Eva Eiselt bei der Futura
„Neurosen und andere Blumen“

Eva Eiselt schlüpfte am Freitagabend bei ihrem Auftritt in Windischeschenbach in zahlreiche Rollen - allesamt waren sie Volltreffer. Bild: Stiegler
Kultur
Windischeschenbach
10.10.2016
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Die Rahmenbedingungen sind günstig. Das stellt sogar die Dame vom Ordnungsamt mit ihrer Universal-App fest: Luftfeuchtigkeit passt, Abstand zur Bühnenkante ist okay und sogar der IQ der Zuschauer ist passabel - "auch wenn es natürlich Ausreißer nach unten gibt", sagt sie und fixiert einen Herren in der 2. Reihe mit ihrem Blick. Die Kabarettistin Eva Eiselt gastiert mit ihrem aktuellen Programm "Neurosen und andere Blumen": Für sie ist es eine Futura-Premiere, die durch und durch gelingt.

Warten auf den Notarzt


Doch wer steht da eigentlich auf der Bühne? Eiselt schickt ihre Assistentin Sigrid vor, der Star liegt hinter der Bühne, hat etwas zu viel Alkohol erwischt und außerdem eine Pizza, die Probleme im Magen bereitet. Das komme davon, dass sich ihre Chefin auf einmal "nachhaltiges Kabarett", Schopenhauer und Nietzsche auf die Fahne geschrieben habe. Jetzt heißt es Warten auf den Notarzt und Sigrid muss überbrücken. Dies gelingt ihr auf charmante Art mit einem "Schwäbeln" im Redefluss. Und mit permanenten Rollenwechseln: Als Business-Frau vermarktet sie im köstlichen Kauderwelsch-Englisch das neue "High-Definition-Endgerät" - nämlich das "Real Book", das den "Usern" jede Menge "Haptic Emotions" beschert. Das Umblättern wird auf diese Weise zum geräuschlosen "Switchen" von einem "Window" zum nächsten. Und auch das nächste Produkt kündigt die Promoterin schon an, indem sie ein Tablett hochhält - nämlich ein "Tablet".

Die "echte" Eva Eiselt will auch nach der Pause nicht auf die Bühne kommen. "Sie will jetzt etwas Handfestes machen und auf Astrologin umschulen", erzählt ihre Assistentin Sigrid. Gut, dass da dann auch noch der ältere Mann auf die Bühne kommt und seine Sorgen mit der modernen Technik beklagt: Gesucht hat er im Internet nach einer Gartenbank und was passiert stattdessen? Er hackt das Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank und verteilt die Milliarden so wie er es will.

Dies ruft schließlich die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Plan, die zum "Bürgerdialog" in die Provinz kommt. "Windischeschenbach - ist das noch mein Land?", fragt sie ganz erstaunt. Sie erzählt von ihrem größten Alptraum, wonach sie zur Päpstin gewählt wird, obwohl sie doch eigentlich nur Prinzessin sein möchte. Viel Spaß bereitet dem Publikum auch Angies Griff zum "Roten Telefon" und das folgende Telefonat mit Barack Obama, bei dem die Kanzlerin ihr bestes Englisch auspacken kann. Nicht fehlen darf natürlich der Seitenhieb auf Horst Seehofer, der Merkel die "Herrschaft des Unrechts" vorgeworfen hatte. "Da hat einer wohl zu viel Star Wars geschaut", sagt die Kanzlerin und ruft mit Darth-Vader-Stimme schließlich beim "Horst" an.

Freizeit am Stück ausverkauft


Jede Menge Erkenntnisse bekommt das Publikum außerdem serviert: Dass beispielsweise aus einem weihnachtlichen Hasenbraten im Kühlschrank bis Ostern ein echter Beuys werden kann. Dass man beim Metzger auch Zeit in den verschiedenen Variationen kaufen kann - wobei allerdings Freizeit am Stück ausverkauft und Auszeiten vergriffen seien. "Vorrätig ist nur noch abgehangenes Klimakterium", teilt die Metzgerei-Fachverkäuferin mit. Zum Schluss tanzt sich die Kabarettistin als Mireille Mathieu endgültig in die Herzen des Publikums - und Assistentin Sigrid lässt das Haar wallen. Langer und verdienter Applaus für ein gelungenes Gastspiel.
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