Gelübde nach schwerem Unfall

Die Kapelle ist ein echtes Schmuckstück und für jeden zugänglich. Bild: ubb
Vermischtes
Wiesau
17.05.2016
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Pfarrer Wolfgang Dietz (rechts) erbat den Segen Gottes. Martina Fröhler (Mitte) sprach gemeinsam mit einigen Mädchen die Fürbitten. Bild: ubb

Es war vor zwölf Jahren: Am 27. April 2004 war Josef Fröhler nach einem Arbeitsunfall dem Tod sehr nahe. Wie durch ein Wunder überlebte er. Zum Dank legte Fröhler ein Gelübde ab: Er versprach, eine Kapelle zu bauen. Am Pfingstmontag war Einweihung.

Triebendorf. "Der gute Hirte hat mir gefallen. Diese Darstellung zeigt Jesus als Beschützer und Retter, so wie er mich gerettet hat", sagt Josef Fröhler. Die weiße Figur in der Kappellennische auf dem Anwesen Triebendorf 29 trägt ein Lamm auf dem Arm. Was es damit auf sich hat und warum dort plötzlich ein Kirchlein steht, erfuhren über 200 Gäste am Pfingstmontag. "Es war ein normaler Arbeitstag", erinnert sich Josef Fröhler an seinen schlimmen Unfall. Er wollte am 27. April 2004 nur kurz einem Kollegen helfen, als bei der Produktion Material riss. "Ich rannte direkt in siedend heißes Glas", berichtet er weiter. Im ersten Augenblick hatte er seine schreckliche Verletzung gar nicht bemerkt. Doch es war schlimm: Ein Stück Glasröhrchen war in seinen Hals gedrungen - mitten hindurch. Per Rettungshubschrauber kam Fröhler in eine Klinik nach Regensburg. Die Ärzte gaben Josef Fröhler wenig Überlebenschancen. Der Verunglückte musste 24 Stunden lang um sein Leben bangen, bis ein Professor selbst die Operation übernahm. "Die Mediziner sagten, das siedend heiße Glas sei der Grund gewesen, dass ich das überlebt habe. Die Hitze habe sofort die verletzten Gefäße wieder verschweißt, sonst wäre ich innerlich verblutet", so Fröhler. Nach bangen Stunden für ihn und seine Familie galt er als gerettet. Für den Verunglückten war das wie eine zweite Geburt: "Nach einem solchen Erlebnis bekommt das Leben völlig neue Dimensionen. Ich war nur noch dankbar."

Stein auf Stein


Josef Fröhler hat wenig später ein Gelübde abgelegt und realisiert: Stein auf Stein hat er selbst gesetzt, obwohl er kein gelernter Maurer ist. Nach vier Jahren war das Schmuckstück fertig: Fenster aus buntem Glas, ein Rundbogenportal, ein massives Dach mit roten Ziegeln, auf dem Sims im Innenraum der gute Hirte und sogar ein eigener Treppenaufgang: Alles da, was ein Gotteshaus braucht, freilich nur im Miniaturformat. Aber genau das macht den Charme des Kirchleins aus. Nun fehlte nur noch der Segen Gottes, um den Pfarrer Wolfgang Dietz am Pfingstmontag im Beisein von 200 Gästen bat. "Hier ist eine Verbindung zwischen Himmel und Erde entstanden", sagte der Seelsorger in wenigen, aber schönen Worten. Bürgermeister Toni Dutz gratulierte und freute sich über die schöne Neuerung in Triebendorf. Martina Fröhler, die Ehefrau von Josef Fröhler, sprach gemeinsam mit einigen Mädchen die Fürbitten, Sohn Andreas las das Evangelium. Die Frauen des Dorfes hatten Kuchen gebacken und mitgebracht, die Männer kümmerten sich schon am frühen Morgen ums Aufstellen der Biertischgarnituren: So viel Gemeinschaftssinn um ein kleines Kirchlein rührte den Bauherrn sehr. "Ohne eure Hilfe hätte ich das heute nicht geschafft", sagte Josef Fröhler dankbar und betonte ausdrücklich, alle seien hier willkommen. Um das Kirchlein frei zugänglich zu machen, hat Fröhler extra einen Zaun geöffnet. "Jeder darf hier innehalten, beten oder sein Herz ausschütten", lädt er zur Teilhabe an der "Kapelle zum Guten Hirten" ein. Eine bewegende Geste von einem Mann, der ein Wunder erlebt hat.
Nach einem solchen Erlebnis bekommt das Leben völlig neue Dimensionen. Ich war nur noch dankbar.Josef Fröhler
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