Kuschelrock und Fliesendelfine

Nepo Fitz absolvierte in Windischeschenbach einen energiegeladenen Auftritt. Auf der Futura-Bühne präsentierte er sein "Brunftzeit"-Programm. Bild: stg
Kultur
Windischeschenbach
22.09.2015
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Die Reihenhaus-Siedlung ist nichts für ihn, da bekommt er Zustände und wird zum "Outlaw". Und ganz nebenbei gibt Nepo Fitz bei seinem Auftritt auf der Futura-Bühne auch wertvolle Tipps, wie man den "kleinen Nazi" in sich bekämpft.

"Brünftig oder nicht brünftig?" Das ist am Freitagabend die Frage, die Nepo Fitz aufwirft. Shakespeare wird es ihm verzeihen, dass Fitz ihm dieses Wortspiel geklaut hat. Mit dem Programm "Brunftzeit - Wildwechsel & Liebestaumel" beweist der 34-Jährige bei der Futura erneut, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Kabarettist und Musiker ist, sondern auch dem Namen der Künstlerfamilie Fitz alle Ehre macht.

Fitz steht nicht nur auf der Bühne, er lebt sich dort aus: Redet, schreit, brüllt, hüpft, wirft sich auf die Knie. Immer wieder bezieht er auch das Publikum mit ein, besonders die 1. Reihe muss für manchen Spruch herhalten. Es sind Alltagsgeschichten, die Fitz erzählt, natürlich entsprechend überzeichnet, aber doch immer mit einem echten, harten Kern. Zum Beispiel ist da das Leben in der Reihenhaus-Siedlung, irgendwo zwischen "Kuschelrock und Fliesendelfinen".

Der "Schweigefuchs"

Nicht fehlen darf der Besuch des Feng-Shui-Beraters, der nicht nur die passende Gestaltung für die richtige Energie empfiehlt, sondern auch gleich noch auf brüllend komische Art und Weise den "Schweigefuchs" dem Publikum nahebringt. Ironisch, zynisch, polternd, gepaart mit einer großen Portion Tiefsinnigkeit, nimmt sich Fitz der selbst ernannten Siedlungs-Cowboys mit Blockwartmentalität an, die für Ruhe und Ordnung im Reihenhaus-Quartier sorgen - dort, wo der Rasen genau auf drei Millimeter Höhe gemäht wird und wo jeder Mensch letztlich dem anderen gleicht.

So schnell landet der "brünftige" Mann also dort, wo er Gartenzwerge poliert, mit Leidenschaft den Müll trennt und die Hecke akkurat ohne Höhenversatz schneidet. Und irgendwann tut der Mensch dann alles, um sich seine "Rama"-Idylle zu erhalten.

Fitz sinniert über die Partnersuche im Internet ("Da kann man sich einen Partner aussuchen wie im Tierheim einen Hund"), fliegende Aschenbecher, die zu einer richtigen Beziehung dazugehören, Urlaubsfahrten mit dem "Mumienschlepper" MS-Europa und auch über Liebesbriefe, die man liebend gerne auf Rechtschreibung korrigiert zurückschicken möchte.

Aus seiner Herkunft macht Nepo Fitz kein Geheimnis, entsprechend erkläre sich auch seine Meinung zu allem "Konservativen": "Das kannte ich nur aus Märchen und Schauergeschichten!" Verstört seien bereits die Eltern seiner Kindergartenfreunde gewesen, wenn er die emanzipatorischen Gesänge seiner Mutter Lisa Fitz angestimmt habe.

Immer wieder streut Fitz rockige Hymnen und gefühlvolle Liebeslieder am Klavier ein - und klärt dabei auch über den Vorteil amerikanischer Liebeslieder auf, die so ganz anders seien, als deutsche Liebeslieder, die mit einem "Pro-Familie"-Blick vorgetragen würden. Und dennoch: Niemand ist vor der Liebe gefeilt - da werden dann SMS-Epen Faust'schen Ausmaßes getippt und der "Bayerische Lebensplan" wird eingehalten, der unter anderem "Ausbildung, Heirat, Kinderkriegen und Hausbau" beinhaltet.

Schwärzeste Nummer

Einen Höhepunkt des Programms widmet Fitz all den "kleinen Nazis" und Rechtsradikalen, die sich gelegentlich "überdemokratisiert" fühlen: Mit einem furiosen "Highspeed Hitlering" bietet der Kabarettist ein "Anti-Gewalt-Training" der kreativen Art an, das Adolf Hitler im Zeitraffertempo wie einen tanzenden Derwisch über die Bühne schickt: Sieht nicht nur lustig aus, sondern ist auch die "schwärzeste" Nummern an diesem durch und durch gelungenen Kabarett-Abend.
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