Kabarettistische Offenbarung von Lutz Rosenberg Lipinsky begeistert Publikum der Futura in ...
Von Adam und Eva bis Cindy aus Marzahn

Mit seinem aktuellen Bühnenprogramm "Angst macht Spaß" begeistert der Hamburger Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky das Publikum auf der Kleinkunstbühne der Futura87. Bild: Prem
Kultur
Windischeschenbach
05.10.2016
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Angst isst nach Rainer Werner Fassbinder nicht nur die Seele auf. Im Gegenteil: Angst kann auch Spaß machen. Dem, der über sie spricht und denen, die ihm dabei zuhören. Dies erklärt der Hamburger Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky höchst intelligent und humorvoll dem Futura-Publikum in seinem aktuellen Programm.

"Es liegt vor allem daran, dass wir Deutsche ein Volk von Pessimisten und Meckerern sind und einfach keinen Humor haben." Alles werde schlecht geredet mit der typischen "Na-habe-ich-doch-gleich-gesagt-Mentalität". "Der Deutsche meckert morgens, wenn er aufwacht. Und warum? Weil er aufgewacht ist", beklagt der Kabarettist.Was fehle sei Lockerheit und Optimismus.

"Durch unseren Pessimismus erzeugen wir vorschnell Weltuntergangsstimmung, so wie es 2012 Roland Emmerich getan hat." Immerhin habe sich die Prophezeiung des mittelamerikanischen Stammes kleinwüchsiger Architekten, der Mayas, nicht erfüllt, dass am 21. Dezember vor vier Jahren die Welt untergehen sollte.

"Während sich die Menschen in ganz Europa die Frage stellen, "wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was trinken wir dabei, machen wir Deutschen nicht mit, weil wir zu pessimistisch sind." Ob Lebensmittelskandal als Strafe für die Emanzipation, Angst vor Machtverlust und Fremden, Finanzkrise, sinkende Geburtenrate, Norovirus oder verfehlte Familienpolitik: Der Kabarettist macht viele Baustellen in der Mentalität der Deutschen aus. So wie Stuttgart 21, die Elbphilharmonie oder den Berliner Flughafen, der nachts nur deshalb angestrahlt wird, weil sie den Lichtschalter zum Ausknipsen nicht finden.

"Angst macht Spaß"


Der Hamburger spannt wortwitzig, humorvoll und sehr intelligent den Bogen von unseren persönlichen Sorgen und Nöten über Politik, Kultur und Fußball bis hin zur Religion. Sein Fazit: "Angst macht Spaß, wenn sich die eigenen negativen Erwartungshaltungen erfüllen". Für ihn ist Angst ein zivilisatorisches Gefühl aus Tagen, als der Mensch noch nicht an der Spitze der Nahrungskette stand. Amüsant erklärt der studierte Theologe die Bibel, den Beginn mit Adam und Eva bis zur Sintflut, die für die Jüngeren eine Art "analoger Shitstorm" ist. Noah ist für ihn der "Horst Seehofer des Alten Testaments".

"Der brauchte auch zwei Frauen für seine Kinder". Er könnte heute aufgrund seiner nautischen Fähigkeiten jederzeit bei Costa anheuern. Mit einer Pastorentochter an der Spitze und einem Pastor als Bundespräsident könnte man fast von einem Gottesstaat auf europäischem Boden sprechen, errichtet ganz ohne Blutvergießen. Das Thema geht Lipinsky mal süffisant und spöttisch, dann wieder bitterböse, zynisch mit teils derben Pointen an. Vielfach sind diese brillant formuliert, hintersinnig und geradezu sezierend als Resultat entlarvender Beobachtungsgabe.

Weiße Tennissocken


Auf jeden Fall hat das Publikum jede Menge zu Lachen, aber auch zum Nachdenken: Was werden die Archäologen einst über uns denken, wenn wir ausgestorben sind und sie Bilder von Cindy aus Marzahn finden? Sein Patentrezept gegen Angst: Konfrontationstherapie. Wenn du Angst vor Fremden hast, versetze dich in die Lage der Gastgeber in den Urlaubsländern, wenn der Deutsche dort in kurzen Hosen und weißen Tennissocken aufmarschiert.
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