Kabarettistin Luise Kinseher mit neuem Programm
"Ruhe bewahren" rät "Mama Bavaria"

Auch im Schlafrock macht Luise Kinseher eine gute Figur. Am Samstag feierte sie auf der Futura-Bühne eine gelungene Vorpremiere ihres neuen Programms. Bild: Prem
Kultur
Windischeschenbach
29.09.2014
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Brauchen wir den kollektiven Evolutionssprung um noch mit allen Entwicklungen mithalten zu können? Immerhin dauerte es vier Millionen Jahre vom Feuer zur Bulthaup-Küche. Diesen Fragen ging die Kabarettistin Luise Kinseher in ihrem brandneuen Programm nach.

Bis der Augenblick im Kopf ankommt, ist er auch schon wieder vorbei und um überhaupt mit allem mitzukommen, braucht die Menschheit unbedingt einen kollektiven Evolutionssprung. Da gibt es nur eins: Ruhe bewahren. Mit der Vorpremiere ihres gleichnamigen neuen Programms begeistert am Samstag die Münchener Kabarettikone und Schauspielerin Luise Kinseher das Futura-Publikum restlos.

Da ist dann auch noch das Problem mit ihrer barocken Erotik, die die 45-Jährige "Mama Bavaria" im engen schwarzen Kleid bewusst ins Spiel bringt und die den Herrn in der zweiten Reihe nicht einschlafen lässt. Ihr Rat: "Ruhe bewahren!". Es sollte ja ein unkomplizierter, lockerer und stressfreier Abend werden. Den gönnt sie auch einem Tennis spielenden Ehepaar aus Amberg. "Allerdings sinkt beim Sport die Libido und dann setzt bei Stress auch nur noch die Reptilienfunktion im Gehirn ein: Laufen, schwitzen, Kreislauf, Herzinfarkt".

Hinter ihrer äußerlich dominierenden Weiblichkeit lässt sie aber auch immer wieder ihre Geistesschärfe aufblitzen, die ebenso wie ihr großes schauspielerisches und komödiantisches Können zum Programm gehören. Dort wo es keiner Worte bedarf genügt ihre Mimik und der Blick, mit dem sie so manchen Zuhörer ins Visier nimmt. Ein gutes Kabarettprogramm ist für sie, wenn das Publikum lachen kann und das konnte es reichlich. Wie ein roter Faden zieht sich ein erwarteter Handy-Anruf ihres Märchenprinzen durchs Programm. Ihn hatte sie im Fahrstuhl kennengelernt. Er war vielleicht Gallerist in New York oder auch nur ein verheirateter, rechtsradikaler Waffenhändler. Je nach ihrer Stimmungslage, die sich häufig ändert.

Potenzial und Talent

Die Kabarettistin begnügt sich auch nicht mit einer Rolle, sondern wechselt rasant vom charmanten Landei aus dem niederbayerischen Geiselhöring, zur verhärmten Helga Freese im grauen Regenmantel der Freudlosigkeit, oder zur Alkoholikerin im bunten Morgenmantel, die mit schwerem Zungenschlag versucht, die Quantenphysik zu erklären: "Alles relativ relativ". Dabei wirft die aus Fernsehserien wie "Anwalt Abel", "Café Meineid" und "München 7" bekannte Vollblutschauspielerin ihr großes Potenzial und Talent in den Ring und deckt bei ihren Protagonisten so manche Seltsamkeit und Marotte auf.

Ihre Stärken sind ihre Schlagfertigkeit und das lockere Plaudern mit dem Publikum. Natürlich darf auch ein kurzes Abdriften in die Welt der Politik nicht fehlen: Wieso ist Angela Merkl so wie sie ist? Da liegt die Vermutung nahe, dass alle Emotionskiller in Tablettenform einnehmen, nur Horst Seehofer nicht: Der kifft. Söder wird niemals bayerischer Ministerpräsident, weil sie sich alles, was nicht sein darf, einfach wie im Ausschlussverfahren vorstellt. Zum Schluss taucht sie nach dem kollektiven Evolutionssprung in Parallelwelten ab, in denen nichts gesagt wird und Söder Kindergärtner ist.

Luise Kinseher bekommt großen Applaus für ein Programm mit besonderem Unterhaltungswert und einer gelungenen Mischung aus kabarettistischer und schauspielerischer Leistung mit krachendem Humor. Sie ist am Ende auch voll des Lobes für das Windischeschenbacher Publikum. Hier kommt sie immer wieder gerne her, auch wenn sie sich in einem "Garderobenschrank" umziehen muss. Und das bei der barocken Weiblichkeit, die "Mama Bavaria" zweifelsohne aufweist. Da gilt: "Ruhe bewahren!"
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