Hoffen auf friedliches Miteinander

"Freilich sind wir ein Heim", sagt Gruppenleiter Hans Fröhler (Vierter von rechts). "Aber wir sind ein modernes Heim!" Die jungen Männer fühlen sich in Wiesau wohl, dafür sorgt nicht nur eine modern eingerichtete Gemeinschaftsunterkunft, sondern auch eine sorgfältige Betreuung der dort arbeitenden Mitarbeiter. Mit im Bild Betreuerin Melanie Dobmeier (Zweite von rechts), Hannelore Haberzett (Fünfter von rechts) und Rico Lanzendörfer (Dritter von links) zusammen mit einigen Flüchtlingen und Gast Bür
Vermischtes
Wiesau
03.05.2016
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"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Dieses Zitat von Hermann Hesse hängt über der Sitzgruppe im Wohnzimmer der Wiesauer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Viele der hier lebenden Jugendlichen haben Schreckliches mitgemacht. Während ihrer abenteuerlichen Flucht mussten sie mehrmals um ihr Leben fürchten. Das Ersparte der Eltern, Freunde und Verwandten erhielten Schleuser, ein fragwürdiges Entgelt für eine mehr als ungewisse Zukunft. Hesses Zeilen aus dem Gedicht "Stufen" geben Zuversicht. Die jungen Leute hoffen auf ein neues, friedlicheres Leben in Europa. Sie sind dankbar und zeigen das. Das Interesse an einer schulischen oder beruflichen Ausbildung ist groß. Die dezentrale Unterkunft unweit des Wiesauer Bahnhofs ist für die jungen Menschen ein ruhiger Ort, auch eine Insel der Hoffnung. Ihnen zur Seite stehen fürsorgliche Betreuer, unterstützt von der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. In der neu eingerichteten dezentralen Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben derzeit 14 junge Männer. Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Albanien und Pakistan. Christen unterhalten sich mit Moslems, lachen, scherzen und lernen sich zu respektieren. Es ist ein friedliches Miteinander. Einige von ihnen besuchen den Deutschunterricht in der Berufsschule, einer die Fachoberschule in Weiden. Drei der Flüchtlinge haben sich bereits für die Aufnahmeprüfung an der FOS angemeldet.

Die Einrichtung in der Unterkunft ist neu. Privatleute haben die Wohnung mit zehn Einzel- und zwei Doppelzimmern im Obergeschoss des Hauses zur Verfügung gestellt. Träger der Einrichtung ist die Katholische Jugendfürsorge, informiert Einrichtungsleiterin Hannelore Haberzett vom Haus Elisabeth. Die Einrichtung in Windischeschenbach ist auch für die Wohngemeinschaften in Wiesau und Weiden zuständig.

Gemeinsam mit Gruppenleiter Hans Fröhler stellt Hannelore Haberzett die neue Wohnanlage vor. Alles wirkt aufgeräumt, ordentlich und sauber. Blumen zieren das runde Glastischchen. Brettspiele türmen sich in der Anrichte, daneben steht ein Fernseher. Das geräumige Wohnzimmer bietet viel Platz zum Entspannen. Unmittelbar daneben schließt sich das geräumige Esszimmer an.

Kontakte aufbauen


Gruppenleiter Hans Fröhler gleicht im zusätzlichen Unterricht Defizite aus. "Die jungen Flüchtlinge sind hochmotiviert und zeigen großes Interesse, hier Fuß zu fassen", informiert Hannelore Haberzett im Gespräch mit unserer Zeitung. "Eine dauerhafte Unterstützung lehnen sie ab", bestätigt Hans Fröhler. Er kennt seine Jungs, die Schule mache ihnen großen Spaß. Gut funktioniere auch der Kontakt zu den anderen Wohngruppen, betont der Gruppenleiter ergänzend. Kontakte zum Wiesauer Arbeitskreis Asyl, aber auch zu den hiesigen Fußballvereinen konnten bereits geknüpft werden. Ihre Deutschkenntnisse zeigten dank guter Lehrer hervorragende Fortschritte. Kommunikation mit Einheimischen sei ein wichtiges Mittel, mit dem Erlebten umgehen zu können. "Die jungen Leute entscheiden überall mit, hatten auch bei der Wahl ihrer Zimmergenossen ein Mitspracherecht", erzählt der Heimleiter.

"Wir sind uns bewusst, dass wir keine Kinder mehr vor uns haben", stellt die Mitarbeiterin aus Windischeschenbach heraus. "Wir beraten, zeigen auch, wie man mit dem Taschengeld umgehen muss. Die jungen Leute sind sehr sparsam."

Wichtig ist Fröhler der Kontakt zur Wiesauer Bevölkerung. Ein offener Dialog könne dabei helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen. Aus diesem Grund schaut auch Bürgermeister Toni Dutz auf ein kurzes "Grüß Gott" vorbei. Als Geschenk hat er nicht nur das gläserne Gemeindewappen mitgebracht, auch eine Einladung ins Wiesauer Rathaus. "Die jungen Männer sollen spüren, dass wir ein offenes Rathaus haben. Gerne möchten wir unser Personal, auch unsere demokratischen Einrichtungen einmal näher vorstellen." Dutz setzt hinzu: "Der tägliche Umgang mit Behörden, auch mit unseren Polizeibeamten dürfe bei den neuen Gemeindebürgern keine Ängste mehr hervorrufen."
Die jungen Flüchtlinge sind hochmotiviert und zeigen großes Interesse, hier Fuß zu fassen.Hannelore Haberzett
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