Schweizer Kabarettist analysiert bei der Futura Windischeschenbach das deutsche Nachbarvolk
Der "Saupreiß" im Überschall

Christian Überschall, Schweizer Kabarettist und "Wunder von Bern", kommt seit 22 Jahren regelmäßig zur Futura. Am Freitag und Samstag zeigte er sein aktuelles Programm "Saupreiß Schweizerischer" .Bild: prh
Kultur
Windischeschenbach
13.10.2014
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Kann man Humor lernen? Die gute Nachricht: Ja, man kann. Die schlechte: Es kostet ein Schweinegeld. Der Schweizer Gastarbeiter mit Migrationshintergrund und Kabarettist Christian Überschall sparte mit Mimik, bestach jedoch wortgewandt mit subtilen Beobachtungen.

Angekündigt wurde Christian Überschall von keiner geringeren als der Stimme Edmund Stoibers als "bester, und einziger in München lebender Schweizer Kabarettist". Ob er der einzige ist, wissen wir nicht. Seinen Ruf, dass er zu den besten zählt, unterstrich er mit seinem aktuellen Programm "Saupreiß Schweizerischer" auf der Futura-Bühne.

Gegen das Unterhopfen

Sein Alter gibt er immer netto, also nach Abzug von 19 Prozent an. Im Internet zieht er noch einmal zehn Prozent ab. Das rührt wahrscheinlich daher, dass der Schweizer noch vor gut 20 Jahren als Steuerberater tätig war, bevor er Bilanzkosmetik und Gewinntuning hinter sich ließ und Kabarettist wurde. So sparsam und geordnet wie er mit Steuern umging setzte Überschall auch seinen Körper auf der Bühne ein. Er kommt, setzt sich auf einen Stuhl, holt eine Halbe Bier (gegen den Unterhopfen) aus seiner Aktentasche und beginnt ohne große Mimik, zu erzählen. Vorher müssen sich die Zuhörer allerdings noch über die "Audience-Responsibility-Rules" (Publikumsverantwortungsregeln) aufklären lassen: Stehende Ovationen nur bei Sternstunden. Mit genauen Beobachtungen und schweizer Humor deckte Überschall deutsche Defizite auf.

Benachbarte Volksstämme würden sich unterschiedlich wahrnehmen. "Es gibt solchene und solchene. Solchene, die Cindy aus Marzan lieben und solchene, die nicht. Alles Spätfolgen des 30-jährigen Kriegs". In einer Dekaden-Analyse beginnt der "vor 45 Jahren in München einmarschierte" Schweizer in den 50ern, in die auch das "Wunder von Bern" fällt. Das sei nach langen Nächten auch sein Spitzname. Als Gastarbeiter mit Migrationshintergrund vom "Volk der Sympathieträger" à la Josef Ackerman, Jörg Kachelmann und Josef Blatter, möge er die Deutschen eigentlich, "wenn sie nur nicht so deutsch wären". In den 80ern hätten sie sich von humorlosen Schnitzel- zu humorlosen Scampifressern entwickelt. In der Gegenwart hätten sie schließlich zu sich selbst gefunden, würden mit der einen Hand Tofu-Würstchen grillen und mit der anderen Europa retten.

Der Futura verbunden

Am Ende erklärt Überschall, wie man Menschen zum Lachen bringt, nämlich, mit etwas Lustigem. Davon hat er wortgewandt mit teils derben, bitterbösen Pointen ausreichend zu bieten. Alles in allem war es ein guter Kabarettabend. Dazu gehörten ein gutes Programm und ein gutes Publikum. "Das Programm habe ich selbst geschrieben, das Publikum musst du so nehmen wie es kommt". Ihm bescheinigt er allerdings, sehr fachkundig zu sein, sonst würde er auch nicht immer wieder - und das immerhin schon seit 22 Jahren - nach Windischeschenbach, der "Chill-Out-Location schlechthin" kommen: "Odr?" Eine kleine musikalische Zugabe am Klavier widmete er dem früheren Gesicht und Macher der Futura87, Erwin Schlott.
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