Rasend schnell und individuell

Mutig in die Zukunft gehen, dazu forderte Dr. Hans Härtl beim Wiesauer Wirtschaftstag auf. Die Globalisierung bringe enorme Herausforderungen mit sich, so der Referent. Bild: wro
Wirtschaft
Wiesau
24.11.2016
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Der 15. Wirtschaftstag lockte viele Zuhörer in den Sitzungssaal des Wiesauer Rathauses. Bild: wro

Was bedeutet Industrie 4.0? Wie stark verknüpft neue Technik und Produktionsverfahren bereits sind, erläuterte Dr. Hans Härtl beim Wiesauer Wirtschaftstag. Dies gelang ihm mit einfachen Worten. Sätze, die für so manches Aha-Erlebnis bei den zahlreichen Zuhörern sorgten.

Stets auf Augenhöhe mit den Besuchern des Wirtschaftstags überzeugte der Gast aus Tirschenreuth mit einem klar, vor allem aber überraschend einfach formulierten Vortrag zum Thema "Industrie 4.0 - damit aus Daten Informationen werden".

Dr. Hans Härtl brachte es auf den Punkt: Wenn Produktionsabläufe mit IT verschmelzen, dann könne man Waren effektiver, vor allem preiswerter herstellen. Das leuchtete jedem ein. Woher der Begriff 4.0 aber herrührt, erläuterte der Referent erst ganz zum Schluss. Schmunzelnd sagte er: "Fast hätte ich es vergessen: 1.0 war der Webstuhl, 4.0 das Smartphone. Dazwischen liegt die technische Weiterentwicklung."

Wer beim 15. Wirtschaftstag im Wiesauer Rathaussaal einen Vortrag nur für Insider und technisch Versierte erwartet hatte, sah sich angenehm getäuscht. Die allermeisten der Fallbeispiele waren durchaus nachvollziehbar. Härtl - von Bürgermeister Dutz als Stiftländer begrüßt - bedauerte, dass der Begriff inzwischen in Gefahr gerate, verwässert zu werden. Seiner Aufforderung, ihn auf eine Zeitreise zu begleiten, folgte man gerne. Dr. Härtl beleuchtete die technische Entwicklung, erinnerte an unbezahlbare Großrechner von einst und die aberwitzige Behauptung, Computer seien nur für eine Minderheit von Interesse. "Heute steht der Rechner im Wohnzimmer." Die Computertechnik habe sich verändert, mehr noch die Welt. Noch wichtiger als die Rechner selber seien die Datenleitungen, fuhr Härtl fort. Schneller als einem lieb sei, altern auch Daten. Es werde immer schwieriger Schritt zu halten.

"Unterschiedliche Produkte verlangen unterschiedliche Produktionsparameter", fuhr der Referent fort und erreichte den Kern des eigentlichen Vortrages. Vor 4.0 kostete die Produktionsumstellung Zeit, Geduld und Geld. Umso flexibler sei man heute. "Intelligente Produktionsanlagen wissen, was zu tun ist. Das ist 4.0!" Die Geschwindigkeit beim Umstellen sei ein Riesenvorteil. Als einleuchtendes Beispiel einer Effizienzsteigerung nannte Dr. Härtl Sportschuhe, die nach individuellen Wünschen hergestellt und heute deutlich günstiger produziert werden können als früher. Sonderwünsche befriedigen zu können, sei eine Herausforderung an die Wirtschaft von morgen. "Man muss in die Startphase investieren, um am Ende Erfolg zu haben."

Natürlich gebe es Sorgen hinsichtlich Datenmissbrauch. Weniger beachtet würden aber die Vorteile des Datensammelns. Zur Frage nach der Zukunft meinte der Gast: "Wir können nicht zurück, wir müssen nach vorne schauen." Man müsse den nachfolgenden Generationen Vertrauen schenken. "Es ist zu hoffen, dass sie das richtige tun." Welche Auswirkungen dies alles auf Arbeitsplätze hat, erläuterte der Referent am Beispiel der Landwirtschaft. Auch dort habe man sich umstellen müssen.

Dr. Hans HärtlGeboren am 30. August 1956 in Tirschenreuth, verheiratet, ein Sohn. Berufliche Stationen: Juli 1984 bis Dezember 1986 Geschäftsführer bei der Firma Asiba GmbH Regensburg in den Bereichen Softwareentwicklung und Patentanmeldung. Januar 1987 bis Dezember 1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Karlsruhe (Promotion im Fach Informatik). Januar 1992 bis Juni 2003 Leiter Prozesstechnik bei Schott Rohrglas in Mitterteich (Abteilungsleitung, Produktionsnahe Software Systeme, Visualisierung, Messwerterfassung, Datenbanken, Betreuung der Auslandsstandorte). Juli 2003 bis März 2006 Leiter Industrial IT bei Schott AG Mainz (Aufbau/Leitung Hauptabteilung, Konzernweite Bearbeitung des Themas "Prozessrechnertechnik", produktionsnahe Software Systeme). Seit April 2006 Geschäftsführer der Zeitsprung GmbH & Co. KG Tirschenreuth (Geschäftsgründer, Management, Projektleitung, Software Entwicklung). (wro)
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