Martin Zingsheim begeistert mit "Opus Meins" das Futura-Publikum in Windischeschenbach
Scharfe Mischung aus Chanson und Kabarett

Der Kölner Kabarettist Martin Zingsheim (links) begeisterte nach 2013 bereits zum zweiten Mal das Futura-Publikum mit seiner modernen und leicht erscheinenden Art des Musikkabaretts. Begleitet wurde er vom hervorragenden Geiger Martin Weber (rechts). Bild: prh
Kultur
Windischeschenbach
30.03.2015
30
0
"Ich bin Martin Zingsheim, Einmeterzweiundneunzig groß, südländischer Typ". Das einzig wahre daran, ist sein Name, der Rest wohl künstlerische Freiheit oder leicht überzeichnet, was des Kabarettisten ureigenste Aufgabe ist. Vom Aussehen und der Körpergröße könnte er wohl eher als unehelicher Sohn von "Simply Red" durchgehen. Er hat auf jeden Fall die Lacher auf seiner Seite und das Gelächter begleitet sein aktuelles Programm "Opus Meins" von Anfang bis zum Ende. Der Kölner hat das Genre zwar nicht neu erfunden, aber sich auf dessen ursprünglichste Form als zeit- und gesellschaftskritisches Kulturgut besonnen. Daraus geformt hat Zingsheim eine neue, zeitgenössische Art des Musikkabaretts. Das Programm besteht aus einer gelungenen Mischung aus Sprach- und Wortwitz und ausgeklügelten Musikstücken. Hinzu kommt eine authentische Bühnenpräsenz, die die Schärfe und bittere Ironie mancher Beiträge sogar sympathisch erscheinen lässt.

Eine Art Kopfkino

Der Künstler widmet sich keinem bestimmten Thema. Er erzeugt eine Art Kopfkino, in dem sich wie in einem Film Szene an Szene reiht. Dabei lässt er die Grenzen zwischen Gesellschaftskritik, Alltag und ein bisschen Politik ineinander fließen. Er hantiert mit Schlagwörtern und Überschriften ("Mann über Bord, Frau überglücklich"), verdreht Gedachtes ins Gegenteil und lässt seine Pointen wirken. Manche brauchen einen Moment, bis das Gehirn sie umsetzen kann und deren Wirkung an das Zwerchfell weiter leitet. Im Plauderton sitzt er am Klavier und thematisiert die Sprache als Problem ("... das hat du fein demacht").

Er beginnt mit dem Balladenblock und kommt dabei zur Erkenntnis, dass eine Beziehung wie eine Entführung abläuft: "Du findest jemanden und isolierst ihn total". Der sympathische Rheinländer serviert stylisches Essen in "Kalles Kürbis-Klitsche" oder lässt die "Höhner" Emanuel Kant vertonen. Zingsheim versucht sich leidlich in der Stand-up-Comedy ("...großes Selbstbewusstsein und wenig Inhalt") und gibt auf Zuruf aus dem Publikum ein Liebeslied über die Windschutzscheibe zum Besten.

Merkels Kochbuch

Im politischen Block singt er über Angela Merkels Kochbuch "Abserviert - Was ich alles in die Pfanne haute" und ironisiert Felix Baumgartners Ansicht einer gemäßigten Diktatur, wo wir nicht einmal eine gemäßigte Demokratie hinbekommen. In einem Medley veralbert er die Hits der 90er und erinnert an längst vergangene Zeiten: "Das Jahr 1968. Seine eigene Meinung sagen. Fand ich super! Hat man mir gesagt". Die 68er seien wie links drehende Joghurtkulturen, man müsse nur daran glauben.

Bei der Zugabe bekennt er, dass er in Windischeschenbach ein Fan des Zoigl-Bieres geworden ist, das er tags zuvor in der Nacht auf einer Brücke unter einem Sonnenschirm bei Regen genossen hat. "Hier würde ich mich zu den "Zoigln Jehovas" bekennen". Zingsheim bringt am Ende einen Klassiker, die Weihnachtsgeschichte: In dem Musical spielen seine Freunde Klaus Kinski, Herbert Grönemeyer, Gerd Rubenbauer, Hermann van Veen, Bushido und Bob Dylan unter der strengen Regie von Marcel Reich-Ranicki die Hauptrollen. Zum Totlachen!
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.