Tobias Siebert am Schafferhof
Augen zu, Kopfkino an

"And the Golden Choir" ist außergewöhnlicher Indie-Pop - voluminös und orchestral interpretiert, begleitet von Sieberts fragiler Kopfstimme, mal entrückt, mal kraftvoll. Bild: otj
Kultur
Windischeschenbach
13.02.2016
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Neuhaus. Bodenlanger Mantel, introvertierter Habitus, sympathisch verschroben - so entert Tobias Siebert, aka "And the Golden Choir", die Bühne des Schafferhofs. Diese steht voll mit Instrumenten. Mehr Musiker werden es dennoch nicht. Dafür steht da ein Plattenspieler, der warm knisternd für eine Band in die Bresche springt.

Sympathiebekundung


"Ich kann nicht so gut mit Menschen", kommentiert der Musiker und Produzent (Kettcar, Philip Boa, Enno Bunger, William's Orbit) seinen Alleingang. Was glatt gelogen ist. Die Menschen im Schafferhof mögen ihn. Und umgekehrt, was er in charmanten Ansagen deutlich macht. Den Wein tauscht er bald gegen einen Krug Zoigl. Ein "Spitzen-Typ", gibt es aus dem Publikum. "And the Golden Choir" nennt Siebert sein Solo-Projekt. Und weil er alleine auf der Bühne steht, bedient er sich eines durchaus häufig genützten Kniffs. Alles, was er nicht selber live spielt, hat er im Vorfeld aufgenommen - allerdings nicht wie üblich auf dem Macbook digitalisiert, sondern hübsch analog, arrangiert und dann auf Vinyl gepresst.

Mit diesem warm knisternden Playback im Rücken spielt er mal Gitarre, mal Harmonium, mal Hackbrett. Diese Klangfülle mutet hin und wieder richtiggehend absurd an, da sie visuell nicht mit dem Bühnengeschehen in Einklang zu bringen ist. Empfehlung: Augen schließen, Kopfkino an. Wow. "And the Golden Choir" kommt in der Ära der digitalen Beat-Frickler wohltuend altmodisch daher, oft begleitet von fragiler Kopfstimme, mal entrückt, mal kraftvoll. Orchestral und voluminös - genug um einen Kirchenbau auszufüllen. Nicht umsonst schrieb ein Journalist: "Indie Gospel trifft Kammer-Pop".

Einzigartig


Will man unbedingt Analogien zu musikalischen Anverwandten ziehen, kommt man zu keinem Ende. Frei assoziieren geht, ist aber sehr subjektiv. Akustik-Rohrschach sozusagen: "Ocean Spray" von den "Manic Street Preachers", die frühen "Radiohead", "Get Well Soon" oder "Monta" mag man raushören. Namedropping beiseite: Tobias Siebert ist ein Spitzen-Typ. Und einzigartig. Halleluja.
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