Klaus Brückner bei der Futura
Tanzschritte der Seele

Klaus Brückner (links) lässt mit seinem Programm "Hermann Hesse tanzt aus der Reihe" den Dichter von seiner satirischen Seite neu entdecken. Einfühlsam begleitet wird er vom Münchener Musiker und Komponisten Sunyata Kobayashi (rechts). Bild: prh
Kultur
Windischeschenbach
20.03.2016
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Der Schauspieler Klaus Brückner lässt bei der Futura Windischeschenbach den Dichter Hermann Hesse aus der Reihe tanzen

Es war bestimmt nicht einer der "üblichen" Kabarettabende in der Futura. Den haben die Zuhörer auch nicht erwartet. Der Schauspieler Klaus Brückner, begleitet von dem Musiker Sunyata Kobayashi, serviert am Samstagabend literarische Kost, die aber leicht verdaulich und satirisch gewürzt ist. Er lässt mit seinen ausgewählten Gedichten im Programm "Hesse tanzt aus der Reihe" den introvertierten Dichter neu entdecken.

Mit Lederkappen, wie man sie früher in Cabriolets getragen hat, betreten die beiden die Bühne. Sie stammen wahrscheinlich aus der Zeit, in der Hermann Hesse seine über 1500 Gedichte geschrieben hat. Bereits das Eingangslied des Münchener Musikers klingt wie ein Versprechen und unterstreicht die Bedeutung des Abends. "It's time to fall in love". Klaus Brückner, der vor 20 Jahren schon einmal bei der Futura zu Gast war, sagt von sich, er habe seine Liebe zu Hesse schon vor vielen Jahren für sich entdeckt. Er habe alle Gedichte durchgeackert und dabei einen Dichter erfahren, der nicht schön, sondern sich etwas von der Seele schreibe. Hesses Gedichte seien "Tanzschritte der Seele", habe er einmal seinem Sohn gegenüber, erklärt. Darüberhinaus sei Hesse immer seiner inneren Stimme gefolgt, habe sich nicht verbiegen lassen. Dabei sei er natürlich auch angeeckt.

Hesse hatte Humor


Besonders fasziniert hat Brückner die Friedfertigkeit des Dichters. "Er hat immer versucht, die abendländischen und asiatischen Religionen zu versöhnen und war konsequent gegen den Krieg und die Kriegsbegeisterten". Ein solcher sei damals auch sein Kollege Thomas Mann gewesen, dem er das Gedicht, "Missglückter Abend", gewidmet habe. Brückner lernte dabei aber auch einen anderen Hermann Hesse kennen, einen Menschen, der sich selbst und seine Mitmenschen durchaus auch humorvoll auf die Schippe nehmen konnte.

Diese Lyrik teilt der Schauspieler in drei Teile ein. Zunächst stellt er das Leben des Dichters als Mensch, als Feiernder, als Zecher in den Mittelpunkt. Himmelhoch jauchzend gibt er sich dem Trunke hin und tief betrübt beschreibt er seine Katerstimmung am Morgen danach. Dann geht es um die Liebe, in der Hesse, dreimal verheiratet, ebenfalls kein Kostverächter war. "Wollust" beschreibt er ebenso wie "Verführer". Am Ende beschäftigt sich der Schauspieler mit dem Verlöschen, dem Sterben und dem Tod. "Trost" heißt eines seiner Werke. Brückner versteht es, die Sprache des Dichters und die wesentlichen Inhalte seiner Werke, dramaturgisch eindrucksvoll ins Rampenlicht zu setzen. Dafür ist er ein hervorragender Schauspieler. Mal mit verletzter, enttäuschter Stimme ("Missglückter Abend"), mal mit hoffnungsfrohem, fröhlichem Tonfall ("Leicht betrunken") oder mal aufbrausend, drängend und laut.

Musik, die passt


Als einfühlsamer Begleiter erweist sich Sunyata Kobajashi. Aus seinen Kompositionen wählt der Gitarrist und Sänger je nach Stimmungslage die passenden Arrangements aus. "Hesses "Liebeslied" hat er musikalisch neu adaptiert. Er begeistert auch mit einem japanischen Lied und singt anschließend in tiefstem bayerisch von seinem schönen Bayernland, dort, wo er hingehört. Als Zugabe gibt es von ihm ein "Merci" auf französisch und von Brückner das "Sterbelied eines Dichters" sowie die Liebeserklärung Hesses an seine dritte Frau.

Hesse neu entdeckt


Am Ende war es Brückner geglückt, einen etwas anderen Literaten, einen selbstironischen und satirischen, aber auch feinfühligen und weinerlichen neu entdecken zu lassen.
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