Vom Leben in Baracken

Vermischtes
Wiesau
18.11.2016
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Eine schöne und in der katholischen Pfarrgemeinde Wiesau gepflegte Tradition ist der von Pfarrer Max Früchtl angeregte Frühschoppen am Volkstrauertag. Adalbert Busl sprach heuer über die Nachkriegsgeschichte, das Leben im Lager Wiesau.

Alljährlich - nach der Gedenkfeier am Kriegerdenkmal - bittet der Wiesauer Seelsorger zu einem Umtrunk ins Pfarrzentrum. Politisch geht's dort selten zu. Dafür eher gemütlich. Manchmal wird es auch historisch, so am Sonntag. Wie schon in den Vorjahren brachte Pfarrer Max Früchtl mit einem interessanten Thema viele an "einen Tisch".

Für Gesprächsstoff, wie im vergangenen Jahr, als es um die Erweiterung der Pfarrkirche im Jahr 1935 ging, sorgte der gastgebende Seelsorger diesmal jedoch nicht. Das Reden überließ er lieber seinem Gast Adalbert Busl, einem fundierten Kenner der Wiesauer Geschichte. Er sprach über das ehemalige Lager in Wiesau. Schon mehrmals referierte Busl darüber, zuletzt im Rahmen der Gedenkfeiern in diesem Jahr. Interessant war es sicher für jeden, auch für die, die Busls Rückschau auf die Wiesauer Nachkriegszeit bereits kannten. Das große Interesse galt wohl auch den versprochenen Fotos aus dem Album von Walter Brucker, der damals in der Lagerleitung beschäftigt war. Busl erzählte von unbeheizten Güterzügen und von vielen Heimatvertriebenen, die mit nur wenig Gepäck und den Kindern an der Hand in Wiesau eine meist vorübergehende neue Bleibe suchten. Zunächst jedoch musste man sich aber einer widerlichen Prozedur unterziehen. Busl erzählte: "Nach der Ankunft mussten alle zur Entlausung." An alles musste man sich neu gewöhnen, vor allem an die Wohnverhältnisse - oft bis zu 20 Leute in Holzbaracken. Eine Lagerschule wurde errichtet, Lehrer Hans Gleißner unterrichte die Kinder. Einige der Neuankömmlinge blieben im Ort, viele von den Vertriebenen wurden weiterverteilt. Busl beeindruckte mit Zahlen, fesselte mit Worten und Bildern. Erläuternd zeigte er immer wieder auf das neben ihm aufgestellte Lagermodell. Vom Hüttendorf sei nichts übrig geblieben, außer Fotos, Erinnerungen und eben dieses Modell schloss der Heimatforscher und pensionierte Grundschulrektor seinen Rückblick auf die Nachkriegsjahre. Anders als bei einem Frühschoppen sonst üblich, blieben Busls Worte diesmal (fast) unkommentiert.
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