„So integriert man Menschen“

Da staunten die in Wiesau untergebrachten Flüchtlinge: Sternsinger schauten kurz auf ein "Grüß Gott" vorbei. Bild: wro
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Wiesau
07.01.2016
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Oliver Zrenner hat erst vor wenigen Wochen den Vorsitz beim neugegründeten Arbeitskreis Asyl übernommen. Nun strahlt er übers ganze Gesicht: "Es stoßen immer mehr Leute zu uns. Denn die Idee spricht sich herum."

Der "Kennenlern-Brunch" des neuen Arbeitskreises Asyl war gut besucht und bot die Möglichkeit, sich die Hände zu reichen. Das Wort "kümmern" ist in Wiesau inzwischen zu einem geflügelten Wort geworden. Organisationen und Privatleute sind zu "Kümmerern" geworden, knüpfen nach und nach ein beispielhaftes Netz für humanitäre Hilfe. Zu den "Kümmerern" gesellten sich auch zahlreiche Kinder, Männer und Frauen, die hier in Wiesau "gestrandet" sind, wie sich Oliver Zrenner in seiner kurzen Begrüßungsrede ausdrückte. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl hielt seine Ansprache bewusst kurz. Gewandt erläuterte er auf Englisch und Deutsch den Hintergrund und die Ziele der Veranstaltung. Ein junger Mann übersetzte Zrenners Rede ins Arabische. Die Zuhörer nickten zustimmend, lachten. Eines wurde schnell deutlich: Die Hilfesuchenden aus den Krisengebieten wurden in Wiesau mehr als gut aufgenommen. Sie haben freundliche Menschen gefunden, denen das Schicksal der Flüchtlinge und Asylsuchenden nicht gleichgültig ist.

Flüchtlinge eingeladen


Großen Respekt zollte Zrenner auch den Vereinen, die sich derzeit mit der Situation in der Dreifachturnhalle auseinandersetzen müssen. Die Halle ist bis auf Weiteres Notunterkunft und damit für Veranstaltungen gesperrt. Die Betroffenen finden sich damit so gut es geht ab, machen das Beste draus. Dazu Zrenner: "Wir haben erfahren, dass unsere Flüchtlinge sogar zu Veranstaltungen der betroffenen Vereine eingeladen wurden. Das ist schön." Oliver Zrenner schloss: "So integriert man Menschen!"

Groß und bunt wie die Gesprächsrunden an den Tischen war auch die Auswahl am Büfett. Die Einladung zum Brunch wurde gerne angenommen, das Angebot war reichhaltig. Auf eine Sitzordnung wurde bewusst verzichtet. Helfer und Asylsuchende hatten sich spontan zu kleinen Gesprächsrunden zusammengefunden, suchten immer wieder neue Kontakte. Zwanglos unterhielt man sich bei Kaffee oder Tee über Fragen der Kinderbetreuung, der Jugendhilfe oder Probleme bei Deutschkursen. Viele boten Fahrdienste oder ihre Unterstützung bei der Wohnungssuche an. Das Frühstück hatten Privatleute gespendet. Im Angebot waren Bekanntes und weniger Bekanntes, wie etwa Hummus. Die orientalische Köstlichkeit aus pürierten Kichererbsen und Gewürzen hatten syrische Frauen mitgebracht.

Reden und lernen


Oliver Zrenner zeigte sich zufrieden und verzichtete an diesem Vormittag bewusst auf ein starres Programm, alles war locker, stets ungezwungen. "Es ergibt sich alles von selbst. Wir halten zusammen, reden mit den Leuten, lernen die Menschen kennen. Auf diese Weise können wir etwas bewerkstelligen. Wir möchten die Hilfesuchenden so auf dem Weg in unsere Gesellschaft begleiten."
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