Interview mit Blues-Star Al Jones
Wiedersehen mit alten Weggefährten

Der gebürtige Weidener Al Jones kommt mit seiner Band in den Schafferhof. Bild: Kutter
Kultur
Windischeschenbach
02.02.2016
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Neuhaus. Der gebürtige Weidener Al Jones ist eine feste Größe in der internationalen Blues-Szene. Er hat schon mit den Stars des Genres zusammengearbeitet: B. B. King, Johnny Winter, Champion Jack Dupree, Louisiana Red und Willi Mabone. Mit seiner "Al Jones Band" tourt er erfolgreich durch Europa. Am Freitag kommt er in den Schafferhof - mit neuen Songs und alten Weggefährten. Die Kulturredaktion hat sich vorab mit dem Bandleader unterhalten.

Können Sie sich erinnern, wann und wo Sie zum ersten Mal Blues gehört haben?

Al Jones: Daran kann ich mich ganz genau erinnern. Das war 1963 in Weiden, bei mir daheim, bei meiner Mutter. Das "American Folk Blues Festival". Das gab es tatsächlich im deutschen Fernsehen. Da habe ich T-Bone Walker erlebt, habe allerdings erst Jahre später erfahren, dass er das ist. Mir ist nur aufgefallen, dass er die Gitarre anders hält. So schräg, fast wie wenn man sie auf den Tisch hinlegt. Daran kann ich mich gut erinnern. Das war das erste Mal, dass ich Blues gesehen habe. Mein Vater hatte zwar Platten, aber das war eher Jazz.

Ihren ersten Auftritt haben Sie auch in Weiden gehabt?

Al Jones: Na klar. Da waren der Oskar Pohl und ich so 15, 16. Damals gab es in Weiden noch Schüler-Bälle. "Coca Cola Ball" hieß da einer. Auch die Gymnasiasten haben im kleinen Vereinshaus-Saal so Feiern veranstaltet. Da sind oft Bands aufgetreten, zum Beispiel auch die Brüder von Oskar. Dort haben wir gefragt, ob wir in der Pause etwas spielen dürfen. Eine Einlage geben nannte man das. Das waren so die ersten Auftritte.

Haben Sie noch Familie in Weiden, kommen Sie öfter in die Stadt?

Al Jones: Meine Mutter, mein Bruder, meine Tanten - die Familie mütterlicherseits, die wohnen alle noch in Weiden. Ich lebe halt doch sehr weit weg und bin so viel unterwegs das ganze Jahr. Aber wenn ich in der Nähe bin, schau ich natürlich bei meiner Mutter vorbei, auch bei Geburtstagen und ähnlichen Anlässen.

Wie hat es Sie geprägt, als Sohn eines GIs in Deutschland aufzuwachsen?

Al Jones: Wissen Sie, als Kind kriegt man das ja so nicht mit. Ich war in meiner Familie immer mit Weißen zusammen. Eigentlich habe ich nur, wenn ich in den Spiegel gesehen habe, gemerkt, dass ich anders aussehe. Natürlich habe ich dann später auch gewisse Ressentiments gespürt. Das waren dann entweder wirklich Rassisten oder sie waren unsicher, wie sie mit mir umgehen sollen.

Gab es auch Künstler, die Sie besonders berührt haben?

Al Jones: Ja schon. Was mir sehr gut gefallen hat, war Otis Rush. Die ganze Band von ihm war super. Das war so mein großer Hero. Gitarren-mäßig, aber auch vom Gesang. Es gab eine ganze Menge guter Leute, aber Rush hat mich eigentlich zum Blues-Spielen gebracht.

Wie ist das eigentlich mit dem Blues-Nachwuchs - auf der Bühne, aber auch davor?

Al Jones: Doch, doch. Ein paar gute Bands, gibt es schon in Deutschland, die auch jünger sind als ich und das weiterführen. Bei den Konzerten ist es zum Großteil schon ein erwachsenes Publikum. Aber immer wieder kommen Jugendliche, die sich mit Blues auskennen und selbst spielen. Aber es ist halt schon so, das Blues nicht besonders geeignet ist, um Menschen in Erstaunen zu versetzen. Für jemand, der sich profilieren möchte, ist das nichts.

Würden Sie sich eher als Gitarre spielenden Sänger oder als singenden Gitarristen verstehen?

Al Jones: Mir liegt beides sehr am Herzen, aber je älter ich werde, desto wichtiger wird der Gesang und der Text, die Aussage, die ich mache. Die Blues Musiker erzählen Geschichten. Das kann politisch sein, und sehr persönlich. Aber alles Persönliche ist in einem gewissen Grad auch politisch.

Und zum Schluss noch: Worauf dürfen sich die Fans im Schafferhof freuen?

Al Jones: Das wird diesmal was ganz Spezielles. Eigentlich wollte ich meine neue CD vorstellen. Das hatte leider mit den Terminen nicht so geklappt. Dafür spannen wir den Bogen von den Anfängen in den 80er Jahren bis heute - so eine Art Zeitreise mit den Musikern, die dabei waren. Wir kommen also zu acht. Es wird Stücke von der neuen CD geben, aber auch einige ältere Sachen.

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