EDV-Schule Wiesau eine regionale IT-Schmiede
Nicht bange um Industrie 4.0

Oberstudienrat Wolfgang Prebeck erklärt einen hochmodernen Produktionsautomaten, der in mehreren "Programmiersprachen" fertigt.
Wirtschaft
Wiesau
06.02.2016
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Eigentlich klingt EDV-Schule angestaubt. Mit Disketten-Laufwerken und lahmen PCs hat diese Einrichtung jedoch nichts gemein. Hinter dem braven Namen steht eine in Bayern einmalige Schule mit 1000 leistungsfähigen Computer-Arbeitsplätzen. Gerade bereitet diese regionale IT-Schmiede die Kommunikation von Maschine zu Maschine vor: digitalisierte Industrie 4.0.

"Unsere Schule besitzt nahezu ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Oberstudiendirektor Dr. Wolfgang Eckstein. Auf dem Schreibtisch des Schulleiters liegt ein Schreiben eines überbetrieblichen Ausbildungsverbunds in der Region. Den Unternehmen ist die Verbindung von IT, Metall und SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) wichtig. "Die Betriebe vertrauen auf uns", meint Eckstein.

Die EDV-Schule Wiesau ist in der nördlichen und mittleren Oberpfalz eine der wenigen Bildungseinrichtungen, die trotz des demografischen Wandels (Bevölkerungsschwund) jährlich eine Zunahme der Schülerzahl verzeichnen. Seit 1999 stieg sie von rund 1300 auf heute 1800, davon viele in Vollzeit. Vor etwa 10 Jahren kämpfte die EDV-Schule Wiesau um ihr Überleben. Die heimische Wirtschaft lief Sturm, rannte gegen Skepsis im Kulturministerium an. Heute sprechen die Beteiligten entspannt (und erfreut) von einer "Lex Wiesau": Der ersten Verstaatlichung einer Schule in Bayern überhaupt, was wohl damit zu tun hat, dass sich die Wiesauer als berufsbildende Schule in Bayern frühzeitig auf die EDV spezialisiert hatten. Ein Scheitern wäre mit dem Anspruch von "Laptop und Lederhose" politisch nicht vereinbar gewesen ...

Finanzielle Opfer


Jedenfalls bewies der Landkreis Tirschenreuth erstaunliche, respektable Weitsicht, als er in den 80er Jahren die EDV-Schule gründete - und finanzierte. "Der Landkreis Tirschenreuth hat schwer investiert", zollt Schulleiter Eckstein noch heute den Kommunalpolitikern für die "finanziellen Opfer über lange Jahre hinweg" höchste Anerkennung.

Damit die EDV-Schule technisch "ganz vorne mit dabei" sein kann, fließt jedes Jahr eine hohe sechsstelligen Summe in neue IT-Gerätschaften. Die Schule richtet sich konsequent nach den Bedürfnissen der Wirtschaft aus, leistet sich eigene Hardware-Betreuer. Dies verlangt auch einen neuen Lehrer-Typus. Mit seinen engen Mitarbeitern Wolfgang Hecht und Wolfgang Prebeck zeichnet Eckstein das Idealbild eines Pädagogen: zu zwei Drittel in der Schule, zu einem Drittel in den Betrieben, zu denen er im engsten Verhältnis stehe. Schon heute lernen die Lehrer an der EDV-Schule bis zu drei Jahre lang den "fachlichen Background", ehe sie verantwortlich in den Klassen unterrichten (dürfen).

"Mit Handkuss"


Hecht und Prebeck nennen vor allem die Verbindung von IT und Metall zukunftsweisend. Die Ausbildung - um später praktisch bei der rasant fortschreitenden Digitalisierung der Industrie zu bestehen - sei "voll in der Umsetzung", es entstehen neue Lehrpläne. Hecht: "Unsere Absolventen werden von der Wirtschaft sofort mit Handkuss genommen." Ohne die EDV-Schule Wiesau hätte beispielsweise das Software-Unternehmen IGZ in Falkenberg nicht so schnell wachsen können. Inzwischen kommen viele angehende Fachinformatiker aus "außerbayerischen Schulen" nach Wiesau. Eine enge Zusammenarbeit wird mit der OTH Amberg-Weiden sowie den Hochschulen in Hof und Pilsen gepflegt, damit sich die Lerninhalte bei einem Ausbildungs- und berufsbegleitendem (dualen) Studium nicht wiederholen.

Trotz der laufenden Erweiterung - ein Zehn-Millionen-Projekt - droht der EDV-Schule schon bald wieder ein räumlicher Engpass, befürchtet Schulleiter Eckstein.
Die Betriebe vertrauen auf uns.Dr. Wolfgang Eckstein, Leiter der EDV-Schule Wiesau
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