niederösterreich und vertritt an der dortigen Hochschule als Professor die Fächer Dogmatik und Sakramententheologie. Zugleich ist er als Jugendseelsorger und Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit im Stift Heiligenkreuz tätig, in das er 1982 eintrat.

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Weitere Informationen:

www.hochschule-heiligenkreuz.at
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