Kindergarten-Regie rund um Sankt Martin
Großes Theater für die Kleinen

Besonders aufgeregt sind die Hauptdarsteller. Aber "St. Martin" alias Melina Spitznagel und der "Bettler" Ida Herdina (Mitte) spielen ihre Rolle gleich bei der ersten Probe wunderbar.
Vermischtes
Wiesau
10.11.2016
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Die Kinder aus der Nachmittagsbetreuung sind mächtig stolz auf ihre Tabaluga-Laternen. Sie dürfen beim St.-Martin-Spiel in der Pfarrkirche unter anderem die Fürbitten sprechen.

In den Kindergärten herrscht helle Aufruhr: Am Freitag ist St. Martin unterwegs. Und da steckt viel Arbeit dahinter. Damit dieses traditionelle Fest gebührend gefeiert werden kann, wird es wochenlang vorbereitet.

Während die Tirschenreuther ihre Premiere von "Servus King" geschafft haben und entspannt den weiteren Vorstellungen entgegen schauen, ist die Aufregung im Kindergarten St. Elisabeth bis heute noch groß. Ungleich schwerer muss die "Kindergarten-Regie" um die Leiterinnen Conny Preisinger und Annette Gleißner sage und schreibe 90 Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren Theaterspielen beibringen.

Verständlich, dass man dabei selbst in der eiskalten Pfarrkirche, wo die Proben stattfinden, ins Schwitzen geraten kann. "Also, jetzt wird mir heiß", stöhnt eine Kinderpflegerin lachend und bindet ihren Schal ab. Aber immerhin: Die Proben laufen gut, die Kinder sind aufmerksam dabei. Das macht viel Freude!

Ohne Lampenfieber


Mitmachen dürfen alle, auch die Kinder aus der Nachmittagsbetreuung. "Wir bitten dich, die Menschen zu beschützen, die unter Lebensgefahr anderen helfen", lernt dort Katharina Libscher ausnahmsweise nicht Mathematik, sondern ihre Fürbitte. Am Freitagnachmittag wird sie diese vorne am Altar in der Pfarrkirche vortragen. Lampenfieber kennt Katharina nicht. Die Achtjährige hat sechs Martinsfeier hinter sich, ein echter Profi.

Stolz zeigen die Schulkinder ihre Drachenlaternen, die beim Basteln recht kniffelig waren. "Wir haben unterschiedliche Laternen, je nach Alter einfacher gestaltet", erklärt Erzieherin Waltraud Konrad. Natürlich sind die Mond- und die Pilzlaternen ebenso toll. Nahezu alle haben Wachskerzen. "Die echten Kerzen geben in der Dämmerung ein wärmeres Licht ab", findet Waltraud Konrad, die es den Eltern überlässt, ob sie Kerzen wählen oder die modernen LEDs.

Während die Kinder basteln, kümmern sich die Großen um die Logistik. "Die Mütter backen Lebkuchen. Wir kaufen Martinshörnchen, Wiener, Tee und Glühwein ein", berichtet Nick Landstorfer. Je mehr vorbereitet werden kann, umso mehr kann verkauft werden. Denn der Erlös geht an den Kindergarten. Da helfen viele Hände gerne mit. Der Elternbeiratsvorsitzende und seine Frau Miriam freuen sich genauso auf die Feier wie ihre vierjährige Tochter Lena. "St. Martin ist immer ein sehr liebevoll vorbereitetes Fest", lobt Landstorfer den Kindergarten.

Während ansonsten dem St.-Martinstag weniger Beachtung geschenkt wird - außer es handelt sich um die berühmte Martinsgans auf dem Mittagstisch - wird der Bischof der Armen in den Kindergärten hochgehalten. "Die Kinder lernen, was Teilen heißt. Wir legen ihnen zum Beispiel eine Decke um, damit sie fühlen können, wie wichtig Wärme für die Menschen ist", erklärt Erzieherin Tanja Thoma. Nach zwei bis drei Wochen mit Basteln, Malen, Singen und Martin-Geschichten haben die Buben und Mädchen den guten Mann richtig lieb gewonnen und wissen alles über ihn.

Alle gleichzeitig


Machen wir den Test: Wer war St. Martin? Da purzeln die aufgeregten Kinderstimmen nur so durcheinander. Alle wollen es gleichzeitig erzählen. "Er war Soldat. Das hat ihm aber nicht gefallen. Er wollte armen Menschen helfen", berichtet Mia eifrig. Laura hält den roten Mantel hoch und zeigt mit dem Holzschwert, wie St. Martin ihn geteilt hat. "So hat er das gemacht", weiß sie.

Die Erzieherinnen kümmern sich rührend darum, den Kleinen eine Geschichte verständlich zu machen, die seit Jahrhunderten Vergangenheit ist, jedoch bis in alle Ewigkeit nie seine wichtige Bedeutung für mehr Menschlichkeit verlieren wird. Das sollen natürlich auch die Erwachsenen spüren. Damit alles nett vorbereitet wird, will Annette Gleißner die Lieder mit den Kindern ein weiteres Mal proben.

"Unser St. Martin muss gut durchgeplant sein", sagt sie, geht lieber auf Nummer sicher. Schließlich wird zum Fest ganz Wiesau auf den Beinen sein. "Ich geh' mit meiner Laterne ..." ertönt es fröhlich im Zimmer. Das sitzt! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, wenn um 17 Uhr in der Wiesauer Pfarrkirche einmal mehr ein kleiner St. Martin vor großem Publikum seinen roten Mantel mit einem ebenso kleinen Bettler teilt.

Bitte um MithilfeExakt 39 sogenannte Kindertageseinrichtungen, von der Krippe bis zum Hort, gibt es im Landkreis. Und sie alle werden am heutigen Freitag oder auch noch am Samstag das Namensfest von Sankt Martin feiern. Der Heilige, der als mildtätiger Soldaten seinen Mantel mit einem armen Bettler teilte, steht als Inbegriff der Nächstenliebe.

Mit selbstgebastelten Laternen, mit Umzügen und einem Spiel werden die Kinder noch einmal das Leben und Wirken des einstigen Bischofs von Tours darstellen. Es ist einer der Höhepunkt im gesamten Kindergartenjahr. All diese Veranstaltungen zu besuchen, würde die Redaktion überfordern. Deshalb ist sie auf die Mithilfe der jeweiligen Kindergärten angewiesen.

Wir bitten um Zusendung von Bild (in möglichst hoher Auflösung) und kurzem Text bis spätestens Montag, 14. November, um 12 Uhr an redtir@oberpfalzmedien.de (für die Stiftland-Ausgabe) oder redek@oberpfalzmedien.de (für die Ausgabe EK-EB). Die schönsten Einsendungen werden wir zusammenfassen und in der Printausgabe "Der neue Tag" veröffentlichen. Zusätzlich werden wir sie in unser Internetportal Onetz stellen. (bz)
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