Panne mit der Hochzeitskutsche

Mathilde und Rudolf Schraml feierten ihre Gnadenhochzeit. Aus München waren Tochter Gerlinde (Dritte von links) und Schwiegersohn Manfred Reichel (Zweiter von rechts) angereist. Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte Landrat Wolfgang Lippert (links), die der Pfarrei Pfarrer Max Früchtl (Zweiter von links). Bundespräsident Joachim Gauck, Ministerpräsident Horst Seehofer und sogar Papst Franziskus hatten geschrieben. Bild: wro
Vermischtes
Wiesau
30.06.2016
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Wer auf 70 Ehejahre zurückblickt, darf getrost von einer Seltenheit sprechen. Im Volksmund heißt es Gnadenhochzeit, was Mathilde und Rudolf Schraml feierten.

Am 15. Juni 1946 gaben sich die beiden in der Wiesauer Pfarrkirche das Jawort. Gemeinsam erlebten sie Höhen und Tiefen, gingen durch dick und dünn. Vor wenigen Tagen nun feierten sie das ungewöhnliche Fest der Gnadenhochzeit. Auch Landrat Wolfgang Lippert konnte sich bei seinem Besuch nur an nur wenige Jubelfeste dieser Art entsinnen.

Dabei wäre die Hochzeit kurz nach dem Krieg fast schiefgelaufen, erinnert sich der inzwischen 93-jährige "Bräutigam" Rudolf Schraml. "Gemeinsam fuhren wir in einer Hochzeitskutsche durch den Ort. Die Straßen waren seinerzeit alles andere als gepflegt. Auf der Höhe des Tonwerks hatten wir eine Panne." Die Reparatur zog sich länger hin, die Brautleute stiegen aus und gingen zu Fuß weiter. In der Michaelskirche getraut hat sie dann der damalige Ortspfarrer Franz Perlinger.

Gefeiert wurde anschließend sehr bescheiden, nämlich daheim im kleinen "Bahnererhäusl". Rudolf Schraml und seine zwei Jahre jüngere Gattin bauten später ein Häuschen am Ortsrand der Marktgemeinde. "Kennengelernt haben wir uns noch während des Krieges in Marktredwitz", erzählt "Rudl" Schraml. Mathilde arbeitete dort in einem Kaufhaus und später am Fahrkartenschalter des Wiesauer Bahnhofs. Als gelernter Steinzeugformer, damals Töpfer genannt, arbeitete Rudolf Schraml bis zu seiner Rente im Tonwerk. Stolz erinnert er sich an die von ihm handgefertigten Bierkrüge: "Die haben stets gepasst."

Zu seinen besonderen Leidenschaften gehörte das Musizieren und der Kegelsport. Noch bis vor wenigen Jahren kurvte er mit seinem Motorroller durch den Ort. Den eigentlichen Jahrestag der Gnadenhochzeit verbrachte das Paar in aller Stille. Gemeinsam mit Tochter Gerlinde und Schwiegersohn Manfred, die aus München schon mal vorausgefahren waren, den Enkeln Christoph und Johannas sowie ihren Familien will man später noch einmal feiern.
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