Moses Wolff auf der „Futura“-Bühne in Windischeschenbach etwas zu brav
Die Sorgen eines Manuskripteschreibers

Moses Wolffs Programm in Windischeschenbach war nett anzuschauen, der letzte Funke wollte aber nicht überspringen. (Foto: stg)
Kultur
Windischeschenbach
13.11.2016
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Und irgendwann stehen dann auch der Osterhase, der Weihnachtsmann und Donald Duck auf der Bühne. Es sind jede Menge Besucher, die den Kabarettisten Moses Wolff am Samstag auf der „Futura“-Bühne in Windischeschenbach überraschen. Allesamt ziemlich skurrile Gäste, die Wolff davon abhalten, ein Manuskript für ein abendfüllendes Kabarettprogramm fertigzustellen. So weit die Rahmenhandlung des Programms „In meiner eigenen Wohnung“, mit dem Wolff aktuell unterwegs ist.

In München Kultstatus

In und rund um München genießt der Schauspieler, Krimischreiber und Drehbuchautor mit einem großen Faible fürs Oktoberfest so etwas wie Kultstatus, den er sich in der Oberpfalz erst noch erarbeiten muss. Es ist dann schon passend, wenn Wolff auf der Bühne darüber sinniert, dass er in Windischeschenbach etwas Besonderes präsentieren muss. Schließlich seien das hier ja echte Kabarettexperten und eben keine gewöhnlichen Zuschauer. Mit entsprechend großer Mühe widmet er sich dann seinem Manuskript, das er eben in der titelgebenden eigenen Wohnung verfassen will. Widrige Umstände wie permanente Ablenkungen durch Besuche von nervigen Nachbarn, der betrunkenen Tante und eben des Osterhasen machen dies unmöglich und treiben merkwürdige Blüten.

Die Idee hinter Wolffs Programm ist an sich gut: Gekonnt schlüpft er in die zahlreichen Rollen, porträtiert damit fünf bis sechs Personen gleichzeitig auf der Bühne. Sprache, Mimik und Gestik passt er dabei hervorragend an – ganz gleich, ob als Kokain-Dealer, der die Einrichtung der Drogenberatung wörtlich nimmt und sich dort eine Preistabelle besorgen will, was denn der Stoff so wert sei. Oder als Gammler, der den ganzen Tag zu Hause verbringt, sich nicht bewegt und prophylaktisch mal nach einer Thrombose-Spritze verlangt. Oder als urlaubende „Preißn“, die von einem Einheimischen vorgeführt werden.

Vieles zu brav

Das ist alles recht nett anzuschauen, aber so richtig will der Funke nicht zünden. Vieles kommt eine Spur zu brav daher, feinsinnige Pointen oder gar Biss sucht man in dem Programm meist vergeblich. Gute Ideen bleiben bedauerlicherweise irgendwo auf der Strecke liegen, ganz so, als ob Wolff mit angezogener Handbremse agiert – und so fehlt leider so einiges, was klassisches „Futura“-Kabarett ausmacht. Höhepunkte des Abends sind die Lieder, die Wolff gemeinsam mit seinem herrlich mürrisch dreinblickenden Gitarristen Hans-Peter Krohn anstimmt. Lieder, die dann auch jenen Sprachwitz und Hintersinn haben, die man im restlichen Programm öfter vermisst.

Den Beifall des Publikums gibt es nach zwei gemeinsamen Zugaben für Wolff und Krohn natürlich. Denn es ist ja insgesamt doch ein netter Abend – aber eben auch nicht mehr.
1 Kommentar
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Sebastian Scholl aus Schwandorf | 14.11.2016 | 12:03  
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