Hauptmann auf Oberpfälzisch
Der Biberpelz als "Pascher"-Saga

Da hat die Gerechtigkeit keine Chance (im Bild von links nach rechts): Ludwig Müller als Krüger, Renate Schönberger als Mutter Wolffen und Karlheinz Budnik als Amtsvorsteher in Gerhart Hauptmanns "Biberpelz", den die Laienspielschar Windischeschenbach am Samstag im Pfarrheim zur Aufführung brachte. Bild: Michaela Lowak
Kultur
Windischeschenbach
31.10.2016
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Eine in ihrer Lebensfülle und ihrem Mutterwitz herzerwärmende Frau, die ihre arme Familie mit Diebstählen durchbringen will, hat einen arroganten und bornierten Amtsvorsteher als Gegenspieler.

Das ist ein geradezu klassischer Stoff für eine sozialkritische Gaunerkomödie, wie sie Gerhart Hauptmann mit seinem "Biberpelz" auf die Bühne gebracht hat. Die Laienspielschar Windischeschenbach verlegt die Geschichte, die in einem Berliner Vorort um 1887 herum spielt, in die Oberpfalz hinein in die Szenerie der Pascher, die mit nicht immer ganz sauberen Aktionen ihren Lebensunterhalt aufgebessert haben. Hannes Rupprecht hat das Stück aus Hauptmanns Original Berlinerisch übersetzt und der Aufführung damit eine bodenständige Sympathie gesichert.

Die Problematik ist in der Tat übertragbar und in gewissem Sinne sogar zeitlos: Die Waschfrau Mutter Wolffen, verheiratet mit dem gutmütigen Trottel Julius, Mutter zweier Töchter, nimmt es nicht so genau mit dem Unterschied zwischen Mein und Dein. Eine Diebin will sie sich trotzdem nicht nennen lassen. Sie spricht von Mausen, und meint damit, jemanden um etwas zu erleichtern, was dem nicht wehtut. Mal sind es Kleinigkeiten, mal auch zwei Ster Holz, das alles zugunsten der Familienkasse, in der man ständig auf den Boden sieht, und zur Finanzierung des bescheidenen Häuschens.

Die Lebensfülle und ihr Mutterwitz machen diese Frau rundum sympathisch. Sie ist es auch dann noch, als sie einem wohlhabenden Rentier namens Krüger einen Biberpelz-Mantel entwendet und diesen dem Pascher und Fuhrunternehmer Kutscher verkauft.

Arroganz verblendet


Den Diebstahl aufklären soll der arrogante, königstreue Amtsvorsteher Wehrhahn. Doch den interessieren diese "Lappalien" nicht. Er macht lieber Jagd auf reichs- und königsfeindliche Elemente, und meint damit Liberale, Demokraten, Freidenker. Auf diese Suche nach "dunklen Elementen" hat er sich so fixiert, dass er bei der Aufklärung der Diebstähle vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. So kann es die Mutter Wolffen, die von sich behauptet, mit ihrem Hühnerauge mehr zu sehen als der Amtsvorsteher mit seinem Glasauge, dem Zugriff der Gerechtigkeit entschlüpfen. Der Amtsvorsteher hingegen hat sich vor allem an dem Bestohlenen, dem wohlhabenden Rentier Krüger, und dessen Freund und Gesinnungsgenossen Dr. Fleischer festgebissen. Im Zustand dieser geradezu monumentalen Selbstverblendung kann er die Lösung der Diebstahlssache nicht erkennen obwohl er sie unmittelbar vor der Nase hat.

Die Komödie "Der Biberpelz" stellt an die Darsteller erhebliche Anforderungen. Denn es gilt nicht nur die Charaktere, sondern auch die Zeit und das nach Ostbayern übertragene Umfeld zu vermitteln. Das Ensemble der Laienspielschar Windischeschenbach nimmt die Zuschauer mit in das Geschehen. Renate Schönberger schafft als Mutter Wolffen mit ihren Töchtern Auguste (Lena Schulze) und Adelheid (Sophia Brucker) und ihrem Mann Julius (Gerald Wildgans) eine Familienatmosphäre, die der Zeit und dem Konflikt entspricht. Das ist Alltag wie ihn die Leute kennen und verstehen.

Ludwig Müller vertritt als Rentier Krüger die "kapitalistische" Seite, kann zusammen mit Moritz Müller als Dr. Fleischer die Position des Widerstandes gegen die Staatsgewalt glaubwürdig vermitteln. In der Rolle des Wehrhahn hat Karlheinz Budnik die Rolle des eigentlichen Verlierers, und er spielt sie engagiert und konsequent.

Simon Maurer mimt als Motes (mit Karin Prucker als Ehefrau) eine jener Figuren, die dem Amtsvorsteher zuarbeiten, ein perfekt gespielter Speichellecker. Farbe ins Spiel bringt Bertwin Fleck in der Rolle des Amtsschreibers Glasnapp, der sich nur widerwillig einordnet, weil er wie Amtsdiener Mitteldorf, gespielt von Josef Prucker, eigentlich auf der anderen Seite steht. Routiniert und mit Verve präsentiert sich Hannes Rupprecht als Pascher und Fuhrmann Kutscher. Rupprecht führte als Regisseur das Ensemble zu einem beeindruckenden Auftritt zusammen.

Liebevoll ausgestattet


Musikalisch begleitet wurde das Stück von Magdalena Mehlich (Violoncello) und German Beer am Klavier. Ihre Musik passt in die Zeit und stimmt einfühlsam in das Geschehen ein. Im Bühnenbild ist der äußere Rahmen des Geschehens liebevoll bis ins Detail nachgebildet. Das gilt besonders für die Küche der Wolffen.

Die Zuschauer, die die Aufführungen der Laienspielschar seit Jahren kennen und lieben, spendeten langen und begeisterten Beifall, riefen die Darsteller nach dem letzten Vorhang immer wieder auf die Bühne. Weitere Aufführungen des "Biberpelz" gibt es am 4., 5. und 6. November, jeweils um 19.30 Uhr im Pfarrheim Windischeschenbach.
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