"3/5 Stachelbär" bei der Futura
Schlechtes Wetter gegen Pegida

Claus Drexler, Roland Andre und Michael Eberle (von links) sorgten in Windischeschenbach für einen gelungenen Kabarett-Abend. Bild: stg
Kultur
Windischeschenbach
28.11.2016
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Wann führt ein Terroranschlag zur Absage einer Veranstaltung? Das hängt von den Opfern ab. Die Wahrscheinlichkeit, so die drei Kabarettisten von "3/5 Stachelbär" am Samstag auf der Futura-Bühne, sei am größten, wenn es viele Junge sind.

"Betreten sein verboten" - ganz frisch ist das Programm, mit dem die drei Kabarettisten Roland Andre, Claus Drexler und Michael Eberle zu Gast sind. Vor wenigen Wochen erst Premiere in der Heimat in Pfaffenhofen, haben sie sich auf der Fahrt nach Windischeschenbach spontan entschieden, auf das ursprünglich vorgesehene ältere Programm zu verzichten.

Der Terror steht also am Anfang des Abends. Und die Frage, ob man wegen einer Bombendrohung absagen soll. Und ob man diese Chance nicht nutzen könne, um so richtig berühmt zu werden. Letztlich findet man - nach einem Blick auf die "Anschlagswahrscheinlichkeits-App" - doch noch einen Konsens: "Absagen erst ab fünf ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer auf europäischer Seite!" Es sind nicht nur die Schenkelklopfer, die den Samstagabend beherrschen. Es sind auch Themen und Dialoge wie diese, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Bei denen das Absurde im Realen vor Augen geführt wird. Bei denen die Herren von "3/5 Stachelbär" ihren Stachel tief in die Wunde legen.

Ein Meteorologe erzählt


Mal stehen sie solo auf der Bühne, mal zu zweit und dann auch als Trio. Die Themen sind vielfältig - so unterschiedlich wie das Leben. Drexler schlüpft in die Rolle eines Meteorologen, ein Beruf, der einmal ein entspannter Job war. "Früher waren wir wochenlang nicht im Studio", berichtet er. Da habe man Schnee und Winter im Dezember angesagt und bis März habe das auch gegolten. Heute müsse man sich dagegen auch mit Themen wie "gefühlte Kälte" herumschlagen.

Er philosophiert über die Umweltverträglichkeit von Sportlern und Sportarten, die in der Feststellung kulminiert: "Schachspieler bekommen das Umweltverdienstkreuz!" Und dann gebe es noch Extrawünsche, dass das Wetter in einzelnen Bundesländern bestellt wird. Beispielsweise für Sachsen soll er an Montagen schlechtes Wetter ansagen: "Denn dann bleiben die Pegida-Deppen daheim!"

Von Andre erfährt man, dass er eigentlich gar kein Solo auf der Bühne mag und gar nicht so genau weiß, was er übers Leben in seiner Heimat erzählen soll. Da laufe ja alles völlig normal, auch bei genauem Hinschauen könne man nur Unspektakuläres und höchstens Positives entdecken. "Unsere blauen Fliesen in der Küche sind schon der Höhepunkt heuer", erzählt er. Anderswo gebe es Probleme mit der Müllentsorgung und werde es mit den Farben der Säcke und Tonnen kompliziert. Bei ihm zu Hause nicht, schließlich gebe es in jedem Haus einen Kachelofen.

Auch der Thermomix in der Küche mache das Leben unbeschwert: "Da kannst Du dann Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut trinken!" Und ruhig und sauber ist es noch dazu am Land - abgesehen vom Rauschen der A9, den Flugzeugen, die alle 30 Sekunden am Flughafen München starten, den Gülle-Fahrern, den Biogasanlage-Anlieferern und den Stau-Umfahrern.

Sprachakrobatik und Wortwitz bringt Eberle den Zuschauern näher - kurz die Eigentümlichkeiten der bayerischen Sprache. Einer Sprache, die glaubt jeder zu verstehen, nur weil er sich als Zugezogener gleich in Dirndl und Lederhose wirft. Welche Feinheiten und Sinnunterschiede in der Verwendung von Kraftausdrücken wie "Leck mich am Arsch" oder "beschissen" liegen, weiß wohl nur Eberle so wortgewaltig und amüsant zu erörtern.

Leviten lesen


Er steuert auch jenen Monolog des Abends bei, der weniger Satire, sondern eher politische Bestandsaufnahme und Leviten lesen im besten Sinne ist. "Je simpler der Takt, desto lauter die Trommler", schleudert er den Äußerungen von AfD-Politikern und manchen CSU-Repräsentanten entgegen. Er wettert gegen die Facebook-Randalierer und die "Post-Faschisten", fragt nach der Gerechtigkeit in diesem Land und erinnert daran, dass die Westdeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg schlichtweg Glück hatten und das Land nicht komplett zerschlagen wurde. Eine Tirade, die wirklich nicht lustig ist, die aber heutzutage eigentlich viel öfter losgelassen werden müsste.

Nicht fehlen im Programm durften auch die Leitkultur, die "Vorzüge" von Windischeschenbach ("Das einzig Gute ist das Zoiglbier für 1,80 Euro!"), und die differenzierten Stammtischgespräche über die Energiepolitik ("Wichtig ist, dass das Licht angeht, wenn ich den Schalter drücke!").
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