Nicht jeder muss Einstein sein

Den Entlassschülern gratulierten im Namen des Lehrerkollegiums und des Schulverbandes Rektorin Andrea Schiml (rechts), Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz (Dritter von rechts), Pfarrer Max Früchtl (links), Fuchsmühls Bürgermeister Wolfgang Braun (hintere Reihe, Zweiter von links) und Klassenleiter Lothar Zeidler (hintere Reihe, Dritter von links) zu ihren Zeugnissen. Bild: wro
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Wiesau
26.07.2016
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Wenn das kein gutes Beispiel für gelungene Integration ist: Ein Mädchen aus Syrien erzielte bei den Abschlussprüfungen der Mittelschule das beste Ergebnis.

"Wer etwas vermeiden will, sucht Gründe; wer etwas erreichen will, sucht Wege." Mit diesem frei nach dem Unternehmer Harald Kostials formulierten Zitat entließ Rektorin Andrea Schiml am Freitagabend die Prüfungsteilnehmer aus den Mittelschulklassen GTK 9 und M 9 ins weitere Ausbildungsleben. Darunter waren auch sechs hier lebende Jugendliche aus syrischen Krisengebieten.

Amani Jawish mit 1,83


Prüfungsbeste mit einem Notendurchschnitt von 1,83 (aus den Reihen der internen Prüfungsteilnehmer, Klasse GTK 9) wurde die junge Syrerin Amani Jawish. Prüfungsbester (aus den Reihen der internen Prüfungsteilnehmer, Klasse M 9) wurde Sebastian Müller mit einem Notendurchschnitt von 1,94 und beste externe Prüfungsteilnehmerin (M 9) Christina Pfeilmaier mit einem Gesamtnotendurchschnitt von 1,66.

Im Verlauf ihrer Festansprache verglich die Rektorin die gemeinsame Schulzeit mit einem zu Ende gehenden Trainingslager. "Ihr steht jetzt mitten im Leben, fortan seid ihr unabhängig." Das bedeute aber auch, Verantwortung zu übernehmen, fuhr die Sprecherin fort. Gerne gebrauchte sie Vergleiche mit der Fußballwelt und forderte die jungen Leute auf: "Behaltet die Übersicht. Blickt nach vorne, nach links, auch nach rechts. Spielt stets fair, werft die Flinte nicht ins Korn." Ein Tor falle nicht nach jedem Schuss, oft auch nicht sofort. "Nutzt die sich euch bietenden Chancen!" Abschließend empfahl die Schulleiterin, sich auf zahlreiche Mannschaftswechsel, aber auch auf neue Trainer rechtzeitig einzustellen.

"Einen Lebensabschnitt habt ihr hinter euch gebracht, ein neuer steht vor euch", ergänzte Bürgermeister Toni Dutz und überbrachte auch die Grüße des Schulverbands. Man lebe nicht auf einer Insel der Glückseligkeit, sagte er angesichts der jüngsten Nachrichten aus München - sie erreichten die Feier wenige Minuten zuvor. In dieser bewegenden Zeit seien alle gefordert, für die anvertrauten Werte einzutreten. "Leider werden aber die im Grundgesetz verankerten Rechte vielerorts mit Füßen getreten", bedauerte der Bürgermeister.

Viele Wege offen


Für das Lehrerkollegium sprach der Klassenleiter der GTK 9, Lothar Zeidler. Höflichkeit, Leistungsbereitschaft, aber auch Teamfähigkeit seien wichtige Ideale. "Ob ihr nun Dachdecker, Mechatroniker oder etwas ganz anderes werden wollt, es stehen euch viele Wege offen", betonte der Klassenleiter. Dank der guten Ausbildungssituation sei es vielen Entlassschülern gelungen, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Nicht jeder müsse Einsteins Relativitätstheorie erklären können, so der Pädagoge. "Wir brauchen auch Fachleute, die es verstehen, tropfende Wasserhähne zu reparieren. Wenn ihr keine Angst davor habt, euch die Hände schmutzig zu machen, braucht ihr euch vor niemandem zu verstecken."

Aus den Händen von Schulleiterin Andrea Schiml, assistiert von den Mittelschullehrern Stefanie Übelmesser (Klasse M 9)und Lothar Zeidler (Klasse GTK 9), erhielten die Entlassschüler ihre Zeugnismappen. Mit Gutscheinen wurden die Prüfungsbesten für ihre guten Noten belohnt. Musikalisch umrahmten den Abend Theresa Oppl und Stefanie Übelmesser. Für ihre gelungene Darbietung unter der Choreographie von Fachoberlehrerin Christa Kinle erhielten die Schüler der Klassen GTK 6 und GTK 7 verdienten Applaus; wochenlang hatten sie ihren Tanz einstudiert.

Deutsch und arabisch


Ebenso mit viel Beifall belohnt wurden die zweisprachig (deutsch und arabisch) vorgetragenen Gedichtverse. Die gemeinsam gesungene Bayernhymne leitete zum abschließenden und gemütlichen Teil des Abends über. Häppchen und Getränke im Foyer der Mittelschule - von Schülern und dem Elternbeirat vorbereitet - fanden rasch ihre Abnehmer.

Wir brauchen auch Fachleute, die es verstehen, tropfende Wasserhähne zu reparieren. Wenn ihr keine Angst davor habt, euch die Hände schmutzig zu machen, braucht ihr euch vor niemandem zu verstecken.Klassenleiter Lothar Zeidler
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