Die Sprache der Steine

Lokales
Windischeschenbach
19.01.2015
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Steine sind kein totes Material. Wer sich näher damit befasst, lernte eine faszinierende Möglichkeit kennen, der Entwicklungen in der Erdgeschichte näher zu kommen. "Steine - das Archiv der geologischen Prozesse" lautete das Thema des Vortrags von Dr. Frank Holzförster.

Der Vortrag passte auch zum Jahresthema Steine des Kooperationspartners "Akademie für Natur- und Industriekultur Ostbayern-Böhmen" in Neunburg vorm Wald und zur Vortragsreihe des Geo-Zentrums zum Internationalen Jahr des Bodens. Stefan Ebeling von der Akademie begrüßte die zahlreichen Zuhörer im voll besetzten Dieter-Betz-Saal.

Aus Ablagerungen

Dr. Holzförster - Diplom-Geologe und Umwelt-Pädagoge am KTB - stellte anfangs die häufigsten Bodentypen vor: Braunerde, Podsol, Pseudogley und gab anhand von Bildern einen Einblick in interessante Formationen der näheren Heimat wie die Parksteiner Basaltfelsen oder den Flossenbürger Granit, Sandstein-Strukturen in Rheinland-Pfalz oder auch geologische Besonderheiten in Namibia oder Südafrika. Zu unterscheiden sind kristalline und Sedimentgesteine. Letztere entstehen aus Ablagerungen. Bei den kristallinen Gesteinen gibt es zum einen die magmatischen - durch Erstarrung von Magma und Lava entstandenen - zum anderen die metamorphen Gesteine, die sich unter Einfluss von Druck und Temperatur gebildet haben. Kristall sei das perfekt geformte mineralogische Idealbild, in dieser Form jedoch im Gestein fast nie verwirklicht, sondern trete als derbes Mineralquarz auf.

4200 Mineralien

Von den rund 4200 bekannten Mineralien, so führte der Referent aus, sind der Großteil Silikate (65 Prozent), 12 Prozent Karbonate und 5 Prozent Oxide. Nur insgesamt 30 davon sind gesteinsbildend. Wie die Zusammensetzung von Gesteinen aussehe, untersuche man mit transluzenten Dünnschliffen, hauchdünnen Plättchen, die mit Hilfe von polarisiertem Licht farbig erscheinen. Sedimentgesteine können sich, wie Holzförster erklärte, durch rein chemische Fällungen bilden (wie Stalagmit und Stalagtit in Tropfsteinhöhen), oder durch chemische Ausfällung mit biologischer Hilfe und Aktivität wie bei Riffen, wo Globigerina - Einzeller oder kalkiges Plankton - an der Bildung beteiligt sind. Sedimentgestein bildet sich ebenfalls durch die Zusammenballung von transportierten Gesteinsbröckchen.

Der Aufbau und die Anordnung der Minerale wurde den Zuschauern anschaulich vor Auge geführt. Der Geologe zeigte Bilder von porphyrischem Gefüge (Granit), Lagengefüge (Gneis), Schichtgefüge (Sandstein) oder blasigem Gefüge (Basalt). Verschiedene Strukturen geben dem Fachmann die Möglichkeit zu faszinierenden Interpretationen, er kann Schlüsse über Ablagerungsprozesse, Vulkanausbrüche, Wasserbewegungen und Windrichtungen ziehen. Eine Besonderheit stellen Trittsiegel, Spuren früherer Lebensformen, oder Koprolithen dar. Koprolithen sind versteinerte Kothäufchen, Millionen von Jahren alt, und ein Glücksgriff für die Wissenschaft um ins "Archiv der erdgeschichtlichen Entwicklung" zuschauen.

Entstehungsprozesse machte Dr. Holzförster anhand des variszischen Gebirges deutlich, wo sich Erdkrusten übereinander schieben, partielle Schmelzen und Drucke entstehen. Lesen in der Landschaft sei auch gut möglich bei fluviatilen Sandsteinen, die Rückschlüsse auf Fließgeschwindigkeit und Umweltbedingungen innerhalb der Erdgeschichte zulassen. Als perfektes natürliches Recycling bezeichnete der Geologe den Kreislauf der Gesteine durch Erosion, Verwitterung, Ablagerung in Flüssen und Ozeanen. Dies sei ein ständig ablaufender Prozess, denn - wie er treffend formulierte: "Die Erde hat Zeit".
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