Den Blues im Blut
Konzert von Al Jones am Schafferhof

Al Jones mit alten Freunden gemeinsam auf der Bühne des Schafferhofs: (von links) Michael Außerbauer, Sara Gallitz, Thilo Kreitmeier (Tenorsaxofon) Yvonne Isegrei, Al Jones (Gitarre) Björn Kellerstrass (Perkussion), Oskar Pöhnl (Schlagzeug) Peter Schmid (E-Bass) und Ludwig Seuss (Orgel). Bild: Reitz
Kultur
Windischeschenbach
08.02.2016
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Mit 12 bekam er seine erste Gitarre, mit 15 stand er zum ersten Mal auf der Bühne, im Dezember feiert er seinen 65. Geburtstag. Al Jones ist das Aushängeschild der europäischen Blues-Szene, seine Wurzeln jedoch liegen in Weiden.

Neuhaus. Ältere Semester erinnern sich noch, als vor fünfzig Jahren die Gitarre von Al Jones im Josefshaus für frischen Wind in der ansonsten eher seichten Musikszene sorgte und mit bisher "unerhörten" Gitarrenriffs den Blues-Virus verbreitete. Mit dem "American Folk Blues Festival" kam Otis Rush 1966 erstmals nach Deutschland, und dessen Auftritt im Fernsehen war die Initialzündung zur Gründung der "Al Jones Bluesband", ein Trio, bei dem der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler Karl Aichinger den Bass zupfte und Oskar Pöhnl die Trommelstöcke schwang. Seitdem ist Al Jones, mit kurzen Ausflügen in die Rockszene, unter anderem mit der Gruppe Embryo, dem Blues treu geblieben. Seine ausdrucksstarke Stimme und seine phänomenale Technik auf der Gitarre prägen seit fünf Jahrzehnten die Bluesszene nicht nur in Deutschland.

Gästen aus alten Tagen


Zur Party im ausverkauften Schafferhof hat Al Jones neben seiner regulären Band mit Yvonne Isegrei (Gitarre), Thilo Kreitmeier (Saxofon), Peter Schmid (E-Bass) und Björn Kellerstrass (Schlagzeug) Gäste aus alten Tagen eingeladen, und auch im Publikum kann man zahlreiche "Fans" aus den 60er Jahren ausmachen. "All Your Love" von Otis Rush steht am Anfang, und wie vor fünfzig Jahren sitzt Oskar Pöhnl am Schlagzeug und sorgt für den unvergleichlichen Backbeat im Sinne von Fred Below, der auf unzähligen Aufnahmen des Chicago-Blues, auch mit Muddy Waters, bekannt wurde. Dazu gesellt sich Michael Außerbauer am Saxofon. Er ist bereits auf der zweiten LP von Al Jones zu hören und spielt im Stil der legendären R&B-Honkers, eine ekstatische Spielweise, die auch schon mal in schwindelnde Höhen führen kann.

Bei einer heißen Nummer von Brother Jack McDuff bearbeitet Ludwig Seuss seine Orgel, es kocht und brodelt, Michael Außerbauer und Thilo Kreitmeier liefern sich eine groovende "Tenor-Battle", ehe mit einem langsamen Blues von T-Bone Walker die sensiblen Gefühle zu ihrem Recht kommen, Blues-Feeling, das unter die Haut geht!

Funk und Rock


Mit der Nummer "Bittersweet" präsentiert Jones dann seine aktuelle Band: Yvonne Isegrei kommt als zweite Gitarristin dazu und sorgt mit ihrer Stimme gelegentlich für neue Klangfarben. Funk und Rock lassen grüßen! Aber auch Einflüsse des New Orleans-Beat, frühen R&B oder Bo Diddley werden einbezogen und sprengen die Grenzen des Chicago-Blues der frühen Jahre. Was die Qualitäten des Band ausmacht, ist der homogene, kraftvolle Gruppensound und ein untrügliches Gefühl für Rhythmus. Man spürt: Hier steht jeder voll hinter der Musik und schert sich keinen Deut um Modetrends oder billige Showeffekte. Der Blues kommt von Innen, ist eine Lebenseinstellung!

Im Laufe des Abends kommt es zu den unterschiedlichsten Kombinationen, dann stehen auch schon mal neun Musiker gemeinsam auf der Bühne und swingen, was das Zeug hält.

Heiße Jam-Session


Zu später Stunde greift auch noch Oskar Pöhnl zum Gesangsmikro und präsentiert sich als "Shouter" der alten Garde: "Help me" von Sonny Boy Williamson, "Flip, Flop & Fly" von Big Joe Turner oder "Everyday I have the Blues" von Memphis Slim liefern die Grundlagen zu einer ausgiebigen Jam-Session. Das Publikum ist aus dem Häuschen und fordert eine Zugabe nach der anderen. Schließlich endet der Abend mit einer ekstatischen Nummer und Gospelfeeling: "I'm going home".

Zwei Langspielplatten und drei CDs unter eigenem Namen kann Al Jones mittlerweile vorweisen. Demnächst erscheint eine neue CD unter dem Titel "in time, right time, any time". Man darf gespannt sein!
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