Ausstellung in Windischeschenbach: Mini-Züge lieben alle Generationen
Faszination Modelleisenbahn

Züge schweben über die Gleise und Fahrzeuge ziehen wie von Geisterhand gesteuert ihre Bahnen. Wenn die Modelleisenbahnfreunde ihre Module aufbauen, dann füllt das die ganze Mehrzweckhalle in Windischeschenbach. Am Samstag und Sonntag ist die Ausstellung geöffnet. Die Gäste dürfen sich auf Überraschungen freuen. Bilder: Gertraud Portner (7)
Freizeit
Windischeschenbach
04.11.2016
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"Weibliche Besucher werden sich an den vielen kleinen Details erfreuen, die Männer an den Fahrzeugen und der Technik und die Kinder werden nicht wissen, was sie zuerst anschauen sollen", verspricht der Veranstalter. Dies gilt auch für den Campingplatz.
 
"Kommt der Zug da auch wieder heraus?", fragt dieses Mädchen und bewundert mit großen Augen die verschneite Winterlandschaft. Die Ausstellung ist für Familien konzipiert und so gibt es auch eine eigene Kinderbahn zum Ausprobieren.

Sie sind Tüftler aus Leidenschaft und alles andere als angestaubte Bastler. Bei den Modelleisenbahnfreunden Windischeschenbach rangiert die Jugend an erster Stelle. Dieses Wochenende glühen die Gleise wieder - Mitfahrer willkommen.

Auf einem Podest hat man die 900 Quadratmeter der Halle gut im Blick: Windräder drehen sich im Atem der Ausstellungsbesucher, im Gebüsch "schnackselt" ein Liebespaar und im Containerhafen fährt ein Zug aufs Schiffsdeck. Das sind nur drei Details der Ausstellung, die am Samstag und Sonntag alle großen und kleinen Eisenbahner aufs Gleis führt. "Aber im positiven Sinn!", sagt Vorsitzender Robert Beer.

Die Schau findet jedes Jahr am ersten Wochenende nach Allerheiligen statt - mit Überraschungen auch für Stammgäste. Der Verein kann in der Halle nur einen Teil seiner großen Anlage aufbauen: Auf rund 350 Meter Schienen fahren 25 Züge in 12 Blöcken auf über 90 Modulen. "Wir sprechen vor allem Familien an", sagt Beer und berichtet von etlichen Knopfdruck-Aktionen: Baumfällung, Tropfsteinhöhle, Rasenmäher, Raketenmann und die neue Sprungschanze mit Skispringer als Attraktion (Infokasten).

Fokus auf Technik


Neu ist der Bahnhof Mittelpfalz (4,80 Meter). "Das ist ein noch nicht ganz fertiges Projekt der Jugend", erklärt Beer. Die Anlage läuft deshalb teilweise als Rohbau-Variante. Die Jugendlichen übernahmen die Verdrahtung, während der Vorsitzende die Zugsteuerung austüftelte. Die Besonderheit ist die Anbindung zum unterirdischen S-Bahnhof durch eine funktionierende Rolltreppe. Das Problem dabei: Die vielen Weichen vom Bedienpult aus schalten zu können, ohne dabei eine armdicke Kabelverbindung vom Pult zum Modul legen zu müssen. "Wir sind kein Verein alter Knochen", sagt Beer und verweist auf das Durchschnittsalter von 38,2 Jahren. Der Älteste ist 82 Jahre und Franziska (8) als jüngstes Mitglied möchte einmal Lokführerin werden. Mit Markus Keßler (41) haben die Modelleisenbahnfreunde Windischeschenbach auch einen echten Lokführer in ihren Reihen, der den ICE im Fernverkehr steuert.

"Lokführer" wollte Robert Beer (66) nie werden; ihn hätte da schon eher das DB-Ausbesserungswerk interessiert. Doch jetzt ist der Baumaschinenmechaniker in Ruhestand und freut sich, wenn er die Jugend für die Technik begeistern kann. "Die Jungen lernen bei den gemeinsamen Treffen von den Alten und umgekehrt", erklärt er die besondere Vereinsstruktur (siehe Kasten) und bekräftigt: "Wir entwickeln viel selbst und geben technisches Wissen und handwerkliches Geschick weiter." Groß sei die Freude, wenn sich daraus berufliche Perspektiven ergeben. "Schlüsselerlebnisse vermitteln", das sei ein Ziel im gut aufgestellten Verein.

Beer erzählt seine Geschichte: "Mein Zwillingsbruder und ich waren als Kinder von der Märklin-Eisenbahn in der Neuhauser Mühle fasziniert. Hier lernten wir die Welt der Technik kennen." Mit neun Jahren gab's dann zu Weihnachten eine Eisenbahn, die allerdings in der Jugendzeit wieder in der Ecke landete. Erst mit den eigenen Kindern kam das Verlangen, eine Modellbahn zu bauen. 1992 suchte der gebürtige Neuhauser dann Interessenten für einen Eisenbahnerstammtisch zum Fachsimpeln. Viele hatten Lust und so wurden schon ein Jahr später die Modelleisenbahnfreunde gegründet. "Jedes Mitglied zahlte 100 Mark. Davon kauften wir uns die erste Anlage", erinnert sich der Hobby-Bahnerer. Nach und nach kam etwas dazu und mittlerweile ist es schon die 23. Ausstellung, welche die Mehrzweckhalle füllt.

