Türöffner zur Arbeitswelt

Die Obst- und Gemüseabteilung ist einer der neuen Arbeitsbereiche von Nicole Wild (Dritte von rechts). Andrea Fürst (Zweite von rechts) stellte ihre neue Mitarbeiterin vor. Tamara Sommer und Gerald Igl von der Job-Trans-GmbH, Eva Fladerer, Hilke Janssen und Manfred Heinzmann vom Jobcenter Tirschenreuth (von links) überzeugten sich von der gelungenen Integration. Bild: wro
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Wiesau
20.04.2016
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Andere reden nur davon, Menschen mit Handicap zu integrieren. Andrea Fürst vom Rewe-Markt machte gleich Nägel mit Köpfen. Als ihr ein Vermittlungsangebot des Jobcenters ins Haus flatterte, sagte sie spontan Ja. Dass die neue Mitarbeiterin gehörlos ist, spielte für sie keine Rolle.

Seit wenigen Tagen gehört Nicole Wild zum fleißigen Team des Wiesauer Rewe-Marktes Fürst. Unterstützung findet die gehörlose Frau bei Eva Fladerer, deren Angehörige unter dem gleichen Schicksal leiden. "Die Gebärdensprache beherrsche ich zwar nicht, aber ich weiß mich mit meiner neuen Kollegin gut zu verständigen", erzählte die Mitarbeiterin.

Abordnung vom Jobcenter


Die Einarbeitung erfolgte Hand in Hand. "Hand in Hand" lautet auch das Motto des Modellprojekts beim Jobcenter. Hilke Janssen, Teamleiterin beim Tirschenreuther Jobcenter, stellte das Modell bei einem Pressetermin näher vor. Sie lobte die spontane Bereitschaft der Marktleitung, sich darauf einzulassen. Im Rahmen eines Betriebspraktikums können sich die Bewerber den zukünftigen Arbeitsplatz zunächst etwas näher anschauen. Für Nicole Wild war es zugleich der Einstieg ins neue Berufsleben, ergänzte Tamara Sommer von der gemeinnützigen GmbH Job-Trans.

Der erste Tag war für die neue Mitarbeiterin etwas ganz Besonderes. Das gesamte Team wartete gespannt, ebenso eine Abordnung des Jobcenters. Dass die ausgebildete Köchin gehörlos ist, merkt man ihr nicht an. Fleißig widmet sie sich ihrer Arbeit, sortiert Obst in die Regale, bereitet frische Salate oder Fruchtspieße vor, kontrolliert das Mindesthaltbarkeitsdatum. In ihren Augen ist das große Aufgebot fast ein wenig zu viel Rummel. Schließlich ist ja heute nur ein ganz normaler erster Arbeitstag.

Mobiles Minibüro


Manfred Heinzmann vom Tirschenreuther Jobcenter und Job-Trans-Mitarbeiter Gerald Igl stellten derweil das Projekt für Schwerbehinderte vor und auch das neue "Beratungsmobil" draußen am Parkplatz. Damit könne man Teilnehmer zu Hause aufsuchen, zeigten sie mit etwas Stolz ihr mobiles Jobcenter. Das Fahrzeug gleicht einem Minibüro, sogar ein Schreibtisch ist vorhanden.

Die Arbeit im Rahmen der Aktion "Hand in Hand" sei auf verschiedenen Schultern verteilt, ergänzten Hilke Janssen und Tamara Sommer. Verschiedene Berater des Integrationsfachdienstes in Zusammenarbeit mit Reha-Trägern und Mitarbeitern des Integrationsamtes fahndeten zusammen mit den Arbeitssuchenden "Hand in Hand" nach Lösungen. Ziel sei die erfolgreiche Vermittlung eines Arbeitsplatzes. Wichtigster Bestandteil seien die betrieblichen Praktika mit einer Dauer von bis zu drei Monaten. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Ansporn für andere


Nicole Wild und der Wiesauer Rewe-Markt sollen nicht die Ausnahme bleiben. Das Beispiel soll ein Ansporn sein, sich dem Modellprojekt anzuschließen, Arbeits- und Praktikumssuchenden eine Chance zu geben. Arbeitgeber können sich an die Agentur für Arbeit, Telefon 0961/ 4092648, oder an die Job-Trans-GmbH, Telefon 0961/47054150, wenden. Die Mitarbeiter dort fungieren gerne als "Türöffner".
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