Barfuss auf der Bühne
Niederbayern im Blut

Maria Reiser (rechts) stand barfuß auf der Bühne. Ihr Programm "Bayern Delüx" mit Jodelpop nach Mundart kam bei den Fans am Schafferhof sehr gut an. Bild: gge
Kultur
Windischeschenbach
03.10.2016
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"Wurschtsemme-Wurscht-semme-Wurschtsemme". Dass die Allerweltsbrotzeit als Zungenbrecher, schnell und endlos wiederholt, lustig und anstrengend sein kann, bewiesen Maria Reiser und Band am Schafferhof.

Neuhaus. Auch für das Publikum war Mitsingen angesagt bei Maria Reisers Programm "Bayern Delüxe". Mit ihrem "Bavarian Wildstyle" eroberte sie nicht nur das Hofbräuhaus in Las Vegas und die halbe Welt, sondern auch im Nu die Fans im Schafferhof. Frech, selbstbewusst, präsent, unglaublich sympathisch und virtuos bewegte sich ihr Programm zwischen Spaß und Ernst, Unsinn und Heimatliebe.

Ihre niederbayerische Heimat Puttenhausen im Blut, sang sie immer wieder von "Dahoam". Vom Zimmerlenzenanger oder vom Glabberlwirt aus Haindlfing, der eine "fiese Sau" war.

Jodelpop nach Mundart


Sie textet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Von den Kuppelversuchen von Papa und Onkel, weil auf dem Dorf kein gscheits Mannsbild da war: "Schau dir den Mo mal o!", wurde ihr angesichts des hässlichen, alten, stinkerten Exemplars, das in Frage kam, geraten. "Ribble eam im Bod sauber o, weil er hat Geld!"

Die Sängerin kam barfuß, mit Akustikgitarre, Akkordeon und Megaphon, das sie bei "Bolizei" lautstark einsetzte. Bunt war auch der Auftritt ihrer Bandmitglieder, die sie mit Schlagzeug (Stephan Ebn), Tuba, Bass (Ludwig Beck), E-Gitarre und langer Blondmähne (Tassilo Männer), Posaune (Martin Zimmermann) Trompete, E-Gitarre, Lederhose und Synthesizer (Josef Kretzmann) umringten. Wie befreiend Musik in der eigenen Mundart ist, hatte sie in Afrika entdeckt. Darum hieß auch der Hit von Alanis Morissette "Hands in my Pocket" bei ihr "Hand in da Taschn".

Ihre Mischung aus Rockmusik, Reggae, Hip-Hop, Dancehall und Mundart-Pop begeisterte. Der Refrain "Heyeyeyey" beim Reggae "Mamas Hüttn" fiel dem Publikum leicht, beim Mitjodeln hatte es schon mehr Probleme. "Zefix! Warum passiert des oiwei mir", kam ebenso tief aus dem Herzen wie die Hymne an "Mein Land", die sogar leicht wehmütig machte. Reiser pflegte den Kontakt mit dem Publikum, kam sogar mehrmals von der Bühne, um ihm ganz nah zu sein. Bei den lautstark geforderten Zugaben schließlich hielt es die Zuschauer in der dicht bestuhlten Tenne nicht mehr auf den Plätzen. Das "Haus am See" von Peter Fox stand in heimischem Ambiente, und ihre "hundert Enkel spielen Fußball auf dem Rasen" statt Cricket. "Find nimma hoam" klang nach Sehnsucht und Erinnerung.
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