Kabarettistischer Rundumschlag mit Martina Brandl auf der Kleinkunstbühne in Windischeschenbach
Die Mütze macht's

Als "Kabarettistin mit der Mütze" wird Martina Brandl in Windischeschenbach in Erinnerung bleiben. Bild: Stiegler
Kultur
Windischeschenbach
09.11.2015
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Es hätte auch die "Zuchtbullenversteigerung" sein können, für die sie angefragt worden ist. Glücklicherweise ist Martina Brandl am Wochenende mit ihrem Programm "Irgendwas mit Sex" aber im "Musentempel" der Futura in Windischeschenbach gelandet - gelegentlich gewinnt man als Zuschauer jedoch den Eindruck, dass sie lieber ganz wo anders wäre.

"Über Sex redet man nicht. Man hat ihn." Damit wäre eigentlich alles gesagt und man könnte nach zwei Minuten Programm wieder nach Hause gehen. Brandl hat am Freitag und Samstag bei der Futura aber schon noch mehr zu bieten - das Thema Sex verliert sie dabei nie ganz aus den Augen. Ganz wichtig ist ihr das "Alleinstellungsmerkmal", an dem sie als Bühnenfrau erkannt wird - denn ihr Name, meint Brandl selbstkritisch, wird es wohl nicht unbedingt sein. Also muss eine besondere graue Mütze her, unter der die fülligen blonden Haare in der ersten Programmhälfte Platz finden.

Markenzeichen am Kopf

Es gibt so viele Menschen, die durch ihre Kopfbedeckung erkannt werden - von den Mitgliedern des Ku-Klux-Klans über den Pontifex bis hin zum Sänger von den "Scorpions". Und nun eben auch noch die Kabarettistin mit der Mütze. Brandl findet treffende Worte, wenn sie sich beispielsweise der "Wettkampf-Gesellschaft" annimmt. Für alles und jeden kann man heutzutage voten, vom Supermodel über den Dschungelkönig bis hin zum Superstar. Oder man nimmt an irrsinnigen Telefon-Abstimmungen teil, um die besten Komponisten oder andere überflüssige "Besten"-Listen aufzustellen - und dafür 50 Cent pro Anruf zu bezahlen. "Aber 40 Prozent der Deutschen gehen nicht zur Bundestagswahl, obwohl sie nichts kostet", spottet Brandl. Mit dem "Unterschichtenfernsehen" hat es die Kabarettistin gar nicht. Doch auch beim "Qualitätsfernsehen" kommt sie ins Grübeln: "17,50 Euro - das ist eigentlich zu viel". Und für Markus Lanz sollte man eh noch zehn Euro zurückbekommen.

In ihrem Programm kommt Brandl nicht am männlichen Geschlecht vorbei. Mit einer großen Hingabe widmet sie sich gesanglich jenem Reiner, der sich in ihr Herz geputzt hat und sicherlich auch einmal ihren Grabstein liebevoll pflegen wird. Dafür bleiben allerdings sonstige Wallungen auf der Strecke. Dafür gibt es ja aber den Jüngling in einer der hinteren Reihen, der sich vielleicht das T-Shirt vom Leib reißt und völlig ekstatisch ruft: "Martina, ich will ein Kind von dir!". Das Saal-Licht holt sie aber auf den Boden der Tatsachen zurück und lässt sie erkennen, dass sie schon froh ist, wenn er nicht schreit: "Martina, ich bin ein Kind von dir!". Auf einen "roten Faden" hat Brandl in ihrem Programm verzichtet - eine Entscheidung, die nicht immer glücklich ist. So schwadroniert sie über den Beauty-Wahn und extrem lange Fingernägel, sie spottet über "Selfie"-Stangen und Food-Pornographie und versetzt sich in die Rolle der schwäbischen Abiturientin Soraya Kimberly, die ein anstrengendes Leben führt zwischen Abiparty, Abifest, Abigala und Abielternfeier.

Finger eingeklemmt

Eine Zeitlang wird am Samstag auch Brandls Finger, den sie sich in den Mikroständer einklemmt, unfreiwillig zum Mittelpunkt des Programms. Das Kühlpad ist nun regelmäßiger Begleiter, wenn schon in diesem Moment kein Arzt aufgesucht werden kann. Ob es nur daran liegt, dass sie etwas fahriger und dünnhäutiger wird auf der Bühne, ist eigentlich einerlei: Der Auftritt verliert deutlich an Tempo, auch mancher politischen Einschätzung würde etwas mehr Schärfe gut tun. Aber glücklicherweise gipfelt das Programm in einer fulminanten Zugabe zur Melodie von "Don't Cry For Me Argentina", bei der Brandl mit todernstem Gesichtsausdruck singt: "Schenk' mir nie mehr Auberginen".
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