Kinderhaus Heilig-Geist Neuhaus in Windischeschenbach ist ausgebucht
Wer darf bleiben?

24 Krippenkinder werden zurzeit im Kinderhaus Heilig-Geist Neuhaus (Bild) betreut. Um ab September 2015 alle Neuanmeldungen unterzubringen, müssten einige Zweijährige an den Kindergarten St. Emmeram wechseln. Den Eltern gefällt das gar nicht. Bild: ab
Kultur
Windischeschenbach
28.02.2015
195
0

Das Kinderhaus Heilig-Geist Neuhaus platzt aus allen Nähten. Die 24 Krippenplätze sind ausgebucht. Klingt gut, sollte man meinen, doch bei den Eltern der Krippenkinder liegen die Nerven blank.

Ein Info-Brief, unterschrieben von Pfarrer Hubert Bartel und Bürgermeister Karlheinz Budnik, bringt die Mütter und Väter auf die Palme. In dem Schreiben werden die Eltern gebeten, über einen Wechsel vom Kinderhaus Heilig-Geist Neuhaus in den Kindergarten St. Emmeram in Windischeschenbach nachzudenken. Betroffen wären Krippenkinder, die älter als zwei Jahre sind.

Die Kirche als Träger und die Stadt hoffen, auf diese Weise dem Platzbedarf und der großen Nachfrage gerecht zu werden. Überbrückt werden müsste die Zeit von September 2015 bis September 2016. Bis dahin sei das neue Kinderhaus auf dem Schulsportplatz fertig, und dann gebe es im Stadtgebiet insgesamt 48 Krippenplätze. "Sollte sich niemand freiwillig melden, planen wir anhand eines Auswahlverfahrens einen Wechsel", heißt es auf dem Info-Blatt.

Mehr Einfühlungsvermögen

Den Eltern schmeckt dies gar nicht. "Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen", sagt Christian Binner aus Wurz. Seine Tochter, die im März zwei Jahre alt wird, besucht seit ein paar Monaten die Neuhauser Krippe. "Es geht hier nicht um einen Parkplatz, sondern um einen Kindergartenplatz", ärgert sich Binner. "Wir hätten uns in dieser sensiblen Angelegenheit mehr Einfühlungsvermögen und Dialogbereitschaft von den Entscheidungsträgern erwartet." Beim ersten Lesen der Mitteilung habe er gedacht: "Wenn wir Pech haben, fliegen wir aus dem Kinderhaus raus."

Pfarrer Bartel kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. "Da ist sehr viel Stimmungsmache dabei, obwohl noch gar nichts entschieden ist", beschwichtigt er. Dies soll auch nicht hoppla-hopp geschehen. "Wenn wir ein paar Freiwillige finden, hat sich das Thema erledigt." Außerdem soll genau geprüft werden, wem ein Wechsel zuzumuten sei und wem nicht. "Wenn Leute ihr Kind nicht mit dem Auto fahren können, dürfen sie natürlich in Neuhaus bleiben."

Doch nicht nur die Eltern aktueller Krippenkinder sind verunsichert. Auch Katja Stessmann aus Windischeschenbach wüsste gerne, voran sie ist. Ihre Tochter wird im Oktober 2015 ein Jahr alt. "Wir haben unser Kind in Neuhaus angemeldet, als es drei Monate alt war, aber wir kamen auf Platz 17 der Warteliste. Das sind Münchner Verhältnisse." Die Stessmanns überlegen, ihre Tochter in Weiden bei den "Klinikzwergen", der Krippe des Klinikums, unterzubringen. "Aber ein Platz am Ort wäre uns schon lieber."

5 bis 10 Kinder

Wie viele Mädchen und Buben betroffen wären, lässt sich nicht genau sagen. "Wir schätzen 5 bis 10 Kinder", sagt Norbert Duckarm von der Caritas in Regensburg, der sowohl Geschäftsführer des Kinderhauses Heilig-Geist als auch des Kindergartens St. Emmeram ist. "Es gibt für den Herbst 2015 in Neuhaus viel mehr Anmeldungen als Plätze." Und da der Kindergarten St. Emmeram noch genügend Kapazitäten für Kinder ab 2 Jahren frei hätte, könnte er noch einige aus Neuhaus aufnehmen. "Ich kann die Eltern, die sich aufregen, verstehen", sagt Duckarm. "Vielleicht hätten wir im Herbst 2014 in Neuhaus keine Zweijährigen mehr annehmen dürfen, sondern sie gleich an St. Emmeram verweisen sollen."

Zwei Mütter, deren Kinder ebenfalls in der Neuhauser Krippe untergebracht sind, stellen eine andere Rechnung auf. "Wenn wir richtig gezählt haben, wären nur drei zuviel", sagen die beiden, die lieber anonym bleiben wollen. Das Jugendamt könnte doch diese drei Plätze zusätzlich in Neuhaus genehmigen. Sie würden sich für die Kinder Kontinuität wünschen. Selbst einen Dreijährigen aus seiner gewohnten Umgebung herauszureißen, sei schwierig genug.

Duckarm dagegen befürchtet, dass es nicht mehr möglich ist, den Platz in Neuhaus auszureizen. Auch die Erzieherinnen ließen sich nicht so einfach zwischen den beiden Kindergärten hin- und herschieben. Pfarrer Bartel stehe zwar beiden Kirchenstiftungen vor, dennoch seien es rein rechtlich zwei verschiedene Arbeitgeber. "Wir werden auf jeden Fall auf die Eltern zukommen, bevor eine Entscheidung gefällt wird", verspricht der Geschäftsführer. "Reden hilft immer."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.