Futura Windischeschenbach
Satirischer Jahresrückblick von Kabarettist Holger Paetz

"Gott hat einen fiesen Humor", Holger Paetz auch. Es ist nicht immer leicht verdaulich, was Paetz aus seinem Schwarzbuch für das Jahr 2015 offenbart. Aber immer amüsant. Bild: Otto
Kultur
Windischeschenbach
22.12.2015
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Bissig und bitterböse: Kabarettist und Liedermacher Holger Paetz teilt bei seiner "Tour de Force" durchs Jahr 2015 auf der "Futura" in Windischeschenbach kräftig aus und macht vor nichts und niemandem Halt.

Jetzt haben sie Hochkonjunktur: Kerner, Lanz, Jauch. Mit von gigantischen Redaktionen recherchierten Jahresrückblicken - eher leicht und seicht. Dagegen mitunter schwer verdaulich, aber immer tiefsinnig fällt die Jahresbilanz von Holger Paetz aus. "So schön war's selten" resümiert er am Samstag auf der Bühne der "Futura" in Windischeschenbach.

Dass allein der Titel blanke Satire ist, liegt auf der Hand. Auch wenn der Kabarettist einen roten Aktenordner dabei hat - es ist ein bitterböses Schwarzbuch. Jeder bekommt das ab, was er verdient, Paetz nimmt alle auf die Schippe - wortgewaltig, bissig-böse, manchmal zynisch. Aber ohne Ansehen der Nationalität, Religion oder des Parteibuchs. Respekt, Feingefühl und übertriebene Differenziertheit gehören nicht zu den Kernkompetenzen des Satirikers.

Kein Blatt vor dem Mund


Aber wie sollte auch ein Jahresrückblick positiv ausfallen, bei den Themen, die 2015 auf der Agenda standen? Terror, Krieg, Menschen, die davor fliehen. Der Staatsbankrott in Griechenland, die VW-Affäre und der G7 Gipfel auf Schloss Elmau. Den Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und der Terrorakt im selben Viertel Ende des Jahres sieht er als symbolträchtige Klammer und als Zeichen: "Gott hat einen ziemlich fiesen Humor. Nicht umsonst reimt sich Spott auf Gott." Auch wenn immer alle bemüht sind, den Islam und den Terror zu trennen, so will Paetz das nicht einfach so hinnehmen.

"Im Namen Gottes darf nicht getötet werden. Der Koran sieht das anders." Das mit den 72 Jungfrauen im Paradies verstehe er nicht. "Keiner hat gesagt, wie alt die sind." Betreibt Paetz Islam-Bashing? Vielleicht. Aber nur, um im nächsten Atemzug die Christen genüsslich durch den Kakao zu ziehen.

Das beste Beispiel: Reliquien. Die Vorhaut Jesu' sei 20 Mal auf der Welt verstreut - verrückt. "Und in Aachen wird seine Windel von den Gläubigen verehrt - ohne Scheiß." In Verwirrung sieht Paetz sein linkes Herz, weil er auf dieser Seite auf einmal Angela Merkel verortet. Sie habe in der damaligen Situation mit dem Herzen entschieden. "Weil der Verstand gerade im Urlaub war. Einen Plan hat die Kanzlerin keinen. Aber einen Anzug an, das muss genügen." Als er sich gerade genüsslich auf die Kanzlerin eingeschossen hat, macht Paetz den nächsten U-Turn und watscht auch andere ab.

Die Pegida und den Seehofer. Letzterer hat bei der Wahl seiner Gäste immer ein besonderes Händchen: Berlusconi, Orban und Jörg Haider. Gegen Ende des Programms spottet Paetz über privatere Dinge. Er schimpft über einen Drucker, der die gesamte Tinte beim Reinigen vor dem Druckvorgang verbraucht, über dämliche Bahnhof-Durchsagen oder den Political-Correctness-Wahn des Deutschen.

Alles wird verspottet


Und schließlich kommt die Sprache unweigerlich auf das nahende Weihnachtsfest. Hier ein Baum, wegen dem er in der Notaufnahme landet, da die schrecklichen Geschenke, die den Beschenkten in eine unschöne Situation bringen - nichts ist vor dem Satiriker sicher, da ist Paetz fair. Nichts ist zu banal, um sich darüber lustig zu machen.
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