"Friedensengel" im Anflug
Kunstwerk für die Panzersperre fast fertig

Firmenchef Yul Regler (links) und Künstler Erwin Otte begutachten die druckfrische Glasscheibe. Farbe und Maserung entsprechen genau dem Entwurf. Bild: mic
Kultur
Windischeschenbach
11.03.2016
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Immer wieder gleitet der Mechanismus über die Glasplatte und trägt hauchdünn Farbe auf. "Das dauert noch 16 Minuten", liest Yul Regler vom Bildschirm ab. Erwin Otte schaut fasziniert zu. Auf der Druckmaschine liegt ein Teilstück seines "Friedensengels", den er in ein paar Wochen auf der Panzersperre aufstellen möchte.

In der Druckerei der Firma Regler in Altenstadt kommt der Künstler aus Reuth seinem großen Traum ein Stück näher. Seit 1996 lässt ihn der Gedanke nicht mehr los, auf dem Betonklotz mitten in der Stadt ein Kunstwerk mit Signalwirkung zu schaffen. Noch in dieser Woche soll es fertig werden. "Aufstellen werden wir es, sobald es wärmer wird", plant Otte. "Dafür brauche wir einen Kran." Zusammen mit einem Sockel aus Stahl wiegt der Engel eine Tonne.

Dass der "Friedensengel" auffallen wird, steht außer Frage. Die drei Flügel, aus denen sich die Skulptur zusammensetzt, erstrahlen in rubinrot. "Eine Signalfarbe, die wachrütteln soll", erzählt der Künstler. "Damit möchte ich ein positives Zeichen für den Weltfrieden setzen."

Die Fußplatte fertigt Metallbau Götzl aus Erbendorf. Die drei gläsernen Flügel stammen von Flachglas Weiherhammer. Und das Aufstellen überwacht die Firma Kirchmann aus Tirschenreuth. Die Platten sind 2,2 Zentimeter dick und absolut bruchsicher. Die Frage, wie sich die Farbe und die Maserung auf die Flügel auftragen lassen, beschäftigte Otte ein wenig länger. Er habe sich von verschiedenen Firmen Musterandrucke anfertigen lassen, doch es sei nichts vergleichbares dabei gewesen. Erst Regler Druck habe seine Vorstellungen eins zu eins umgesetzt. "Qualität ist wichtig. Ich bin in Altenstadt sehr zufrieden", lobt er. "Das ist absolutes Hightech."

Guter Ruf in Branche


Regler hat in der Branche einen guten Ruf. Der "Friedenengel" ist nicht das einzige künstlerische Projekt, dass die Firma derzeit betreut. "Wir fertigen Fenster für eine neuapostolische Kirche in Benzheim bei Frankfurt", berichtet der Juniorchef.

Um die Flügel intensiv strahlen zu lassen, war ein Farbauftrag von 400 Prozent notwendig. "Dann härtet es nach und bekommt eine UV-Schutzschicht", erklärt Regler. "Alles maschinell."

Unterstützung vom Bezirk


Sponsoren von Regensburg bis Marktredwitz haben sich bereiterklärt, Otte bei seinem Vorhaben unter die Arme zu greifen. "Der Engel strahlt über Grenzen hinweg", freut sich der Künstler. "Ich danke allen, die mich unterstützt haben." Sogar der Bezirk Oberpfalz habe sich beteiligt. Lediglich ein kleiner Restbetrag sei noch offen. Die Namen aller Gönner werden auf einem Schild an der Panzersperre zu lesen sein.

Auch rechtlich kann den "Friedensengel" nichts mehr vom Sockel stürzen. Die Stadt Windischeschenbach, die Deutsche Bahn und das Verteidigungsministerium stimmten dem Vorhaben bereits zu. Die letzte Hürde war die Genehmigung vom Denkmalamt in Amberg, da die Panzersperre seit einigen Jahren auf der Denkmalliste steht.
Damit möchte ich ein positives Zeichen für den Weltfrieden setzen.Erwin Otte


Philosophie des FriedensEin Stein, der einem Engel ähnlich sah, inspirierte Erwin Otte vor 20 Jahren, dieses Projekt anzugehen. "Die Panzersperre soll zum Landeplatz für einen Friedensengel werden", wünscht sich der Künstler. "Der Betonklotz mutiert zur Bühne und der Himmel zur Leinwand." Mit den verschiedenen Rotschattierungen der Flügel will er die Skulptur deutlich in Szene setzen und "eine Faszination, die uns berührt" schaffen. Die schwarz strukturierten vertikalen Linien soll auf das Negative hinweisen, nuanciertes Geld signalisiiert Hoffnung. (mic)
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