Ein Engel auf der Panzersperre

So stellt sich Erwin Otte die Panzersperre an der Unterführung in Zukunft vor. Der Künstler hofft nun auf Hilfe bei der Finanzierung. Montage: hfz
Lokales
Windischeschenbach
25.02.2015
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Seit 20 Jahren beschäftigt Erwin Otte eine Idee: Der Künstler aus Reuth möchte ein Relikt des Kalten Krieges in ein Friedenssymbol verwandeln. Inzwischen hat er die Zusage, dass er darf. Damit er auch kann, muss er nun Sponsoren finden.

(wüw) Der "Neue Tag" hat Erwin Otte auf den "Wahsinnsbau" aufmerksam gemacht. 1996 war das, seither hat die Panzersperre an der Bahnunterführung zwischen Windischeschenbach und Neuhaus den Künstler aus Reuth bei Erbendorf nicht mehr losgelassen. Das Verteidigungsministerium hatte die sieben Meter hohe Betonstele Anfang der 1980er Jahre westlich der Unterführung errichten lassen. Ihr einziger Zweck: Sollte "der Russ' kommen", hätte die Bundeswehr den Block gesprengt, die Trümmer wären vor die Unterführung gefallen und hätten so den russischen Panzern den Weg nach Westen versperrt. Ein Rückbau war nicht geplant, deshalb musste der Klotz nach Ende des Kalten Kriegs stehen bleiben.

Ein Stein als Inspiration

Als Otte diese Geschichte im "Neuen Tag" las, begann es im Kopf des Künstlers zu arbeiten. "Bei einer Wanderung habe ich etwas später einen besonders geformten Stein entdeckt. In ihm habe ich die körperhafte Abbildung eines Engels entdeckt", berichtet Otte. Als er Panzersperre und Engelsstein in Gedanken verbunden hatte, war die Idee vom Friedensengel auf der Panzersperre geboren (siehe Kasten).

Bald 20 Jahre sind vergangen. Seither arbeite Otte an der Umsetzung der Pläne. Als Künstler war er dabei bisher weniger gefordert. Vielmehr setzte sich der Reuther mit Ämtern, Behörden und Bürokraten auseinander. "Es ist unvorstellbar, wer bei dieser Panzersperre alles mitreden wollte", sagt Otte. Mit Ausdauer holte er sich nach und nach die Zustimmung, des Verteidigungsministeriums, der Bahn und anderer Behörden.

Rund 25 000 Euro

Die Stadt Windischeschenbach gab ihr Okay im Jahr 2011. Die letzte Hürde war schließlich das Denkmalamt. Das hatte die "Fallkörpersperranlage" in aller Stille im Jahr 2012 als baugeschichtliche Erinnerung an die Zeit des Kalten Kriegs in die Denkmalschutzliste aufgenommen und so ein Mitspracherecht gesichert. Otte konnte aber auch die Denkmalschützer mit seinen Konzept überzeugen.

Damit hatte die Bürokratie den Weg frei gemacht, an Otte ist es nun, auch die ökonomischen Sperren wegzuräumen. Finanzieren muss er das Vorhaben nämlich selbst. Mit rund 25 000 Euro Aufwand kalkuliert der Künstler für das Werk, das er unter Umständen mit der Waldsassener Glashütte Lamberts verwirklichen will. Auch andere Unterstützer habe er bereits, noch sei aber Hilfe nötig. Wer sich an dem Projekt beteiligen will, könne sich bei der Stadt Windischeschenbach melden.

Erwin Otte ist für jede Hilfe dankbar. "Es gab Zeiten, in denen ich mich gefragt habe, ob es den Friedensengel noch braucht", gesteht er. Als die Vereinigung voranschritt und Europa scheinbar problemlos zusammenwuchs schien eine Mahnung für Frieden in Europa überflüssig zu sein. Aber in Zeiten von Euro-Krise und Ukraine-Krieg findet Otte, dass ein solches Friedenszeichen unbedingt gebraucht wird.
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