Konrad Reischl aus Neuhaus
Ruhepol mit Verantwortung

Konrad Reischl gehört zu den ruhigeren Typen. Bewundernswert ist seine Gelassenheit, die er täglich als alleinerziehender Vater und Vollzeit-Beschäftigter an den Tag legt. Bild: Steinbacher
Kultur
Windischeschenbach
13.08.2015
10
0

Konrad Reischl gehört zu den Menschen, bei denen man sich fragt, ob ihr Tag 48 Stunden hat. Der 53-Jährige leistet Bemerkenswertes. Er arbeitet Vollzeit, kümmert sich um sein Haus und ist alleinerziehender Vater.

Obwohl der Alltag des Neuhausers stark durchgetaktet ist, vermittelt er einen gelassenen Eindruck. Er spricht sachlich und wirkt entspannt. Dabei hat es der Maler alles andere als einfach. Vor vier Jahren trennten sich er und seine Frau. Der elfjährige Sohn wohnt seither bei der Mama, der zwölfjährige beim Papa.

Tag beginnt um 5.30 Uhr

Im ersten Jahr der Trennung lebte seine Ex-Frau mit dem jüngeren Sohn in Berlin. Reischl fuhr mindestens einmal im Monat in die Hauptstadt. Seit drei Jahren lebt die Ex-Frau wieder in der Oberpfalz, was die ganze Sache nicht mehr ganz so kompliziert macht. Ohnehin findet der 53-Jährige aber immer wieder Wege, wenn es um seine Kinder geht.

Reischl steht jeden Tag um 5.30 Uhr auf. Er macht sich für die Arbeit fertig, sein Sohn muss in die Schule. Mittlerweile ist der Zwölfjährige ziemlich selbstständig. Nach der Trennung der Eltern hatte er allerdings Probleme in der Windischeschenbacher Ganztagsschule. Er war oft krank und hatte Trennungsängste. Mittlerweile ist der Bub auf der Mittelschule in Erbendorf. Es läuft besser.

Chef kommt entgegen

Der alleinerziehende Vater kümmert sich um den Haushalt, kocht für sich und seinen Sohn. Oft bleibt ihm nur der Sonntag, um Wäsche zu waschen und zu putzen. Wenn er Feierabend hat, hilft er seinem Jungen mit den Hausaufgaben. Arzttermine legt Reischl so spät wie möglich. Er möchte, dass sein Privatleben und der Job möglichst selten kollidieren. Die Schwiegereltern unterstützen ihn. Haben sie keine Zeit, kommt es aber immer wieder vor, dass er von der Arbeit Zuhause bleiben muss.

Sein Chef Heinrich Popp kommt Reischl sehr entgegen. Ist der Junge krank, und der Vater hat niemanden, der auf ihn aufpasst, bleibt der 53-Jährige eben daheim. Für diese unbürokratische Vorgehensweise hat der Malerbetrieb den dritten Platz beim Johanna-Frank-Preis (Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten) erhalten, der Firmen Familienfreundlichkeit bescheinigt. Bis Pfingsten arbeiteten im Sechs-Mann-Betrieb sogar zwei alleinerziehende Väter. Einer war Popps Bruder, der jedoch vor kurzem starb.

Chef setzt auf Kommunikation

Darüber, dass Reischl immer mal wieder in der Arbeit fehlt, sagt Popp: "Man muss eben flexibel sein." Eigentlich sei sein Betrieb zu klein für so etwas. "Mit 15 Mann tue ich mich leichter." Der Chef setzt allerdings auf Kommunikation, das funktioniert. Denn der Kunde muss bedient werden, ob nun Arbeiter ausfallen, oder nicht. Weil Popp aber immer offen über die Dinge spreche, habe er bisher noch kein schlechtes Feedback erhalten.

Reischl ist vor drei Jahren arbeitslos geworden. Der Malerbetrieb, für den er tätig war, schloss. Popp bot ihm einen Job an. Beide kennen sich schon lange. Der Chef schätzt an seinem Freund und Arbeitnehmer vor allem seine ruhige Art. Für Reischl selbst gibt es zwei Ruhepole. Der eine beginnt um 21 Uhr, wenn er sich Zeit für sich selbst nimmt und auf der Terrasse entspannt und Zeitung liest. Den anderen findet er jeden Freitag, wenn er mit seinem Sohn bei den "Neuhauser Boum" Musik spielt - der Vater Saxofon und der Junge Schlagzeug.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.