Geschliffen-satirischer Jahresrückblick mit dem Kabarettisten Holger Paetz bei der "Futura '87"
So schön war's noch selten

Zum Ausklang des Jahres packte der Kabarettist Holger Paetz seine satirische Rute aus und blickte höchst amüsant auf die Ausrutscher und Verfehlungen in der Politik und so manche Situationskomik im Alltag zurück. Bild: Prem
Kultur
Windischeschenbach
08.12.2014
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Spätestens Ende September weiß jeder, dass Weihnachten vor der Tür steht. Wir werden "lebkuchenisiert" und der Weihnachtsmann schwingt erbarmungslos sein Zepter. Holger Paetz ist noch einer von der alten Sorte. Er packt erst jetzt zum Jahresende wie einst Knecht Ruprecht seine Rute aus und schlägt kräftig drauf auf die Herumeierer und Warmduscher, die Politiker, Banker und Veganer. Verbal, versteht sich, in seinem satirischen Jahresrückblick auf der Kleinkunstbühne der Futura87.

Höchster Kabarettgenuss

"So schön war's noch selten", lautet nicht nur sein Programmtitel, sondern ist auch die einhellige Meinung der Kabarett-Fans, die am Ende der Saison am Freitag und Samstag noch einmal in Scharen gekommen waren und höchsten Kabarettgenuss erleben durften. Das verflossene Jahr hat aber auch wieder einmal gezeigt, was in ihm steckt. "Leider ist es an seinem eigenen Ende schon fast wieder vorbei", bedauert der Münchner Kabarettist, Autor, Schauspieler und Songpoet.

Er neigt sein Haupt in Ehrfurcht und blickt mit Hochachtung, Ironie, einer Prise Sarkasmus, schwarzem Humor und bösem Spott zurück. So wie man ihn in Windischeschenbach seit mittlerweile 26 Jahren kennt, denn Paetz ist der erste Kabarettist der dort überhaupt auf der Bühne stand und kehrt seitdem fast jedes Jahr dorthin zurück. Wie der Heilige Nikolaus liest er aus einem roten Ordner Angela Merkel, Ronald Pofalla & Co oder dem ADAC die Leviten: Wortgewaltig, geschliffen, spöttisch und auf hohem Niveau.

Für das Publikum ist es alles andere als ein entspannter Kabarettabend, denn es ist gefordert, seiner unglaublich schnellen und feinen Rhetorik zu folgen. Doch es lohnt sich, genau aufzupassen, wenn der hagere Schlacks zu nörgeln anfing und die Ereignisse in Deutschland und der Welt Monat für Monat zerlegt. Den ersten Aufreger gibt es bereits im Januar, als sich Ronald Pofalla ("Po-Faller) einen Kindertraum erfüllt und zur Bahn wechselt.

Im selben Monat fliegen verhungerte Skispringer über die Schanzen der Welt und im Februar sind die Olympischen Spiele in Sotschi an der Reihe, die teurer waren, als die letzten fünf zusammen. Im März hatdann Uli Hoeness, der "Vater Theresa vom Tegernsee" und Nelson Mandela von der Säbener Straße", der ebenfalls für seine Überzeugung ins Gefängnis gegangen war, seinen Schauprozess und gibt mehr zu, als der Staatsanwalt wusste.

Intelligenter Wortwitz

Bei den Europa-Wahlen wird die Zufriedenheit an die Urnen getragen und Erwin Huber hat mit seinen Aussagen nach der Wahl bereits das Ergebnis vor der Wahl beeinflusst. Dann hat noch die NSA die Aufgaben des Parlaments übernommen und der Regierung auf die Finger geschaut und was war eigentlich los mit der SPD in der "GroKo"? "In der Mitte thront Mutti Merkel und zu deren Linken und Rechten sieht man die Sozis niedersinken". Paetz macht sich über die holprige Grammatik und die phantasievolle Rechtschreibung in Facebook lustig und lässt das Sommermärchen - die Fußball-Weltmeisterschaft - Revue passieren. "Die Tattoos der Spieler sollten wahrscheinlich den Gegner ängstigen".

Für seinen intelligenten Wortwitz und seine skurrilen, valentinesken Pointen erntet der ausgezeichnete und erfahrene Kabarettist am Ende großen Applaus. Als Zugabe präsentiert er eine kleine Kostprobe aus seinem aktuellen Programm "Auch Veganer verwelken" auf seinem Mini-Keyboard.
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