Kabarettist Frederic Hormuth erklärt bei der "Futura" Politik so, dass sogar Akademiker darüber ...
Wut als erneuerbare Energieform

Kultur
Windischeschenbach
24.11.2014
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Ärger ist wichtig und in vielen Situationen durchaus angebracht. Er ist ein hervorragender Energielieferant und schier grenzenlos nachwachsender Rohstoff. Dass man daran aber auch Spaß haben kann, zeigt der Kabarettist Frederic Hormuth in seinem Energie geladenen Programm "Mensch ärgere dich" am Freitag und Samstag auf der "Futura"-Bühne sehr humorvoll und intelligent.

Auch für Blondinen

"Lieber schön geärgert als schön genörgelt", lautet die Devise des Heppenheimers. Ärger befreit, im Gegensatz zum Nörgeln, der Billigdroge unter den Meinungsforschern. Grund zum Ärgern gibt es in der Welt der Politik und Moderne allemal. Nach drei Testpointen (darunter "Das Spielerische liegt uns so gut wie dem Salafisten die gemischte Sauna") legt er richtig los. Dabei versteht er es, Politik so zu erklären, dass sie auch Blondinen verstehen und sogar Akademiker darüber lachen können: Witzig, ironisch, leidenschaftlich und teils bitterböse.

Warum wird der Bahnstreik in der Presse so aufgebauscht, wo nur acht Prozent des Verkehrs auf der Schiene stattfinden und somit 92 Prozent gar nicht davon betroffen sind? Warum muss eine Ursula von der Leyen (... das muss es jetzt sein mit dem Fachkräftemangel") die Bundeswehr familienfreundlicher zu Kompanien von Tagesmüttern umgestalten? Gilt man schon als Bio-Nazi wenn man rechtsdrehenden Joghurt kauft oder warum versucht ein Thomas Gottschalk, der "Blondierschaden auf zwei Beinen" in der Polit-Talkshow von Günther Jauch Politik zu erklären?

Erfreulich scharfe Ecken

Gründe zur Ärgernis hat Hormuth genügend zu bieten. Inkompetenz und Wirtschaftswissenschaft, soziale Ungleichheit und islamischer Extremismus, die EU und Blutdrucklangzeitmessung: Immer wieder kann sich der augenzwinkernde Schalk mit erfreulich scharfen Ecken und Kanten mit großer Erzählkunst herrlich in Rage ärgern. Um eine Explosion zu verhindern, haut er am Höhepunkt grobmotorisch auf den roten Alarmknopf, den Buzzer, und hat gemeinsam mit dem Publikum Freude am befreienden Rabatz. Ärger arbeitet der sympathische Kabarettist mit großer Mimik auch in einer Art musiktherapeutischer Sitzung auf. Was fehlt, ist nur der Stuhlkreis. In leidenschaftlich-ironischen Songs stellt er Gemeinsamkeiten in der Altenpflege und der Außenhandelsbilanz fest ("Unsere Oma kommt ins Pflegeheim nach Thailand") oder formuliert Dinge, die ihn auf die Palme bringen in "Du bist so dumm, dass es brummt". Dabei brilliert er nicht nur als guter Sänger sondern auch als glänzender Pianist.

Gnadenlos deckt Hormuth in seinem Programm auf, was faul ist im Staat Deutschland und der modernen Gesellschaft. Die Kanzlerin ("das Alternativloseste das wir haben") oder das Internetforum, in dem per Mausklick der Regenwald gerettet werden kann. Die Materie, die sich beim Beobachten zurück zieht bis wir irgendwann nur mehr körperlose Wesen sind, oder das Lied mit den Wahlkampfslogans: Hormuth packt die Dinge beim Schopf.

Seine Tiefschläge sind derart humorvoll und intelligent verpackt, dass es einfach Spaß macht, ihnen zuzuhören. Am Ende bekommt er den verdienten, großen Applaus und bedankt sich beim Publikum mit der musikalischen Nonsens-Zugabe und Forderung: "Honigbrot für alle".
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