Land der 1000 Heiligtümer

Frisch renoviert gehört das "Trachtenkreuz" an der Richard-Wagner-Straße wieder zu den Schmuckstücken in der Marktgemeinde. Es lädt Spaziergänger zum Beten und Verweilen ein. Seit vielen Jahren kümmert sich der Stiftländer Heimatverein um den Erhalt und die Pflege des Ensembles. Bild: wro
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Wiesau
21.10.2016
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Die Anlage an der Richard-Wagner-Straße war einst Ziel vieler Flurprozessionen. Auf Initiative des Wiesauer "Verschönerungsvereins" wurde 1927 dort die "Johannislinde" gepflanzt, ein Jahr später das "Trachtenkreuz" errichtet.

Ein schmaler, nur noch wenig bekannter Weg führt auch heute noch hinauf zur Kreuzbergkirche. In den 1970er Jahren wurde die Richard-Wagner-Straße erschlossen, neue Häuser entstanden. Das "Trachtenkreuz", auch die "Johannislinde" wurden harmonisch in die Siedlung eingebunden.

Seit vielen Jahren bereits sorgt sich der Stiftländer Heimatverein - als Nachfolger des einstigen "Verschönerungsvereins" - um den Erhalt und die Pflege des Holzkreuzes und der Grünanlage. Heute prägt das umfriedete Grundstück als markantes Wahrzeichen das Landschaftsbild. Doch Wind und Wetter hinterließen Spuren. Man befürchtete den Verfall. Von den Eheleuten Ernstberger angeregt, beschloss der Heimatverein, den renovierungsbedürftigen Korpus, darüber hinaus auch das morsche Holzkreuz einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. "Die Christusfigur konnte erhalten, das Kreuz jedoch musste komplett erneuert werden", informiert Heimatvereinsvorsitzender Gerhard Brabec auf Anfrage unserer Zeitung. Seit wenigen Tagen erstrahlt das "Trachtenkreuz" und die umzäunte Anlage samt der "Johannislinde" wieder in neuem Glanz. Pfarrer Max Früchtl bat nun um den Segen Gottes.

"Das Stiftland ist nicht nur das Land der 1000 Teiche, sondern auch das Land der 1000 Heiligtümer", erinnerte der Pfarrer an die unzähligen Flurkreuze, aber auch an die vielen Heiligenfiguren an den Häusern in der Region. Voller Dankbarkeit wandte er sich an den Heimatverein: "Die Mühen um die Pflege des ,Trachtenkreuzes' sind Beweis dafür, was euch der Glaube wert ist." An die Flurprozession hierher könne er sich noch sehr gut erinnern, ergriff Bürgermeister Toni Dutz das Wort. "Wir stehen heute an einem historischen Ort." Früher, als Ministrant, sei er oft hier gewesen.

VerschönerungsvereinIn seiner 1984 gemeinsam mit Manfred Steinberger verfassten Wiesauer Chronik beschreibt Heimatforscher Adalbert Busl den Verschönerungsverein wie folgt: Die Gründung des "Verschönerungsvereins Wiesau und Umgebung" erfolgte im Jahr 1908. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte der Verein große Aktivitäten. Auf dessen Initiative hin wurde 1909 die Lourdesgrotte am Kreuzberg gebaut. 1911 pflanzt man an der Kreuzung Lindenweg/Kreuzbergweg die (heute umfriedete) "Luitpoldlinde". Der Erste Weltkrieg jedoch unterbrach die rege Vereinstätigkeit. In den Nachkriegsjahren fand sie jedoch rasch wieder ihre Fortsetzung. 1927 wurde die "Johannislinde" gepflanzt, ein Jahr später errichtete man das "Trachtenkreuz". Dem Beispiel anderer Verschönerungsvereine folgend, schloss man sich 1927 als Ortsgruppe dem "Oberpfälzer Waldverein" an. Die Vereinstätigkeiten wurden mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges jedoch erneut unterbrochen. Eine Wiedergründung in den Nachkriegsjahren scheiterte. (wro)
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