Christian Springer bei der "Futura"
Deutschlandlied als Multikulti-Hymne

Kabarettist Christian Springer spickte auf der Futura-Bühne bei der Vorpremiere zum neuen Programm "Trotzdem" nur ganz selten in seinem Manuskript. Bild: Otto
Kultur
Windischeschenbach
04.04.2016
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Wer bei Christian Springers neuem Bühnenprogramm Schenkelklopfer auf Schenkelklopfer erwartet, wird am Samstag auf der Bühne der Futura eines Besseren belehrt. "Trotzdem" ist eine Abrechnung mit der deutschen Leitkultur.

Die Flüchtlingskrise hat Spuren hinterlassen bei Christian Springer, dem Münchener Kabarettisten, der dreimal im Monat in den Libanon reist, um dort zu helfen. "Trotzdem" hat der Künstler sein Programm genannt, das er in Windischeschenbach mit einer Vorpremiere vorstellt. Dabei geht es um Integration, um deutsche und bayerische Kultur, um Werte, um Dankbarkeit, im Frieden zu leben. Aber auch wenn vieles bitterernst ist, wird Springer nicht zynisch, sondern reagiert mit warmem Humor. Ein Philanthrop - "Trotzdem" eben.

"Überall wird Integration eingefordert. Deswegen möchte ich auch, dass wir heute unsere Kultur ein bisschen üben. Ständig wird über deutsche Kultur geredet, aber keiner hat eine Ahnung, was das überhaupt ist." Womit könnte man da besser beginnen als mit dem Deutschlandlied? Ein bisschen gruselig, als Künstler und Publikum gemeinsam die Nationalhymne deklamieren.

Wie deutsch ist die Hymne?


Man verlange schon lang von Menschen, die sich integrieren wollten, das Lied zu kennen und auch singen zu können. Da sollte man sich schon auch ein bisschen damit auskennen. "Wissen Sie eigentlich, wie deutsch unsere Hymne ist? Geschrieben hat den Text der Fallersleben in England, also Helgoland, aber das war damals britisch." Die Hymne habe der Österreicher Haydn komponiert, wobei es die Melodie ja schon gegeben habe - als Kaiserhymne. "'Gott erhalte Franz den Kaiser' würde heute aber auch ... das wäre ein bisschen schwierig." Jetzt sei aber der Kaiser gar kein Österreicher gewesen, sondern Italiener aus Florenz - das Deutschlandlied eine Multikulti-Hymne.

"Und jetzt kommt das Höchste: Auch die Melodie hat Haydn geklaut. Das ist ein kroatisches Volkslied, das heißt 'Frühmorgens bin ich aufgewacht'." Jetzt habe man das den kroatischen Flüchtlingen damals in die Hand gedrückt. "So - auswendig lernen, singen!" Und die haben dann gesagt: "Ihr Deppen. Das ist ja unser Volkslied." Springer lobt den Integrationswillen seiner Münchener Heimat: "Wir haben ab Ende September innerhalb von 16 Tagen sechs Millionen Menschen bei uns aufgenommen. Als dann das Oktoberfest wieder rum war ..."

Und die Kriminalität? Ja, das sei schon ein Problem, meint der Münchener und zitiert: "Ich habe damals so viel geschoben und gestohlen, dass ich nicht mehr aus dem Gefängnis rausgekommen wäre, wenn es nach Recht und Gesetz gegangen wäre." Das Zitat stimme. Nur komme es nicht von einem Flüchtling, sondern von Franz Josef Strauß.

Tränen mit "Navi"


Springer kritisiert die Mehrfachmoral beim Umgang mit Terrorattentaten. Es gehe bei der Betroffenheit nicht darum, wie viele Tote es gegeben habe. "Unsere Trauer richtet sich nach Kilometern. Unsere Tränen haben ein Navigationsgerät." Aber eines ist dem Satiriker wichtig: Man könne nicht rund um die Uhr trauern und sich die Augen ausheulen. Das müsse man auch nicht. "Was wir vergessen: Wir leben. Wir waren nicht dabei. Wir sollten froh sein. Ich will nicht noch ständig Bilder von sterbenden Menschen sehen."

Wichtig sei es natürlich, deutsche Tugenden zu vermitteln. Deutsche Pünktlichkeit zum Beispiel. "Aber was antwortet man, wenn der Flüchtling sagt: 'Und was ist mit dem Berliner Flughafen? Oder bei der Bahn und den Unpünktlichkeiten in den vier Stoßzeiten - also Frühling, Sommer, Herbst und Winter?'"

Was die Flüchtlinge auch unbedingt lernen müssten: den Umgang mit Frauen. Wenn im Integrationskurs ein Araber aufstehe und frage: "Aber im heiligen Buch steht doch: 'Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so, wie es sich vor Gott geziemt.'" - "Da brauchst du Fingerspitzengefühl. Da muss man ganz vorsichtig nachfragen, ob er sich nicht davon distanzieren will. Und der sagt, er kann sich gar nicht distanzieren, weil es gar nicht sein heiliges Buch ist, sondern die Bibel."

Dann müsse man erklären, dass wir natürlich viel moderner geworden seien, dass wir unsere Frauen schützen. Und wenn doch mal was sein sollte, gebe es ja noch die Frauenhäuser. "Gut, die sind in Bayern komplett überfüllt. Und nicht wegen der Flüchtlinge. Das ist schon lang so. Es gibt nur halb so viele Plätze, wie man braucht."

Essen für die Integration


Zum Ende wird Christian Springer noch ein wenig ernster, die Stimme leiser. Er appelliert an die Menschen, Haltung zu zeigen. Und wenn man Angst habe, wegen einer politischen Haltung Nachteile zu erleiden, fordert er auf: "Gibt's dene' keine Chance, dass wir Angst haben. Nicht den Selbstmordattentätern oder die Deppen, die um euch rum sind."

"Jeder hat etwas, worauf er sich verlassen kann, und wenn's a guter Apfelstrudel ist. Und den machen's dann für Ihre Familie. Und vielleicht ham's a Stückerl für die Nachbarn drunten, die vielleicht kein Deutsch können. Die können dann nach dreimal Apfelstrudel einen deutschen Satz: 'Danke für den Apfelstrudel.' Dann haben Sie viel mehr erreicht als alle Putins, Merkels, Trumps oder Obamas zusammen. Daran glaube ich ganz bestimmt. Guten Appetit!"
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