Nur zwei Anmeldungen für Informatiktechniker an EDV-Schule Wiesau
Kräftemangel blockiert Gewinnung von Nachwuchs

Damit die Fortbildung zum Informationstechniker beginnen kann, sind Ideen zur Bewerber-Gewinnung gesucht. Am "Runden Tisch" im Staatlichen Berufsschulzentrum wurde heiß diskutiert. Bild: Bühner
Wirtschaft
Wiesau
02.07.2016
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Der guten Nachricht folgt eine schlechte. Noch vor wenigen Wochen freute sich die ganze regionale IT-Branche, dass vom Kultusministerium grünes Licht für die Fortbildung zum staatliche geprüften Informatiktechniker am Berufsschulzentrum in Wiesau gegeben wurde. Doch die Freude hielt nur kurz. Jetzt besteht die große Gefahr, dass alle Bemühungen zumindest für dieses Jahr umsonst waren. Im September sollte der erste Lehrgang beginnen.

Doch gerade einmal zwei Anmeldungen liegen dafür vor. Benötigt werden jedoch mindestens acht, um starten zu können. "Wir haben so lange dafür gekämpft diese Erweiterung des Lehrangebots", klagt Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein zusammen mit Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz. Einig seien sich alle Fachleute darüber: "Diese Absolventen werden gebraucht." In der Wirtschaft gebe es einen fundamentalen Strukturwandel hin zu Industrie 4.0, betonte Eckstein. Dafür werden dringend Mitarbeiter gesucht, die etwas von den Maschinen, aber auch von den informationstechnologischen Netzwerken ihrer Steuerung verstehen. Den vielen "guten Gründen" zur Einrichtung dieser Fortbildung steht jedoch die Realität entgegen.

Betriebe können und wollen aus dem vorrangig in Betracht kommenden Personenkreis ihrer in Technikberufen ausgebildeten Facharbeiter niemand freistellen. Schließlich ist die Ausbildung zwei Jahre lang im Vollzeitunterricht zu absolvieren. Gleichzeitig wären sie jedoch sofort bereit, Absolventen dieser Fortbildung einzustellen. Um vielleicht noch eine Wende herbeizuführen, hatte das berufliche Schulzentrum zu einem "Runden Tisch" eingeladen. Eine Ursache für den Bewerbermangel sah die Runde in der noch fehlenden Zertifizierung der Maßnahme. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die Arbeitsverwaltung den Bewerbern aus dem Personenkreis der Arbeitslosen Leistungen zum Lebensunterhalt während der Fortbildung gewähren kann. Gefragt am "Runden Tisch" waren jedoch vorrangig neue Ideen. Studiendirektor Hermann Körner will dafür die "Lobbyarbeit" verstärken, aber auch "niemand von den Betrieben abwerben". Alois Hösl vom Förderverein der EDV-Schulen sieht die neue Fortbildung und die sich dabei bietenden Chancen "draußen zu wenig bekannt". IHK-Geschäftsführer Florian Rieder will bei der nächsten IHK-Gremiumssitzung bei den Mitgliedsbetrieben dafür werben. Anerkennung erhielt IGZ-Geschäftsführer Wolfgang Gropengießer (Falkenberg). Sein Unternehmen schaltet Zeitungsanzeigen mit der Suche nach Bewerbern, die vom Unternehmen eingestellt werden und diese Fortbildung absolvieren.

Voraussetzung zur Teilnahme an der Fortbildung zum staatlich geprüften Informationstechniker ist entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem technischen, elektronischen- oder IT-Beruf sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung. Weitere Information unter www.edv-schulen-wiesau.de im Internet oder Telefon 09634/92020.
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