Katholischer Frauenbund will mit Vorurteilen gegen gebrauchte Kleidung aufräumen
Second Hand, na und?

Mode à la Kleiderstüberl: Hätten Sie es erkannt? Miriam (von links) schlüpfte in ein schwarzes enges Jerseykleid mit schwarzem Spitzeneinsatz. Sebastian suchte sich einen grauen Anzug einschließlich Hemd und Krawatte aus. Karin macht im eleganten schwarzen Kostüm eine gute Figur, und Susi könnte mit diesem Cocktailkleidchen auf jeden Schwarz-Weiß-Ball gehen. Bild: mic
Kultur
Windischeschenbach
07.03.2015
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Bei Kinderkleidung schämt sich niemand. Auch Mütter, die nicht aufs Geld schauen müssen, haben Spaß daran, auf einem Basar nach Schnäppchen zu wühlen. Doch selbst in Second-Hand-Klamotten schlüpfen? Nein, danke!

"Wenn es um das eigene Outfit geht, können sich viele nicht damit anfreunden, Gebrauchtes zu tragen." Monika Hartmann kennt die Vorurteile. Sie und ihr Team vom Katholischen Frauenbund betreuen seit Februar 2011 das Kleiderstüberl im Pfarrheim St. Emmeram. "Vor allem am Anfang war die Hemmschwelle groß", erinnert sich die 52-jährige, die seit einem Jahr auch für die CSU im Stadtrat sitzt. "Viele haben sich einfach nicht getraut, zu uns zu kommen." Erst nach dem Pfarrfest 2011 wurde es besser. "An diesem Tag haben auch viele Leute etwas mitgenommen."

Finanziell schlechter gestellten Familien unter die Arme greifen

"Der Grundgedanke war, finanziell schlechter gestellten Familien unter die Arme zu greifen", erinnert sich die Stüberl-Chefin. Zusammen mit Evi Ziegler, der früheren Leiterin des Katholischen Frauenbundes, machte sie sich damals an die Umsetzung der Idee. "Wir haben alles zusammengetragen, was wir auftreiben konnten, vom Kleiderbügel bis zur Vitrine", erzählt Hartmann. Neben den beiden Frauen engagieren sich Inge Schieder, Christine Rupprecht und Karin Heining-Weidner für den guten Zweck. Jeder, der Lust und Laune hat, darf im Kleiderstüberl stöbern, probieren und etwas kaufen. Egal, wo er herkommt oder wie viel Geld er hat. Der Raum im Keller des Pfarrheims ist proppenvoll. Dicht gedrängt hängen Hosen, Jacken, Kleider und Pullis an den Ständern.

Kein Ramsch

Von wegen alter Ramsch. Wer geduldig sucht, wird auch fündig. Damen- und Herrenkleidung in sämtlichen Größen, Kindersachen von 50 bis 176, Handtaschen, Schmuck, Bettwäsche und vieles mehr sind im Angebot. "Wir haben Marken wie Gerry Weber, Taifun, Street One, Esprit, S. Oliver oder More and More", erzählt das engagierte Frauenbund-Mitglied. Allerdings jedes Teil nur einmal. "Gibt es das auch in einer anderen Größe?", sei eine beliebte Frage. "Doch wir sind kein Einzelhandelsgeschäft", schmunzelt Hartmann.

Keine Sorge um Nachschub

Um Nachschub muss sich das Stüberl-Team nicht sorgen. "Viele Leute trennen sich leichter von guten Kleidungsstücken, wenn sie wissen, dass jemand anderes sie noch brauchen kann." An manchen Sachen sei sogar noch das Preisschild dran. Ware, die weniger gut erhalten ist, geht an Kolping zugunsten der Mission. Große Umsätze lassen sich mit dem Kleiberstüberl nicht machen. Von den Einnahmen versucht der Katholische Frauenbund etwas Gutes zu tun. "Wir haben zum Beispiel Blumenschmuck für die beiden Kirchen gespendet oder einen Zoiglnachmittag im Seniorenheim organisiert", erzählt Hartmann.

Stolz auf Sozialpreis

Der Landkreis hat dieses Engagement 2014 mit dem Sozialpreis dotiert. "Darauf sind wir natürlich sehr stolz." Geöffnet hat das Kleiderstüberl jeden ersten Mittwoch im Monat von 14 bis 17 Uhr und jeden dritten Mittwoch von 9 bis 12 Uhr.
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