Ottfried Fischer am Schafferhof
Prinz Eisenherz und die erste Liebe

Kabarettist Ottfried Fischer fühlte sich am Schafferhof wohl und war in seinem kabarettistischen Element. Bild: stg
Kultur
Windischeschenbach
16.04.2016
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Neuhaus. Reden wir gleich drüber - dann hammas!": Klar, auch Ottfried Fischer kommt am derzeit allgegenwärtigen "Fall Böhmermann" nicht vorbei. Mit dem, was Böhmermann über den türkischen Präsident Erdogan gesagt habe, liege er teilweise schon richtig: " Aber als Kabarettist könnte man das schon feiner sagen."

Es ist ein Abend der gemischten Gefühle: Viele im Publikum kennen Fischer als Sir Quickly aus "Irgendwie und Sowieso", als den "Bullen von Tölz" oder als Moderator von "Ottis Schlachthof". Das ist aber nicht mehr der Fischer von heute: Seine Parkinson-Erkrankung, mit der er offensiv umgeht, hat ihn gezeichnet. Er wirkt schwerfälliger, manche seiner Pointen nuschelt er unverständlich in seinen Drei-Tage-Bart.

Ein Kämpfer


Und dennoch: Da steht einer auf der Bühne, der kämpft, der nicht aufgibt und der noch die Oberhand hat gegenüber seine Krankheit. Der noch jede Menge Energie hat, mit der er aber haushalten muss. Sein Programm heißt "Jetzt noch langsamer", mit ihm auf der Bühne steht Musiker Leo Gmelch, der Tuba- und Posaunenklänge einstreut. Und so ist der "Otti" voll in seinem Element, wenn er am Schafferhof ein "Best of" seines kabarettistischen Schaffens präsentiert. Er beschreibt die "katholischen" Kröten und "evangelischen" Unken, die es im Landbiotop gebe, er berichtet von "rauschbedingten Löschexzessen" der Feuerwehren und er führt auf der Bühne einen "Sitting Sirtaki" auf. Ausführlich widmet er sich den Ausdrücken "Schnäppchen" und "lecker". "Wenn ich dann auch noch die Steigerung superlecker höre, dann kommt mir der Erstkommunion-Kuchen wieder hoch", witzelt Fischer. Es sei nun einmal Fakt, dass es in Bayern nur ein lecker gebe - nämlich das "am Oasch lecka".

Bissige Einwürfe


Der Kabarettist spart auch nicht mit bissigen Einwürfen zu Verfehlungen in Politik und Kirche, er liefert - zwar kurze, dafür aber umso herrlichere - Parodien auf Franz-Josef Strauß, Edmund Stoiber und den ehemaligen Papst Benedikt XVI. Auch biografisches streut Ottfried Fischer ein, wenn er beispielsweise vom "Austragungsort der 1. Liebe" erzählt oder wenn er von den Helden seiner Kindheit wie Ritter Ivanhoe und Prinz Eisenherz berichtet, die er sich in der fernsehlosen Zeit vorgestellt habe. Den "Realitätsschock" hat er bis heute nicht verkraftet: "Warum muss Prinz Eisenherz so ausschauen wie Mireille Mathieu?" Viel Applaus für eine Kämpfernatur.
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