Thomas Schreckenberger gastiert mit seinem aktuellen Programm bei der Futura
Wenn Klaus Kinski Kanzlerin wäre

Das Publikum sieht es ihm nicht an: Aber an Thomas Schreckenberger ist ein "echter" Klaus Kinski verloren gegangen. Das beweist der Kabarettist bei seinem Auftritt bei der Futura. Bild: stg
Kultur
Windischeschenbach
27.09.2016
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Allein die bloße Vorstellung hat einen gewissen Charme: Während einer Sitzung des Bundeskabinetts ergreift der Geist von Klaus Kinski das Handeln und Reden von Angela Merkel. Umgesetzt wird das vom Kabarettisten Thomas Schreckenberger bei der Futura.

Es wird einer der Höhepunkte des Auftritts des gebürtigen Heidelbergers, der heute in der Nähe von Stuttgart lebt. Überschrieben ist sein aktuelles Programm mit "Ene, mene, muh - wem traust du?" Einen Klaus Kinski zu imitieren, ist nicht gerade einfach. Wer die Werner-Herzog-Dokumentation "Mein liebster Feind" und vor allem die Szene am Filmset von "Fitzcarraldo" kennt, weiß dies. Diese Gestik, Mimik und Ausdrucksweise nun auf Angela Merkel übertragen - das kann nur viele Lacher hervorbringen. Und so ist es auch bei der Futura in Windischeschenbach.

"Kaiser" ohne Heiligenschein


Die große Frage, wem man heute noch trauen kann, kann auch Schreckenberger nicht so einfach beantworten. Es seien eben schwierige Zeiten, in denen selbst "Kaiser" Franz Beckenbauer seinen Heiligenschein verliere.

Und in denen auch in der Politik kein charismatisches Personal mehr zu finden sei. Früher, da habe es noch Franz Josef Strauß gegeben, vor dem die Leute wenigstens Angst haben konnte. Heute gebe es nur noch Leute wie Sozialministerin Andrea Nahles, das "menschliche Gegenstück zur Zahnwurzelbehandlung ohne Betäubung", oder Finanzminister Wolfgang Schäuble, den "Darth Vader der deutschen Politik". Oder eben CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der im Labor zusammengemixt wurde aus Kuhdung und Teilen eines eitrigen Geschwürs von Franz Josef Strauß.

Auch im Ausland schaue es nicht besser aus - da müsse man nur den "sehr sensiblen Menschen" Erdogan nehmen. Wenig schmeichelhafte Worte hat Thomas Schreckenberger auch für Banker parat, hier sei das Vertrauen komplett verspielt. "Was waren das früher für schöne Weltspartage", blickt der Kabarettist zurück. Politiker werden gekauft, können von den Lobbyisten nach eigenen Wünschen zusammengestellt werden - ausführlich demonstriert dies Schreckenberger am Beispiel der Internetplattform "www.elite-politiker.de" für "Lobbyisten mit Niveau". Der Kabarettist streift noch die Weltpolitik mit all ihren Konflikten, als Konsequenz sehe man im Fernsehen nur noch Nahost-Experten. "Morbus Scholl-Latour greift um sich", betont Schreckenberger.

Hauptrolle für Seehofer


Ob man letztlich nur noch auf die Kraft der Liebe vertrauen kann? Die gelungene Parodie auf Shakespeares "Romeo und Julia" macht wenig Hoffnung. Was aber auch nicht wundert, wenn darin Horst Seehofer und Angela Merkel die Hauptrollen übernehmen. Da fehlt eigentlich nur noch Klaus Kinski ...
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