"Jeder Volldepp is a Superstar"
Mit Vollgas ins Fettnäpchen: "Der Weiherer und die Dobrindts"

Kultur
Windischeschenbach
10.03.2016
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Neuhaus. Er hat keine Scheu, sich unbeliebt zu machen. Fettnäpfchen sind seine Herausforderung. Und er mag keine Schubladendenker, die ihn vielleicht als "langhaarigen Liederbombenleger" oder "niederbayrischen Brutalpoeten" einordnen. Obwohl da etwas dran ist und er sich selber als "die Helene Fischer des Musikkabaretts" bezeichnet. In rasanter Geschwindigkeit ergießen sich anklagende, aufrüttelnde oder humorige Sätze aus seinem Mund. "Der Weiherer" heizt dem Schafferhof-Publikum gehörig ein, begleitet von seiner Band "die Dobrindts".

"Is des no mei Hoamat?" fragt er in die Runde: Wo der Bauer keine Frau findet, Kinder mit ausgefallenen Doppelnamen leben, man die Sprache nicht versteht? Wo man Windräder wegprozessiert, aber tschechischen Strom bezieht? Und "der Weiherer" stellt die Frage: "Was ist ein Dobrindt?" Dieser Politiker hat es ihm angetan. Besonders ein Satz, den der Bundesminister gesagt haben soll: "Wer gestern gegen Atomkraft demonstriert hat und heute gegen Stuttgart 21, der darf sich nicht wundern, wenn morgen in seinem Garten ein Minarett steht." Seither wartet "der Weiherer" auf sein Minarett.

"Eia Sissdem", kritisiert er, solo und nur mit Gitarre und Mundharmonika. "Ihr habts mi oglogn, mi bled gmacht, i hob mi ned g'wehrt" beklagt er die allgemeine Anpassung an "den Schmarrn auf RTL2" und den Konsum unnötiger Dinge.

Er verurteilt die Medien, die Angst verbreiten, singt gegen Hass und Gewalt und für mehr Menschlichkeit. Und er könnte "Scheiße schrein", weil so vieles falsch läuft in der Welt. Zwischen den Liedern erzählt er ausgiebig sowohl Ernstes als auch Lustiges. Besonders spaßig gerät seine Erklärung, weshalb er T-Shirts mit der Postleitzahl 25 541 für Brunsbüttel verkauft: Weil er es leid sei, an der Kasse im Supermarkt nach seiner Postleitzahl gefragt zu werden.

Deshalb habe er sich auf die von Brunsbüttel verlegt, erklärt er. Alle im Saal sollten da mitmachen. "Und wenn die dann die Statistik auswerten, wundern die sich, wie viele Leute aus Brunsbüttel einkaufen, und werden dort die Werbung konzentrieren." Das Publikum lacht Tränen.

Seine Texte sind fast durchwegs kritisch, politisch und provozierend. "Jeder Volldepp is a Superstar, und für alles gibt's a App." Die Jugend fordert er auf: "Nimm die Griffl weg vom Touchscreen und lang wos o, wos wirklich wos bringt!" Was braucht "der Weiherer" selbst? "Freiheit, Wahrheit, Hoffnung, Fantasie, Liebe". Ein Abend mit Nachhall, auch über die Zugaben hinaus.
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