Lolita Nonnenmacher erinnert sich an die Glanztage des "Atlantis" in Windischeschenbach
Zeitreise nach "Atlantis"

Der junge Thomas Gottschalk war Ende der 70er Jahre als Moderator der Bayern-3-Sendung "Pop nach Acht" bekannt. Im "Atlantis" legte er mehrmals auf. Bilder: Ilse Hauer (4)
Kultur
Windischeschenbach
06.02.2015
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Lolita Nonnenmacher kann sich noch ganz genau an den ersten Tag erinnern: "Das war im September 1978 zur Kirwa." Auf der Bühne im "Atlantis" stand Schlagersänger Jürgen Drews und sang "Ein Bett im Kornfeld".

Viele Windischeschenbacher denken gerne an die alten Zeiten zurück, in denen an fast jedem Wochenende Stars in der Discothek in der Bahnhofsstraße zu Gast waren. "Mein Gott waren wir damals noch jung." Lolita Nonnemacher kann es kaum glauben, als sie sich alte Bilder ansieht. Die 71-Jährige arbeitete von Anfang an als Bedienung im "Atlantis". "Schön war's", schwärmt sie immer noch. Wer Ende der 1970er Jahre ins "Atlantis" ging, hat heute die 50 schon überschritten. Auch am damaligen Geschäftsführer Siegfried Schäffler (52) und an Discobesitzer Manfred Bittermann (66) ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Keiner der beiden verdient sein Geld noch im Nachtleben, doch auch Schäffler und Bittermann schwelgen in Erinnerungen, wenn sie zurückdenken. Eine Discotheken-Kette hat 1978 das "Atlantis" eröffnet. Der gebürtige Oberfranke betrieb zu jener Zeit die Disco "Marco Polo" in Marktredwitz. Als er 1979, ein halbes Jahr nach der Eröffnung, gefragt wird, ob er das Lokal in Windischeschenbach übernehmen möchte, sagt er zu.

"Baby come back"

"So viel weiß ich nicht mehr", wert er zunächst ab. Doch dann sprudelt es aus ihm nur so raus. "Ich habe die Stars damals über Hamburg oder direkt in England gebucht." Die Liste ist lang. Auf der Bühne standen die britische Popband The Equals ("Baby Come Back"), The Eruptions ("One Way Ticket"), Arabesc ("Friday Night"), The Tremeloes ("Silence ist Golden"), The Marmalades ("Obladi Oblada") oder The Searchers ("Needles and Pins"). "Viele davon waren Weltstars, die ihre besten Zeiten allerdings in den 60er Jahren hatten." Deshalb seien die Gagen auch bezahlbar gewesen. Ilse Hauer (55), heute freie Mitarbeiterin unserer Zeitung, fotografierte schon als junges Mädchen gerne. Auch im "Atlantis" hatte sie ihre Kamera oft dabei. Am liebsten waren ihr die Auftritte der Schlagersänger. An Wolfgang Petry erinnert sie sich besonders gerne. "Er war sehr sympathisch. Das Foto mit ihm hängt heute noch bei mir neben dem Schreibtisch", sagt sie schmunzelnd. "Es war wie eine Sucht, ins Atlantis zu gehen. Einmal in der Woche musste das einfach sein."

Viele der Interpreten, die in den 70er und 80er Jahren den Weg nach Windischeschenbach fanden, sind heute noch bekannt. Die Gruppe "Relax" schmachtete "A weißes Blattl Papier", Roland Kaiser eroberte mit seinem Song "Santa Maria" die Herzen der Mädchen, und unvergessen wird Chansonsängerin Margot Werner ("So ein Mann") bleiben, die im Juli 2012 in München verstarb. Am meisten Eindruck haben bei Bittermann die Zaubershows hinterlassen. "Hans Moretti war Weltmeister der Illusionisten und trat sogar in Monaco auf - und bei uns." Auch Hypnoseweltmeier "Cally" kam beim Publikum gut an. Thomas Gottschalk, der damals schon "Pop nach Acht" auf Bayern 3 modierte, legte mehrmals im "Atlantis" auf. "Den kannte ich von früher, von meiner Zeit in Kulmbach", erzählt Bittermann.

1000 Besucher am Abend

"Das war unser Leben damals", sagte Bittermann ein wenig wehmütig. An die 1000 Besucher strömten am Abend ins "Atlantis". "Im Durchlauf vielleicht sogar 2000", schätzt Siegfried Schäffler. Er hat 1978 als Theker in der Discothek angefangen. "Er war der Jüngste", erinnerte sich Lolita Nonnenmacher. In den 80er Jahren steig er dann zum Geschäftsführer auf. Im "Atlantis" tummelten sich Gäste aus allen Schichten. "Viele Mädels, Geschäftsleute, die Fußballer", zählt Bittermann auf. "Zum Bürgermeister Kurt Döllinger hatten wir ein gutes Verhältnis". Auch Rabauken machten den Verantwortlichen das Leben schwer. "Wir mussten so manche Schlägerei schlichten", erinnert sich der Besitzer.

Treffen organisiert

Mit einem Club, wie ihn die jungen Leute heutzutage kennen, hatte das "Atlantis" nichts gemein. Die Wände waren mit braunem Teppichboden verkleidet. Es gab viele Nischen mit grün gepolsterten Bänken, die Bar aus dunklem Holz war verschachtelt, und von einer Galerie im ersten Stock ließ sich das Geschehen auf der Tanzfläche beobachten. Die Bühne war in der Anfangszeit sehr weit oben, etwa zwei Meter über dem Boden. Jürgens Drews sei von dort während eines Auftritts einmal herunter gesprungen, erinnert sich Nonnenmacher. Irgendjemand habe ihm gesteckt, sein Auto sei nicht versperrt. Als 1996 das "Atlantis" schloss, waren viele traurig. "Doch die Zeiten für so eine Discothek waren vorbei", gibt Bittermann zu. Das Team trifft sich allerdings immer noch. Zweimal hat Lolita Nonnenmacher die Truppe schon zusammengetrommelt: Ort für das Wiedersehen war die "Spielkiste", ein Lokal, das vor ein paar Jahren in die Räume der ehemaligen Discothek eingezogen ist.
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