Streit in der Stützelvilla
Kreisjugendring kündigt den Mitarbeitern des Jugendtagungshauses

Weil die Zukunft der Stützelvilla in Windischeschenbach ungewiss ist, hat der Kreisjugendring vorsorglich der gesamten Belegschaft gekündigt. Bild: Götz
Freizeit
Windischeschenbach
07.07.2016
663
0
 
"Keiner redet mit uns. Keiner sagt uns, warum die Stützelvilla geschlossen wird." Zitat: Petra Fifeik, Mitarbeiterin im Jugendtagungshaus Stützelvilla

Der Kreisjugendring hat den elf Mitarbeitern der Stützelvilla entlassen. Die Zukunft des Jugendtagungshauses ist ungewiss. Es herrscht große Aufregung.

Das Landratsamt hat dem Kreisjugendring den Betriebsträgervertrag für die Stützelvilla gekündigt. Der Kreisjugendring muss deshalb die Mitarbeiter des Jugendtagungshauses zum 31. Dezember 2016 vor die Tür setzen.

Die Stützelvilla gehört dem Landkreis, der sie seit 30 Jahren dem Kreisjugendring als Jugendtagungshaus zur Verfügung stellt, erklärt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamts. Jugendgruppen konnten darin übernachten, seit September 2015 leben Flüchtlinge in der einstigen Fabrikantenvilla. Im Raum stand die Idee, dass das Landesamt für Digitalisierung einziehen könnte. Da die Behörde auch einen Neubau in Erwägung zieht und noch keine Entscheidung gefallen ist, hat sie sich in das Gebäude des ehemaligen Fernmeldeamts eingemietet. Der Vertrag läuft zunächst drei Jahre.

Petra Fifeik, Mitarbeiterin im Jugendtagungshaus, kann die Entscheidung des Landratsamts, den Angestellten zu kündigen, nicht verstehen. "Das super-tolle Haus beeindruckte, und alle wohnten gerne bei uns", schreibt sie mit sieben Kollegen in einem Brief an unsere Zeitung. "Keiner redet mit uns. Keiner sagt uns, warum die Stützelvilla geschlossen wird." Der Grund für die Kündigung sei ihnen nicht genannt worden, sagt Fifeik. Elf Beschäftigte hat der Kreisjugendring in der Stützelvilla, die als Köche und Reinigungskräfte arbeiten. Dazu gibt es einen Hausmeister.

Zukunft der Villa ungewiss


Auch das Landratsamt wisse laut Prößl nicht, ob das Landesamt für Digitalisierung mit 60 Mitarbeitern in die Stützelvilla einziehen wird. Da die Mitarbeiter in der Villa schon viele Jahre beim Kreisjugendring angestellt sind, haben sie lange Kündigungsfristen, zum Teil ein halbes Jahr. "Daher hat das Landratsamt dem Kreisjugendring empfohlen, den Mitarbeitern vorsorglich zu kündigen", sagt Prößl. Sie war selbst viele Jahre Geschäftsführerin des Kreisjugendrings.

Neubau nicht in Sicht


Martin Neumann, Geschäftsführer des Kreisjugendrings, sagt, dass es zwei Mitarbeiterversammlungen zum Verkauf der Villa und zu den Kündigungen gab. "Es ist schade, aber wir als Kreisjugendring können es nicht ändern."

Die Flüchtlinge werden nicht bis Jahresende im Jugendtagungshaus untergebracht sein, vermutet die Pressesprecherin. Eine Erstunterkunft entstehe gerade in Regensburg, als Reserve habe der Landkreis eine Halle in Neuhaus.

Da das Jugendtagungshaus zuletzt immer schwächer belegt war und das Defizit wuchs, "war es attraktiv für den Landkreis, die Stützelvilla für die Behördenverlagerung anzubieten", weiß Prößl. Dass der Kreisjugendring ein neues Jugendtagungshaus baut, kann sie sich nicht vorstellen. Stattdessen werde sich die Organisation neue Aufgaben suchen, sagt Neumann. Er habe ein Angebot von Landrat Andreas Meier, Bewerbungen der Stützelvilla-Belegschaft anzunehmen und an interessierte Firmen weiterzuleiten, an die Mitarbeiter gegeben. Das Landratsamt betreibt keine Kantine und keinen Reinigungsservice und kann die entlassenen Frauen und Männer nicht selbst beschäftigen.

Keiner redet mit uns. Keiner sagt uns, warum die Stützelvilla geschlossen wird.Petra Fifeik, Mitarbeiterin im Jugendtagungshaus Stützelvilla


Das Landratsamt hat dem Kreisjugendring empfohlen, den Mitarbeitern vorsorglich zu kündigen.Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamts Neustadt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.