Schutz und Geborgenheit

Vermischtes
Wiesau
22.10.2016
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Nur als eine "Zwischenstation" bezeichnet Leiter Hans Fröhler die seit wenigen Monaten bestehende Wohngruppe "Sankt Christophorus" an der Tonwerkstraße. Zu Ende sei der Weg noch nicht. "Was auf Wiesau folgt, wissen wir nicht."

Bei einer Familienfeier wurde die Einrichtung "Sankt Christophorus" offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Den Eröffnungsnachmittag hatten die "Jungs" selbst vorbereitet. "Ein Einkaufszettel wurde geschrieben, gemeinsam gekocht, der Festplatz eingerichtet. Jeder wollte einen Beitrag dazu leisten", erzählte Hans Fröhler, der zusammen mit Kollegen die junge Wohngemeinschaft betreut. 14 sogenannte unbegleitete jugendliche Flüchtlinge wohnen derzeit an der Tonwerkstraße. Freundliche junge Menschen aus den verschiedensten Krisenregionen - unterschiedlich die Schicksale, verschieden auch die Religionszugehörigkeit. Das Miteinander ist beispielhaft. Moslems und Christen verständigen sich unkompliziert, gemeinsam gehen sie zur Schule. Ihr Wissensdurst, vor allem aber die Lernbereitschaft ist groß. Einen besonderen Vorteil nannte Fröhler die Nähe zu den Bildungseinrichtungen. Getränke und ein Büfett luden am Eröffnungstag zum Genießen, Bänke und Tische zum Verweilen ein. Ein großer Pavillon sorgte dafür, dass niemand nass wurde. Viele Gäste feierten mit. Darunter auch der katholische Ortspfarrer Max Früchtl, Bürgermeister Toni Dutz und sein Stellvertreter Fritz Holm. Die beiden Gemeindevertreter hatten als Willkommensgeschenk je ein Exemplar des Wiesauer Kochbuchs und der Ortschronik mitgebracht. Als eine gute Idee bezeichnete Dutz die Wahl des heiligen Christophorus als Schutzpatron der Wohngruppe. Man wolle den hier lebenden Flüchtlingen, wenn auch nur ein vorübergehendes, dafür aber ein gutes Zuhause geben. Gerne würde er die "Sankt Christophorus"-Jungs auch mal im Rathaus willkommen heißen. Dutz schloss mit dem bekannten Zitat: "Lass dir die Fremde zur Heimat, aber nie die Heimat zur Fremde werden." Wohngruppenleiter Hans Fröhler, der gemeinsam mit der Diözesan-Jugendfürsorge-Einrichtungsleiterin Hannelore Haberzett mit dem Eröffnungsprogramm betraut worden war, zeigte sich von der Gastfreundschaft Wiesaus sichtlich beeindruckt. "Vorurteilslos wurden wir in Wiesau willkommen geheißen." Von der Marktgemeinde erhalte man jede erforderliche Unterstützung, das sei nicht selbstverständlich.

Gastfreundschaft


Der Ort, der bereits vor 70 Jahren schon ein Zufluchtsort für unzählige Flüchtlinge war, hat Erfahrung im Umgang mit Hilfe und bedürftigen Menschen. Erneut zeigen die Wiesauer Stärke, beweisen nicht zum ersten Mal ihre Gastfreundschaft. "Jeder junge Mensch der unsere Unterstützung braucht, bekommt sie auch. Die Wiesauer helfen uns dabei", meinte der Heimbetreuer abschließend. Mit offenen Ohren und strahlenden Augen folgten die jugendlichen Flüchtlinge Hans Fröhlers Worten. Danach boten sie ihren Gästen höflich und freundlich die vorbereiteten Gerichte an. Die internationale Küche (darunter auch Bratwürste und Steaks) konnte sich sehen lassen. Das Angebot ließ keine Wünsche offen. Gerne öffneten die Jungs auch ihre Wohnung: Wer wollte, konnte sich am Tag der offenen Tür ein Bild vom Leben in "Sankt Christophorus" machen.

Ein wenig aufgeregt waren die Jungs schließlich dann doch, Lampenfieber machte sich breit. Etwas zögernd folgen sie ihrem ersten öffentlichen Auftritt: "Wavin' Flags", ein gemeinsam vorgetragenes Lied mit "Canto di Gioa", nicht zuletzt auch der "Zillertaler Hochzeitsmarsch" sorgten schließlich für reichlich Beifall und einen krönenden Höhepunkt am fröhlichen internationalen Eröffnungsnachmittag.

Vorurteilslos wurden wir in Wiesau willkommen geheißen.Wohngruppenleiter Hans Fröhler
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