Ruhig, aber kein bisschen brav

Josef Brustmann lässt sich in kein Kabarett-Korsett zwängen. Das kommt an, wie der Erfolg beim Futura-Publikum in Windischeschenbach am Samstagabend zeigte. Bild: Stiegler
Kultur
Windischeschenbach
09.03.2015
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In eine Schublade passt er nicht, da würde er sich auch nicht hineindrängen lassen. Einen "roten Faden" hat er nicht, denn er braucht ihn auch nicht. Am ehesten könnte man Josef Brustmann wohl als Exoten innerhalb der bayerischen Kabarett-Szene charakterisieren.

Auch auf der "Futura"-Bühne in Windischeschenbach macht er am Samstag sein "Ding" und begeistert damit das Publikum. Im Entschleunigen ist Brustmann ein ganz Großer - auch wenn er das wohl selbst nicht von sich sagen würde. In einem Betrieb, der oftmals immer nach dem nächsten Schenkelklopfer lechzt, geht er es ruhig und fast schon gemütlich an.

Er, Oberbayer wie Franz-Josef Strauß, Hans-Jochen Vogel und Edmund Stoiber, und damit beheimatet im "Mausoleum der gescheiterten Kanzlerkandidaten". Brustmann sinniert über extreme Klimaschwankungen, die keine Zeit mehr lassen für "Übergangsmäntel", über das "scheinheilige Watschngesicht" Heinzi, der damals das Casting für die Zwieback-Packung gewonnen hat, oder über Frauen, die "spüren", dass das Licht im Kühlschrank nicht ausgeht. Von sich selbst zeichnet er das Bild des heroisch-nackten Adonis, der die selbst dort versteckte Kröte aus dem Schlafzimmer entfernt, um den Hochzeitstag doch noch zu einem guten Ende zu bringen.

Richtig nostalgisch wird es, als Brustmann über die Jugend nachdenkt: Niemand würde sich freuen, wenn er jung sei. Erst später, im Rückblick, werde dies einem dann bewusst. "Die Jugend kommt einfach zu früh", so der Kabarettist. Er erzählt von Felicitas, der ersten großen Liebe, die auch erst viel später als solche erkannt wird, der Angst vorm Führerscheinfoto, die erst nachlässt, wenn man den Lappen auf der Polizei abgeben muss, und dem vermeintlichen Verfallsdatum für Millionen Jahre altes Himalaya-Salz. Irgendwie sei doch nichts für die Ewigkeit gemacht - "mit Ausnahme der Musik von AC/DC, der Mitgliedschaft im ADAC und dem Freischwimmer". Passend dazu stimmt Brustmann auf der Zither ein erstaunliches "Highway to hell" an.

Duett mit Gabi

Überhaupt Musik: Ohne die geht es bei Brustmann nicht, die Älteren erinnern sich auch in Windischeschenbach noch an dessen Zeit beim "Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn" oder bei "Monaco Bagage". Neben der Zither greift er auch zur Gitarre, zur Mini-Quetschn und macht selbst vor dem Glockenspiel-Duett mit Gabi aus Friedenfels nicht halt. Es geht um Heimat und Freiheit, mal humorvoll, mal poetisch - und stets ganz Brustmann.

Ruhig heißt bei ihm aber nicht brav - denn er kann auch austeilen, bevorzugt gegen die CSU und den Ministerpräsidenten. Auf die "Ode an den Horst" würde Seehofer sicherlich gerne verzichten. Und Brustmann schaut ganz genau hin - auch bei der katholischen Kirche, wo die "zweiteChance" für einen pädophilen Priester im Bistum Regenburg von diesem auch gnadenlos ausgenutzt worden sei. Gemeinsam lässt er Jesus und seinen Nachfolger in Gestalt von Papst Benedikt XVI. durch die Wüste marschieren: Der eine eben in Lumpen und Sandalen, der andere in Prada-Pantoffeln und schweren Brokat-Umhang.

Hauptsache berühmt

Worte verbinden sich zu Bildern, denen der Zuhörer nicht entfliehen kann. Zum Abschluss gibt es dann noch bitterböse Gstanzln und die Selbsteinsicht Brustmanns, dass er ja schon immer berühmt werden wollte, völlig egal für was. Es muss nicht das Schlechteste sein, dass ihm dies ohne Zweifel als unkonventioneller Musikkabarettist gelungen ist.
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