Die Züge werden von der analogen Blocksteuerung Golana DC (im Verein selbst entwickelt) gesteuert. Dazu gibt es etliche Betriebsstellen mit Gleisstellpulten. Die Spiegelbahn musste aus Platzgründen drei Jahre aussetzen, ist aber heuer in überarbeiteter Version wieder dabei. Das wird besonders die Nostalgiker freuen, denn hier sind tolle Dampfloks zu bestaunen. Aufgebaut ist auch die größte mobile Faller-Car-System-Anlage (42 Quadratmeter) in ganz Bayern, unter anderem die Rollende Landstraße mit Verladung, ein automatisch gesteuerter Bahnübergang mit Schranken und der vollautomatische Kreisverkehr. Ebenso kann eine Autofähre beim Be- und Entladung von Autos, Lastwägen und Zügen besichtigt werden.

Autos "schweben"


Die Fahrzeuge haben eingebaute Akkus und beziehen keinen Strom aus der Straße. Der Decoder lässt sogar Rückwärtsfahren zu und viele Fahrzeuge haben individuelle Adressen. Die Feuerwehr hat beispielsweise einen IR-Sender an Bord, um mit der Straße zu "reden". Es gibt eine kleine Gruppe, die sich nur um das Car-System in der sechsten Generation kümmert.

Zurück zur Eisenbahn: Zu sehen ist ein Teil der Oberpfalz-Modul-Anlage, die zusammen mit anderen Oberpfälzer Modellbahnvereinen in den 90er Jahren als eigene H0-Modulnorm geschaffen wurde. Die Idee dahinter: Module kosten wenig Geld und zum Basteln reicht oft der Küchentisch. Der "Aha-Effekt" wird auch diesmal nicht ausbleiben, denn nach dem Motto "Qualität statt Quantität" werden die älteren Module Stück für Stück überarbeitet. Als "Pufferküsser und Nietenzähler" betiteln die Mitglieder schon mal detailverliebte Besucher. "Wir legen natürlich Wert auf die Details, aber in erster Linie ist für uns wichtig, dass sich etwas bewegt. Der Schwerpunkt liegt auf guter Technik", erklärt Beer.

"Hinsehen und schauen, wie es läuft", darüber freut er sich besonders dann, wenn dies nach den stressigen Aufbautagen am Freitagabend der Fall ist. Wie immer warten an den zwei Ausstellungstagen einige Verkaufsstände mit Modellbahnzubehör, eine Tombola und die Eisenbahner-Gaststätte. Gibt es schon Pläne für 2017? "Na klar. Wir haben einen Zug-Kreisverkehr mit vier Abgängen in Planung", sagt der rührige Vorsitzende und strahlt. Doch zunächst geht die Jugendgruppe auf Reisen. Das Ziel ist wieder einmal die größte Modelleisenbahnanlage der Welt: das Miniatur-Wunderland in Hamburg.

Der VereinEine Zeitungsanzeige im "Neuen Tag" legte den Grundstein für die Modelleisenbahnfreunde Windischeschenbach und Umgebung. Robert Beer suchte 1992 Interessenten für einen monatlichen Eisenbahnerstammtisch. Schon ein Jahr später wurde der Modelleisenbahnclub von elf Männern gegründet. Die H0-Gruppe kann eine Null anfügen: Aktuell hat der Verein 110 Mitglieder, davon sind 32 unter 18 Jahren. Das Durchschnittsalter ist mit 38,2 Jahren sehr jung - und bayernweit einmalig.

Die Nachwuchsgruppe gibt es seit 1998. Die Besonderheit: Bei den Treffen in der alten Schule sind alle Generationen anwesend. Die Jungen lernen von den Alten - und umgekehrt. "Das Miteinander hat sich bewährt", sagt der Vorsitzende. Eine Stärke der Modelleisenbahnfreunde sind die technischen Anlagen, die selbst entwickelt und gebaut werden. Damit kann man die Jugend bei der Stange halten. (ptr)




Eröffnung mit WeltmeisterDie Ausstellung ist am Samstag, 5. November, von 13 bis 18 Uhr und am Sonntag, 6. November, von 9.30 bis 17 Uhr in der Mehrzweckhalle Windischeschenbach (Kerschensteinerstraße 3) zu sehen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene drei Euro, für Kinder bis zwölf Jahren 1,50 Euro, die Familienkarte kostet 6 Euro. Kostenlose Parkplätze vorhanden. Für Besucher, die mit dem Zug anreisen, ist der Weg vom Bahnhof zur Ausstellungshalle ausgeschildert und beträgt circa 10 Minuten Fußweg. Zur Ausstellungseröffnung wird am Samstag um 13 Uhr nicht nur der Bürgermeister, sondern auch Weltmeister und Olympiasieger Eric Frenzel kommen, der die Premiere seines "Sportskameraden" auf der H0-Anlage verfolgen wird:

Der Skispringer setzt sich einen halben Höhenmeter neben den Felszacken in Bewegung, beschleunigt bis zum Schanzentisch, hebt ab und landet zwischen der Weitenmarkierung. Bis zum Auslauf verlangsamt er und verschwindet in der Hütte im Zielraum. (ui/ptr)
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