Name Wiesau tief eingebrannt

An die ersten Transporte vor 70 Jahren erinnerte der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Horst Adler (links). Zahlreiche Zuschauer nahmen an der kleinen Feierstunde teil und gedachten der Vertriebenen, die in Wiesau für kurze oder längere Zeit eine neue Heimat fanden. Bild: wro
Vermischtes
Wiesau
28.02.2016
203
0

Für hunderttausende Menschen war Wiesau der erste Anlaufpunkt nach der Vertreibung. 70 Jahre nach dem ersten Transport gab es eine beeindruckende Gedenkfeier.

Am 25. Februar 1946 traf der erste Zug mit Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland ein. Der Bahnhof und das östlich gelegene Barackendorf waren nach der Vertreibung für etwa 800 000 Menschen die erste Anlaufstation - ihre neue Heimat für unbestimmte Zeit.

Sehnsüchtige Melodie


Die einzigen Zeugen des ehemaligen Lagers in Wiesau sind ein schlichtes Mahnmal am Bahnhof, ein Modell und viele persönliche Erinnerungen. Mit einem Festakt am Bahnhofsplatz und einer anschließenden Gedenkstunde im Rathaus gedachte man des ersten organisierten Transports nach Wiesau vor genau 70 Jahren.

"Jubiläum" - vergeblich suchte man den sonst bei ähnlichen Anlässen gerne verwendeten Ausdruck. Diese Formulierung hatten die Redner nicht vorgesehen, sie hätte dem Anlass auch nicht entsprochen. Einfach, ohne viele Worte, gestaltete sich der stimmungsvolle Gedenkakt am Mahnmal. Die Singgruppe der "Eghalanda Gmoi z' Waldsassen" unter der Leitung von Alois Fischer stimmte Egerländer Weisen an. Keine "Rauschenden Birken" von Ernst Mosch und seiner Blasmusik. An diesem Nachmittag widmete man sich eher den einfachen, sehnsüchtigen Melodien, die auch den Nicht-Egerländer tief ins Herz trafen. Wehmütige Erinnerungen an die "Hoimat", die der "Herrgott selwer g'macht" hat.

Horst Adler, der Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, erinnerte mit bewegenden Worten an die ersten Güterzüge, mit denen die Heimatvertriebenen den Wiesauer Bahnhof erreichten. In meist ungeheizten Waggons, unter menschenunwürdigen Bedingungen, erreichten sie in den Februartagen 1946 die Oberpfalz.

Neue Heimat gefunden


"Als sich die Waggontüren öffneten, hörten sie, dass sie in Wiesau angekommen waren", erinnerte Adler und betonte: "Dieser Name hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Dieser Name bedeutete für die Menschen damals, dass sie in der Freiheit angelangt waren."

Nach genau 70 Jahren stehe man wieder an diesem Ort, wo für viele Heimatvertriebene eine neue Zukunft begann, sagte Bürgermeister Toni Dutz. Seine Wurzeln liegen auch im Sudetenland, seine Vorfahren mussten das Land verlassen und fanden in Wiesau eine neue Heimat. Als Zeichen der Verbundenheit mit den Landsleuten legte Dutz mit Horst Adler ein Blumengesteck in den Farben der Landsmannschaft nieder - zum Gedenken all derer, die mitgeholfen haben, mit ihrer Kultur und ihrem Arbeitsfleiß Wiesau zu einer aufstrebenden Gemeinde zu machen.

Alois Fischer und seiner Gesangsgruppe war es vorbehalten, der kleinen Feierstunde am Bahnhof einen besonderen musikalischen Abschluss zu verleihen. Ein ausführliches Gedenken mit Grußworten und einem Vortrag von Adalbert Busl schloss sich im Wiesauer Rathaus an. (Bericht folgt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.