Warum immer nur Kochshows? Kabarettist Philipp Weber präsentiert "Durst - Warten auf Merlot", ...
Klarheit in trüben Gewässern deutscher Trinkkultur

Durst hatte der Mann auf der Futura-Bühne. In seiner mitreißenden Trinkshow "Durst - Warten auf Merlot" klärte Kabarettist Philipp Weber höchst amüsant über die Getränkeindustrie auf. Bild: Prem
Kultur
Windischeschenbach
30.11.2015
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Deutschlands radikalster Verbraucherschützer klärt auf der Futura-Bühne schonungslos, brillant recherchiert und höchst amüsant über die kommerziellen Einflüsse der Getränkeindustrie und die Folgen der flüssigen Nahrungsaufnahme für die Umwelt auf. Hier in der Oberpfalz fühlt sich Philipp Weber besonders wohl, der Odenwälder mit dem herrlichen Dialekt. Für den Kabarettisten gibt es keinen schöneren Ort als die Metropole des Zoigls, um übers Trinken zu reden. Das tut er ausgiebig, intelligent und überaus humorvoll. Das Publikum amüsiert sich köstlich über die Auswüchse deutscher Trinkkultur.

Sein T-Shirt signalisiert schon, wo die Reise an diesem Abend hingeht. Der Mann auf der Bühne hat Durst, und um den geht es - im weitesten Sinne. Weber ist kein Kostverächter in Sachen Alkohol. Aber für ihn gilt: "Bier immer regional und saisonal trinken". In der Oberpfalz und in seiner Heimat, dem Odenwald, dort, wo du einen Fliegenpilz rauchen musst, um Kino sehen zu können, gehört Biertrinken zur Kultur. Er verachtet "belgische Aldi-Billig-Plörre".

Heilkraft des Bieres

Aber es kommt immer darauf an, was man damit machen will: "Fürs Dackelenthaaren ist das in Ordnung." Weber glaubt an die Heilkraft des Bieres, das pro Liter 0,3 Milligramm Vitamin B12 enthalte. Bei einem Tagesbedarf von 1,2 Milligramm spart er sich bei acht Halben den Apfel. Tief steigt er hinab in den von Onkel Rudi geerbten Weinkeller, mit 200 Flaschen rumänischer Mädchentraube ein wahres önologisches Horrorkabinett.

Sein Onkel war es auch, der noch auf dem Sterbebett alkoholfreies Bier ablehnte, denn "Bier ohne Alkohol ist wie BHs auf der Wäscheleine. Es fehlt der wesentliche Inhalt." Durststrecken gibt es in Webers mitreißendem Programm nicht. Von Beginn an gibt der virtuose Sprachkünstler Vollgas, wirbelt über die Bühne, unterhält sich mit der Weintrinkerin Erni in der ersten Reihe und setzt Pointe an Pointe, gewoben aus scharfsinnigen Beobachtungen und Analysen zu gesellschaftlich relevanten Themen rund ums Trinken.

Der Kabarettist präsentiert glaubhafte Fakten. So werden heuer in der Adventszeit wohl wieder 120 Millionen Liter Glühwein auf den Weihnachtsmärkten verkonsumiert, 25 000 Jugendliche werden in diesem Jahr mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen, aber auch 27 000 Rentner. "So erfüllt sich das Sprichwort: Alter schützt vor Vollheit nicht."

Während eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, machen wir um selbiges als Lifestyle-Getränk Nummer 1 einen großen Hype. Edelwässer - je teurer, desto besser - liegen voll im Trend. Dabei stammt das tasmanische Regenwasser aus der Tonne, Fidschi-Wasser zum Preis von 26 Euro pro Flasche wird aus der Leitung abgefüllt. Einen heißen Geschäftstipp für Windischeschenbach hat der quirlige Kabarettist deshalb auch parat: "Vermarktet naturtrübes Naabwasser! Kommt garantiert an." Und was stellte der verstorbene große "Alkohologe" Onkel Rudi schon immer fest? "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch Wasser trinkt, dann hätte er nicht so viel davon gesalzen."

Kleines Hirn, großes Maul

In der stürmisch geforderten Zugabe widmet sich Weber der Xenophobie, der Angst vor anderen Menschen, die wir haben. Wie mag sich der afrikanische Homo Sapiens wohl gefühlt haben, als er auf den europäischen Neandertaler mit kleinem Hirn und großem Maul traf? "Das kennen wir aus Dresden." Am Ende wird klar, warum Philipp Weber so ein ruhiger und entspannter Mensch ist: Weil er mit seinen Emotionen einfach anders umgeht.
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